Die Befristeten

Musiktheater nach Elias Canetti

Eine Produktion des Residenztheaters in Koproduktion mit der Münchener Biennale in Kooperation mit Nico and the Navigators

Was wäre, wenn wir von jeher wüssten, wie lange wir leben werden? Wie würden wir unsere Leben einteilen und gestalten – und wie unsere Beziehungen verändern?

In seinem Anfang der 50er Jahre entstandenen Gedankenspiel "Die Befristeten" geht Elias Canetti diesen Fragen nach. Er führt eine Gesellschaft vor, in der die Namen der Menschen so lauten wie die Anzahl der Jahre, die sie leben werden. Eine zentrale Machtinstanz namens Kapselan kontrolliert und verwaltet das Sterben. Und die Menschen sind heiter – denn Gewissheit über den Tod bedeutet für sie auch ein Ende der Trauer. Nur ein Mann namens Fünfzig beginnt an diesem System zu zweifeln.

Seit der groben Entschlüsselung des menschlichen Genoms 2003 scheint unsre Welt Canettis Dystopie einzuholen: Mittels Genanalyse können heute bereits 250 Erbkrankheits-Risiken erkannt und Lebenserwartungen eingeschätzt werden. Diese wissenschaftlichen Entwicklungen und ihre Anwendungen werfen ethische, politische und persönliche Fragen auf, die genau an jene anschließen, die Canettis Stück stellt.

Nicola Hümpel erweitert Canettis Werk um heutige Reflexionen. Gemeinsam mit dem Komponisten Detlev Glanert entsteht ein neues Stück Musiktheater.

Kompositionsauftrag der Münchener Biennale und des Residenztheaters. 

Diese Aufführung wird ermöglicht durch die Unterstützung des Vereins der Freunde des Residenztheaters.

  • Vorstellungsdauer ca. 2 std.
  • Konzept, Regie, Kostüme Nicola Hümpel
  • Bühne Oliver Proske
  • Komposition Detlev Glanert
  • Musikalische Leitung Heinz Friedl
  • Licht Markus Schadel
  • Dramaturgie Veronika Maurer
mit

Die Befristeten — Von der Diktatur des letzten Augenblicks

Diskussionsveranstaltung der Freunde des Residenztheaters

Was wäre, wenn wir wissen könnten, wann unsere Stunde schlägt? In Elias Canettis Stück wird die Überwindung der letzten Ungewissheit zum Ausgangspunkt für die totale und totalitäre Verfügbarkeit über das menschliche Leben.
Eine Diskussion über die Aktualität seines Gedankenspiels und dessen szenisch-musikalische Umsetzung.

Mit: Sebastian Huber (Chefdramaturg), Nicola Hümpel  (Regisseurin),
Dr. Florian Schuller (Direktor der Katholischen Akademie in Bayern), Dr. Klaus Vogelgsang (Universität Augsburg)

Die Befristeten — Von der Diktatur des letzten Augenblicks

Die Befristeten Programmheft (PDF)

Die Befristeten Programmheft (PDF)
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Wollt ihr wissen, wie lang ihr auf der Welt sein werdet?

Das Geschäft mit der Lebenserwartung: Die Gendaten-Industrie wird ihren Kunden bald ziemlich genau sagen, wieviel Zeit sie noch haben. Aus dem Leben wird eine Frist – von Geburt an. Wollen wir das? Das fragt Peter Kümmel in der Wochenzeitung ZEIT.

Wollt ihr wissen, wie lang ihr auf der Welt sein werdet?

DIE BEFRISTETEN (FOTOGALERIE)

Über das Friedhofsgefühl

von Elias Canetti

Friedhöfe haben eine starke Anziehung; man sucht sie auf, auch wenn man keinen Angehörigen dort liegen hat. In fremden Städten pilgert man zu ihnen hin; man läßt sich Zeit für sie; man ergeht sich darin, als wären sie für einen angelegt worden. Man gerät auf dem Friedhof sehr bald in eine Stimmung ganz eigener Art. Es ist fromme Sitte, sich über die Natur dieser Stimmung zu täuschen. Denn der Ernst, den man fühlt und den man noch mehr zur Schau trägt, verdeckt eine geheime Genugtuung.

Über das Friedhofsgefühl

MUSIK - THEATER - NAVIGATION / OPER OHNE GESANG

von Detlev Glanert

Musik zu gesprochenen Worten ist etwas außerordentlich Faszinierendes; im 19. Jahrhundert als Melodram eine eigene Gattung, im 20. Jahrhundert teilweise in die Filmmusik hinübergewechselt, bleibt es bis heute für Komponisten wie mich ein ungewöhnlicher Anziehungspunkt, weil man mit zwei verschiedenen Paar Ohren arbeiten muß und zugleich neue Versuche der Symbiose unternehmen kann.

MUSIK - THEATER - NAVIGATION / OPER OHNE GESANG

DIE BEFRISTETEN

INHALTSANGABE

Die Gesellschaft, die Elias Canetti in seinem in den 1950er Jahren entstandenen szenischen Gedankenspiel "Die Befristeten" vorführt, unterscheidet sich von der unsrigen durch ein existentielles Merkmal: Das Ausgesetzt-sein den Gefahren, der letzten Gefahr, dem Tod, ist abgeschafft. Die Namen der Menschen lauten wie die Anzahl der Lebensjahre, die sie erreichen werden.

DIE BEFRISTETEN

Wofür es sich zu leben lohnt

Der Staat betreibt Sicherheitspolitik im großen Stil, während der Einzelne sich beharrlich selbst optimiert. Bereitet uns das Freude? Der Wiener Philosoph Robert Pfaller über die Unvernunft des Genusses, die das Leben erst lebenswert macht. 

Wofür es sich zu leben lohnt

Mit "Mozart" auf der Probe

Mit der Uraufführung von "Die Befristeten" endet die sechswöchige Probezeit eines außergewöhnlichen Musiktheater-Projektes: Komponist Detlev Glanert schrieb während der Proben die Musik parallel zu Nico Hümpels Inszenierung. Regieassistent Christoph Hetzenecker berichtet im Blog über die Gleichzeitigkeit des Entstehungsprozesses von Musik und Szene. MEHR ...
Mit "Mozart" auf der Probe

Spielzeit 2013/2014

Das Jahr der unruhigen Träume hat begonnen! Neben einem Themenkreis um die Jahre 1913/14, in denen vor hundert Jahren der Erste Weltkrieg die Moderne erschütterte, prägt, ausgehend von Johann Wolfgang Goethe, ein "Faust"-Schwerpunkt den Spielplan dieser Spielzeit. Unsere Spielzeithefte liegen an unseren Spielstätten und am Zentralen Kundenschalter am Marstallplatz 5 aus.

Spielzeit 2013/2014