Baal

von Bertolt Brecht

Ein Mann, nicht mehr ganz jung, noch lange nicht alt, ein Dichter, Trinker, Freund und Verräter, Liebhaber und Mörder, ein biblisches Vieh. Er zieht durch Kneipen und Felder, Betten und Wälder, den Blick im Himmel, die Finger im Fleisch. Er schläft mit den Frauen der Freunde und Feinde, singt Flüche denen, die ihn bezahlen, gehört zu niemandem und nimmt sich, was er braucht, mit gewaltsamer Gleichmut. Selbst im Untergang ist er lustvoll. Wo er hinkommt, verkommen und schön, hält die Welt den Atem an.

1918, kurz bevor sich Weltkriegsende, Novemberrevolution und Münchner Räterepublik verzahnen, schreibt der knapp 20-jährige Brecht in schnellem Anlauf dieses frühe randalierende Werk. "Baal" wird zum Lebenstext, den Brecht immer wieder neu zu fassen sucht. Noch in Figuren wie Puntila, Azdak oder Galilei findet sich Baals Fingerabdruck − der genetische Code eines Bekenntnisses zum anarchischen, rein ich-zentrierten Genuss jenseits von Mode, Maß und Moral.

 

  • premiere 15 Jan 15
  • Vorstellungsdauer ca. 4 std. 30
  • eine pause
  • Regie Frank Castorf
  • Bühne Aleksandar Denić
  • Kostüme Adriana Braga Peretzki
  • Licht Gerrit Jurda
  • Live-Kamera Marius Winterstein + Jaromir Zezula
  • Video Stefan Muhle
  • Dramaturgie Angela Obst
mit

Auszeichnungen für Valery Tscheplanowa, Franz Pätzold und "König Ödipus"

AZ-Sterne des Jahres sowie tz-Rosensträuße des Jahres für Resi-Schauspieler

Zum Jahresende wurden die beiden Resi-Ensemblemitglieder Valery Tscheplanowa und Franz Pätzold mit den Kulturpreisen der Münchner Abendzeitung sowie der tz ausgezeichnet. Valery Tscheplanowa erhielt sowohl den AZ-"Stern des Jahres" als "beste Schauspielerin“ als auch den tz-Rosenstrauß des Jahres, mit denen die Kulturredaktionen der beiden Tageszeitungen jedes Jahr herausragende Persönlichkeiten und Leistungen aus dem Münchner Kulturleben auszeichnen. Resi-Schauspieler Franz Pätzold erhielt ebenfalls den "Stern des Jahres" der Abendzeitung als "bester Schauspieler" für seine Rollen in "Baal", "Balkan macht frei" und "Philoktet". Die tz zeichnete zudem Mateja Koležniks Inszenierung von "König Ödipus" mit einem Rosenstrauß aus.

Auszeichnungen für Valery Tscheplanowa, Franz Pätzold und "König Ödipus"
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Keine neue "Baal"-Version

Statement von Martin Kušej zum Fall "Baal"

"Das kunstfeindliche Einschreiten der Rechteinhaber gegen Frank Castorfs Inszenierung hat uns gezwungen, in den letzten Wochen gemeinsam mit dem Regisseur intensiv über diverse Möglichkeiten nachzudenken, diese Inszenierung grundlegend zu verändern und damit zu verhindern, dass dieser grandiose Abend nicht mehr gezeigt werden kann. Dabei hat sich für uns bestätigt, was wir immer wussten: Dieser Abend ist formal und inhaltlich eine radikale Interpretation von Brechts Stück. Ohne fundamentale künstlerische Einbußen ist weder die vom Verlag geforderte ‚Werkeinheit‘ wiederherzustellen, noch eine Interpretation des Stücks unter Ausschluss desselben sinnvoll denkbar."

Keine neue "Baal"-Version
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Kušej-Statement zum "Baal"-Vergleich

"Der Suhrkamp Verlag hat das Residenztheater auf die sofortige Einstellung weiterer Aufführungen der 'Baal'-Inszenierung von Frank Castorf und Zahlung einer Vertragsstrafe verklagt. Gestern ist es nach sechseinhalbstündiger Verhandlung vor dem Landgericht München zu einem Vergleich gekommen, der die Minimalpositionen beider Seiten abbildet: Die Inszenierung in ihrer jetzigen Form kann noch einmal in München und einmal beim Theatertreffen in Berlin gezeigt werden. Man kann uns aber natürlich nicht das Theaterspielen verbieten, sondern nur die Verwendung bestimmter Texte in bestimmten Zusammenhängen. Wir werden daher selbstverständlich nach einem kreativen Umgang mit der entstandenen Situation suchen. Das sind wir dieser wirklich außergewöhnlichen Inszenierung, allen Beteiligten auf und hinter der Bühne und vor allem dem Publikum schuldig."

Kušej-Statement zum "Baal"-Vergleich

"Baal" zum Berliner Theatertreffen 2015 eingeladen

Wie die Berliner Festspiele mitteilen, ist das Residenztheater mit Frank Castorfs Inszenierung von "Baal" zum Berliner Theatertreffen 2015 eingeladen. Die Produktion gehört damit zu den "zehn bemerkenswertesten Inszenierungen" des vergangenen Jahres, eine der höchsten Auszeichnungen in der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Das 52. Berliner Theatertreffen wird von den Berliner Festspielen veranstaltet und findet vom 1. bis 17. Mai 2015 statt.

"Baal" zum Berliner Theatertreffen 2015 eingeladen
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THE END

JIM MORRISON

This is the end, beautiful friend.
This is the end, my only friend,
The end,
Of our elaborate plans,
The end,
Of everything that stands,
The end,
No safety or surprise,
The end,
I´ll never look into your eye again.
Can you picture what will be,
So limitless and free
Desperately in need
Of some stranger´s hand,
In a desperate land.
Lost in a Roman wilderness of pain,
And all the children are insane,
All the children are insane
Waiting for the summer rain.

THE END

EINE ZEIT IN DER HÖLLE

ARTHUR RIMBAUD

Ich warte auf Gott wie ein Vielfraß auf Speise. Ich bin von niederer Rasse, in Ewigkeit.

So liege ich nun an bretonischer Küste. Wie doch die Städte aufleuchten am Abend! Mein Tagewerk ist getan. Ich verlasse Europa. Seewinde werden mir die Lungen ausbrennen, verlorene Klimate die Haut beizen. Schwimmen, Gras brechen, jagen, rauchen vor allem, Branntweine trinken, stark wie kochendes Metall – es treiben wie die herzigen Ahnen am Feuer.

EINE ZEIT IN DER HÖLLE