Die Ratten

von Gerhart Hauptmann

"Habe ich wohl Talent zum Schauspieler?“, fragt der Kandidat der Theologie Spitta den ehemaligen Theaterdirektor Hassenreuter. Beide streiten um alte oder neue Kunstkriterien und verfolgen mit Interesse die Konflikte der im "echten und engen Elend" lebenden Unterschicht. Es scheint fast, als "inszenierten" sie, dass die verzweifelte Frau John dem polnischen Dienstmädchen Piperkarcka ihr uneheliches Kind abkauft und es als das ihre ausgibt. Hassenreuter gratuliert Frau John mit großer Geste zur Geburt, und auch ihr in Hamburg arbeitender Ehemann ahnt nichts von dem Betrug. Doch das Dienstmädchen will ihr Kind zurück, und Frau John schiebt der Piperkarcka das kranke Kind der asozialen Nachbarin Knobbe unter.

Hauptmanns berühmter Großstadtkrimi gilt zu unrecht als lokales Berlinstück. Vielmehr spiegelt sich in ihm der Überlebenskampf in Zeiten von Unsicherheit und Krise sowie das tragikomische Ringen um dessen künstlerische Darstellbarkeit. Der griechische Regisseur Yannis Houvardas, bis Mai 2013 Künstlerischer Direktor des Nationaltheaters in Athen, inszeniert Hauptmanns 1911 uraufgeführtes Schauspiel über den schonungslosen Überlebenskampf ganz im Sinne des Autors "von 'mimischer Ironie' durchdrungen".

  • premiere 10 Okt 13
  • Vorstellungsdauer ca. 2 std. 15
  • Regie Yannis Houvardas
  • Bühne Katrin Nottrodt
  • Kostüme Esther Bialas
  • Musik Rudolf Gregor Knabl
  • Licht Tobias Löffler
  • Dramaturgie Andrea Koschwitz
mit
  • Oliver Nägele Harro Hassenreuter, ehemaliger Theaterdirektor
  • Ulrike Willenbacher Seine Frau
  • Marie Seiser Walburga, seine Tochter
  • Thomas Gräßle Erich Spitta, ehemaliger Theologiestudent
  • Genija Rykova Alice Rütterbusch, Schauspielerin
  • Michele Cuciuffo Herr John, Maurerpolier
  • Valery Tscheplanowa Frau John, Putzkraft von Hassenreuter
  • Tom Radisch Bruno Mechelke, ihr Bruder
  • Katharina Schmidt Pauline Piperkarcka, Dienstmädchen
  • Sierk Radzei Hausmeister Quaquaro
  • Hanna Scheibe Frau Sidonie Knobbe
  • Sara Tamburini Selma, ihre Tochter
  • Michael Gumpinger Musiker

Valery Tscheplanowa erhält Alfred-Kerr-Darstellerpreis des Theatertreffens 2014

Resi-Ensemblemitglied Valery Tscheplanowa erhält den diesjährigen Alfred-Kerr-Darstellerpreis für die beste Leistung eines jungen Schauspielers/einer jungen Schauspielerin im Rahmen des Theatertreffens für ihre Rolle der "Njurka" in Dimiter Gotscheffs Inszenierung von "Zement", mit der das 51. Berliner Theatertreffen am 2. Mai eröffnet wurde. Die Allein-Jurorin Edith Clever hat nach Besuch aller zum Theatertreffen 2014 eingeladenen Inszenierungen diese Entscheidung getroffen. Der Preis ist mit 5.000 € dotiert. Die Preisverleihung fand am letztes Tag des des Theatertreffens im Haus der Berliner Festspiele statt.

Valery Tscheplanowa erhält Alfred-Kerr-Darstellerpreis des Theatertreffens 2014

Die Ratten - Realismus als Illusion

Hautnah am Leben sollte ein Kunstwerk für die Naturalisten sein. In detailgenauen Bildern, Romanen und Theaterstücken zeigten die Künstler schonungslos den Alltag und die Nöte der Land- wie der wachsenden Stadtbevölkerung, die verschärften Arbeitsbedingungen in den Fabriken, Obdachlosigkeit und Armut, aber auch Volksbräuche oder häusliche Szenen.

Die Ratten - Realismus als Illusion

Die Ratten

Inhaltsangabe

Auf dem Dachboden eines Berliner Mietshauses hat der ehemalige Theaterdirektor Hassenreuter seinen Theaterfundus eingerichtet. Nach jahrelanger Theaterarbeit in der Provinz muss er sich und seine Familie als Kostümverleiher und Schauspiellehrer durchbringen. Die im Mietshaus wohnende Frau Maurerpolier John hat er als Putzkraft engagiert. In der Großstadt gehen die Gespenster des gesellschaftlichen Abstiegs um und entwickeln in Hassenreuters Fundus ihr Eigenleben: Ist das Realität oder Illusion? Theater oder Wirklichkeit?

Die Ratten
Bild 

Gerhart Hauptmann

Im Jahr 1885, dem Jahr des Durchbruchs des Naturalismus in Deutschland mit der Publikation von Arno Holz’ „Das Buch der Zeit“ und der ersten Ausgabe von Michael Georg Conrads Münchner Zeitschrift „Die Gesellschaft - realistische Wochenschrift für Literatur, Kunst und öffentliches Leben“, lebte Gerhart Hauptmann in Berlin Moabit. Nach seinem abgebrochenen Kunststudium in Dresden, studierte er an der Universität Berlin und nahm Schauspielunterricht bei Alexander Heßler.

Gerhart Hauptmann