Nebenan - The Vibrator Play
von Sarah Ruhl
1880, zur Geburtsstunde der Elektrizität, hat die Diagnose "Hysterie" Hochkonjunktur. Dr. Givings, Facharzt für hysterische Leiden, behandelt seine Patientinnen im "Raum nebenan" mit einer neuen technisch-medizinischen Errungenschaft: dem Vibrator. Surrende Geräusche und leidenschaftliche Seufzer aus dem Praxiszimmer und die entspannten Gesichter nach der Behandlung machen seine Ehefrau neugierig. Das neue Gerät ist einfach zu handhaben – bringt in Eigendynamik aber einige Turbulenzen in die bisher scheinbar so geordneten Beziehungen.
Das zeitgenössische Stück über eine historische Wende führt vor, wie der Strom eine zutiefst konservative Gesellschaft zu verändern begann und durch einen einfachen Knopfdruck das festgefügte Geschlechterverhältnis immer mehr aus den Fugen gerät.
- premiere 26 Feb 12
- Vorstellungsdauer ca. 1 std. 45
- Keine Pause
- Regie Barbara Weber
- Bühne Janina Audick
- Kostüme Tabea Braun
- Musik Arvild Baud
- Licht Tobias Löffler
- Video Meike Ebert
- Dramaturgie Aenne Quinones
- Norman Hacker Dr. Givings
- Hanna Scheibe Catherine Givings
- Carolin Conrad Sabrina Daldry
- Katharina Pichler Annie
- Miguel Abrantes Ostrowski Leo Irving
- Thelma Buabeng Elizabeth
- Jörg Lichtenstein Mr. Daldry
Die Hysterie und der Vibrator
Das Abendland kennt drei Mächte, die aus dem Nichts sichtbare Wirklichkeit erschaffen: Das eine ist der liebe Gott, das zweite ist der Kredit, das dritte ist die Hysterie.
"Sie müssen sich nicht schämen. Das Gerät hat bei allen unseren Patientinnen die gleiche Wirkung. Manchmal lachen und weinen sie gleichzeitig. Häufig rufen sie Gott an."
S. Ruhl, "Nebenan - The Vibrator Play"
Ach, die Libido, die ist sowieso der reinste Luxus
"Zumindest die weibliche. Der männliche Orgasmus, logo, sichert die Fortpflanzung, immerhin mit der verschwenderischen Menge von bis zu 400 Millionen Samenzellen pro Ejakulation. Der weibliche Orgasmus hingegen - die pure Verschwendung, sagt die Wissenschaft. Alle Theorien, ihm einen Nutzen nachzuweisen, schlugen bislang fehl. Frauen, die Spaß am Sex haben, sind weder besonders fruchtbar. Noch besonders treu. Und sie haben auch nicht häufiger Sex als andere - was ja evolutionär Sinn machen würde. Das ist schwer zu akzeptieren für einen Biologen. Dann sei das mit der weiblichen Lust wohl, so musste der Evolutionsbiologe Stephen J. Gould nach vielen Jahren Forschung einsehen, der pure Luxus. L'art pour l'art. Wie schön." (Ursula Ott in Chrismon, Januar 2008)
Weibliche Selbstbefriedigung: Die Scham da unten
"Selbstbefriedigung von Frauen war lange ein heikles Thema, nur verschämt diskutiert - bis die Literatur sich der weiblichen Sexualität annahm." (Jenni Zylka in der taz, 26.10.2008)
Cybersex & fuck machines
"Die sexuelle Maschine wird zum radikalsten Subjektverstärker, der den Körper in Regionen anspricht, von denen der Kopf noch keine Ahnung hat und Phantasien stimulieren, die die Gesellschaft zu verbieten noch keine Gelegenheit hatte." (Georg Seeßlen in spex #330, Januar/Februar 2011)
NEBENAN - THE VIBRATOR PLAY (FOTOGALERIE)
Good Vibrations
Interview mit Hanna Scheibe
Zur Premiere von "Nebenan - The Vibrator Play" spricht Hanna Scheibe in der Süddeutschen Zeitung über Vibratoren-Werbung, Hysterie und schauspielerische Bühnen-Höhepunkte.
Nebenan - The Vibrator Play Programmheft (PDF)






