Der Geldkomplex

nach Franziska Gräfin zu Reventlow

URAUFFÜHRUNG!!

"Das Geld kommt nur zu dem, der es mehr liebt als alles andere." Wolfgang Kröske alias Dr. Seltsam

Mäuse. In Franziska Gräfin zu Reventlows heiter-anarchischem Briefroman weist sich die Protagonistin in ein Sanatorium ein, die Diagnose lautet: "Geldkomplex". Kröten. All ihr Denken und Fühlen dreht sich ums Geld – das sie nicht hat, das sie braucht und ersehnt. Schotter. Längst hat sich eine komplizierte Liebesgeschichte entwickelt: „Ich bin tatsächlich dahingekommen, das Geld als ein persönliches Wesen aufzufassen, zu dem man eine ausgesprochene und in meinem Falle eine qualvolle Beziehung hat." Kohle. Doch die Therapien schlagen nicht an, und schnell sind die Mitpatienten ebenfalls mit dem Geldkomplex infiziert. Zaster.

Zwischen Finanzkrisen, EU-Rettungsfonds, Immobilienblasen und Dispo-Kredit entführt die Inszenierung in ein Sanatorium, das keine Rettung bietet. Mit von der Partie sind ein paar nicht immer zahlungsfähige Puppen. Moneten. Moos. Piepen.

Franziska Gräfin zu Reventlow 1871 bis 1918 war Anfang des 20. Jahrhunderts Königin der Bohème in Schwabing, Schriftstellerin und Malerin mit wechselnden Liebschaften, permanent pleite, für Erich Mühsam "die wertvollste Frau, die ich kannte".

Der Videoschnipselraremusik- undzuunrechtvergesseneliteraturhermeneutiker Jürgen Kuttner *1958 und die Puppenspielerin Suse Wächter *1969 kümmern sich seit Jahren in theatralischen Projekten um die brennenden Fragen der Gegenwart.

Marstall
  • Mi 21. Jun 17, 20:00 Uhr
  • premiere 18 Nov 11
  • Vorstellungsdauer ca. 1 std. 20
  • Keine Pause
  • Regie Jürgen Kuttner
  • Bühne Kati Seibert
  • Licht Martin Feichtner
  • Kostüme Nina Gundlach
  • Video Meike Ebert
  • Dramaturgie Angela Obst
  • Inspizienz Emilia Holzer
  • Regieassistenz Mirjam Loibl
  • Soufflage Thomas Rathmann
mit
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Marstall

Der Marstall, erbaut von Leo von Klenze, diente der adeligen Gesellschaft Anfang des 19. Jahrhunderts als Hofreitschule. Doch mit dem Untergang der Monarchie findet auch das Reiten im Marstall ein Ende. 1971 wird im Marstall das Potential einer Studio- und Experimentierbühne erkannt und ein gutes Jahr später eröffnet Walter Schmidinger mit Franz Xaver Kroetz‘ Stück "Globales Interesse" die neu gewonnene Spielstätte.

Marstall

"Als ich klein war, glaubte ich, Geld sei das wichtigste im Leben. Heute, da ich alt bin, weiß ich: Es stimmt."
O. Wilde

DER GELDKOMPLEX (FOTOGALERIE)

PORTRAITS DER GELDKOMPLEX (FOTOGALERIE)

"Charakter und Analerotik"

von Sigmund Freud

"Unter den Personen, denen man durch psychoanalytische Bemühung Hilfe zu leisten sucht, begegnet man eigentlich recht häufig einem Typus, der durch das Zusammentreffen bestimmter Charaktereigenschaften ausgezeich­net ist, während das Verhalten einer gewissen Körperfunktion und der an ihr beteiligten Organe in der Kindheit dieser Personen die Aufmerksamkeit auf sich zieht. (...) Am ausgiebigsten erscheinen die Beziehungen, welche sich zwischen den anscheinend so disparaten Komplexen des Geldinteresses und der Defäka­tion ergeben."

 

"Charakter und Analerotik"
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Merkantile Mentalitäten

die Finanzkrise und das Theater

Für das Goethe-Institut hat sich Journalist Jürgen Berger aktuelle Inszenierungen rund um's Geld angesehen - vom "Kirschgarten" bis zum "Geldkomplex": "Um dieses libidinöse Verhältnis des Menschen zum unfassbaren Wesen 'Geld' geht es Kuttner und Wächter in der szenischen Vergegenwärtigung des Briefromans. Dass sie mit ihrem Abend so nahe an die heutige Realität der endemischen Finanzkrisen rühren, hat im Kern mit ihrem Textfund aus einer Zeit zu tun, in der die Welt ähnlichen Erschütterungen ausgesetzt war wie das heute der Fall ist."

Merkantile Mentalitäten
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6 Notizen aus einem 20-minütigen Gespräch

mit Jürgen Kuttner

„Wenn man aus Berlin in München ankommt, dann ist ‚Geld‘ schon ein zentraler Begriff, der einen geradezu anspringt - da fährt man wirklich nochmal vom Osten in den Westen, aus Bitterfeld in die Schweiz."

6 Notizen aus einem 20-minütigen Gespräch