Bolwieser

von Rainer Werner Fassbinder nach dem gleichnamigen Roman von Oskar Maria Graf
Premiere
Cuvilliéstheater
Do 21 Nov
BOLWIESER
von Rainer Werner Fassbinder nach dem gleichnamigen Roman von Oskar Maria Graf
Premiere 21. November 2024
Cuvilliéstheater

Bahnhofsvorstand Xaver Bolwieser glaubt, in der Ehe mit der reichen Brauereibesitzertochter Hanni und dem gemeinsamen Leben in der bayerischen Provinz sein Glück gefunden zu haben. Doch schon bald wird die vermeintlich friedliche Kleinstadtidylle zum Albtraum. Jeder Schritt des jungen Paars wird von den Nachbar*innen und Bolwiesers Kollegen argwöhnisch beäugt. Schließlich sucht Hanni nach einem Ausweg aus diesem provinziellen Gefängnis und der monotonen Eheenge zwischen Bett und Herd. Sie will leben! Sie beginnt erst eine Affäre mit dem Gastwirt Merkl, dann mit dem Friseur Schafftaler. Schnell weiß die ganze Stadt über Hannis Verhältnisse Bescheid – allein Bolwieser will sich das Scheitern seiner Ehe nicht eingestehen. Blind für die Wahrheit leistet er sogar einen Meineid, um seine Frau vor den üblen Nachreden der Nachbarschaft zu schützen.

Oskar Maria Graf porträtiert in seinem Roman nicht nur den tragischen Fall eines Menschen, sondern mit der Figur des Bolwieser auch den Typus des angepassten Mitläufers, der an seiner bedingungslosen Untertanenmentalität zugrunde geht. Hellsichtig und pointiert legt Graf in seinem «Bolwieser» bereits 1931 – wie zeitgleich Marieluise Fleißer in «Eine Zierde für den Verein» – jenen gesellschaftlichen Nährboden offen, auf dem nur wenige Jahre später der Nationalsozialismus ungehemmt gedeihen sollte und vor dem er bereits 1934 ins Exil floh. Auch für Rainer Werner Fassbinder war «Bolwieser» weit mehr als nur ein Ehedrama, sondern ein Beispiel dafür, «wie Deutsche angelegt sind, dass bei ihnen so eine Idee des Faschismus, über die man vielleicht streiten kann, zu so etwas wie dem Nationalsozialismus führt, worüber man eben nicht streiten kann». Fassbinder war der herausragende Protagonist des Neuen Deutschen Films der Bundesrepublik in den 1970er- und 1980er-Jahren. Er provozierte und begeisterte mit seinen Arbeiten als Regisseur, Dramatiker und Schauspieler Publikum und Kritik gleichermaßen.

Hausregisseurin Nora Schlocker greift für ihre Inszenierung auf die Bearbeitung Fassbinders zurück, der 2025 seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert hätte.

Künstlerische Leitung

Inszenierung Nora Schlocker
Bühne Marie Roth
Dramaturgie Michael Billenkamp

Das könnte Ihnen auch gefallen