Zement

von Heiner Müller

Nach drei Jahren Revolution und Bürgerkrieg kehrt Regimentskommandeur Gleb Tschumalow gleich dem ODYSSEUS in seine Heimat zurück wie in eine fremde Welt. Die Zementfabrik scheint dem Verfall preisgegeben und die revolutionären Träume und Visionen zerrinnen im Kampf um das alltägliche Überleben. Tschumalows Frau Dascha organisiert die Frauen und die Versorgung des örtlichen Kinderheims. Besitz und Familie zählen für sie nicht mehr, und ihrer revolutionären Aufgabe opfert sie wie MEDEA das gemeinsame Kind. Der bürgerliche Ingenieur Kleist provoziert in Tschumalow den Zorn des ACHILLEUS. Einst hatte er Gleb an die Feinde verraten, doch nun wird er für die Inbetriebnahme der Zementfabrik gebraucht. Die jungen Revolutionäre Polja und Iwagin widmen sich voller Euphorie der Revolution. Doch der Parteiapparat sortiert sie aus. Die Revolution verrät ihre Kinder. Tschumalows verzweifeltes Ringen gleicht dem KAMPF DES HERAKLES MIT DER HYDRA: ein alptraumhaftes, verirrtes Gefecht des verletzlichen Körpers mit den neuen Ideen.

Heiner Müller, dem die "Arbeit am antiken Mythos immer Arbeit an der Geschichte war", hat 1972 nach Gladkows Revolutionsroman aus dem Jahr 1925 eine große menschliche Tragödie geschrieben. Die archaische Sprache der Figuren, die Intensität der Bilder und Visionen provoziert gleichermaßen Fremdheit und Nähe. Dimiter Gotscheff inszeniert Müllers selten aufgeführtes Drama über den kurzen Augenblick der Menschheit, wo ein uralter Traum gelebt und zunichte gemacht worden ist, als ein groteskes, poetisches Ritual aus der Sicht des Kindes der Tschumalows, denn: "Was man braucht ist Zukunft und nicht die Ewigkeit des Augenblicks. Man muss die Toten ausgraben, wieder und wieder, denn nur aus ihnen kann man Zukunft beziehen". (Heiner Müller)

  • premiere 05 Mai 13
  • Vorstellungsdauer ca. 3 std. 20
  • eine pause
  • Regie Dimiter Gotscheff
  • Bühne und Kostüme Ezio Toffolutti
  • Musik Sandy Lopičić
  • Licht Gerrit Jurda
  • Dramaturgie Andrea Koschwitz
mit

Fernsehausstrahlung von "Zement" am 3. Mai auf 3sat

Anlässlich des Berliner Theatertreffens 2014 wurde Dimiter Gotscheffs Inszenierung von Heiner Müllers "Zement", die am 2. Mai 2014 das Theatertreffen eröffnet, von ZDF/3sat fürs Fernsehen aufgezeichnet. Die Ausstrahlung findet am Samstag, den 3. Mai 2014, um 20.15 Uhr auf 3sat statt!

Fernsehausstrahlung von "Zement" am 3. Mai auf 3sat

"Innere Erschütterung"

Interview

Zur Eröffnung des Berliner Theatertreffens sprach Bibiana Beglau mit dem Berliner Tagesspiegel über Frank Castorf, Einbauküchen und Dimiter Gotscheffs "Zement"-Inszenierung, die das Theatertreffen eröffnet."'Zement' wollte Mitko schon immer machen. Der Aufbruch dieses über Jahrhunderte geschundenen Volkes, das einfach nicht mehr kann und sich lieber über vier Generationen erschießen lässt, damit die fünfte vielleicht einen Apfel mehr und eine Arbeitsstunde weniger hat, dieses Helle der Revolution hatte für ihn die gleiche Wertigkeit wie die Kehrseite: der Verrat, der Fanatismus, die Säuberungen. (…) Es ist Mitko gelungen, diese innere Erschütterung, diese Moleküle in den Leuten zum Vibrieren zu bringen. Du spürst das manchmal richtig im Publikum."

"Innere Erschütterung"
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"Zement" eröffnet das 51. Berliner Theatertreffen

Mit der Aufführung von "Zement" beginnt das diesjährige Theatertreffen am Freitag, 2. Mai 2014. "Zement" von Heiner Müller ist Dimiter Gotscheffs letzte Regiearbeit und die fünfte Inszenierung des im Oktober 2013 verstorbenen Regisseurs, die zum Theatertreffen eingeladen wurde. Die Premiere am Münchner Residenztheater war am 5. Mai 2013. Mit einem eigenen "Focus Gotscheff" ehrt das Theatertreffen die Arbeit dieses großen Theatermanns. Die Juryentscheidung für Dimiter Gotscheffs letzte Regiearbeit "Zement" nimmt das Festival zum Anlass, die Theaterarbeit des Regisseurs in den Mittelpunkt zu rücken.

"Zement" eröffnet das 51. Berliner Theatertreffen
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Resi mit zwei Inszenierungen beim Berliner Theatertreffen 2014

"Eine starke Auszeichnung für unser Ensemble"

Am 3. Februar gab die Jury des Berliner Theatertreffens die Auswahl des diesjährigen Festivals bekannt. Das Residenztheater ist gleich mit zwei Produktionen unter den "zehn bemerkenswertesten Inszenierungen" des Jahres: Dimiter Gotscheffs Inszenierung von Heiner Müllers "Zement" und Frank Castorfs Inszenierung von "Reise ans Ende der Nacht" nach Louis-Ferdinand Céline! Intendant Martin Kušej freut sich über die beiden Einladungen: "Ich freue mich besonders mit den Schauspielern, weil diese Einladung eine starke Auszeichnung für unser Ensemble ist, und mit den technischen Abteilungen, die an beiden Abenden einen riesigen Anteil haben. Und natürlich denke ich in diesem Moment intensiv an Dimiter Gotscheff und bin froh und dankbar, dass wir diese Arbeit noch miteinander machen durften."

Resi mit zwei Inszenierungen beim Berliner Theatertreffen 2014
03 Feb 14

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! wir freuen uns riesig über gleich ZWEI Einladungen zum Berliner Theatertreffen 2014: Dimiter Gotscheffs Inszenierung von "Zement" und Frank Castorfs Inszenierung von "Reise ans Ende der Nacht"!

Residenztheater beim "virtuellen Theatertreffen 2014"

Das Internetportal nachtkritik.de lud auch in diesem Jahr wieder zu einem "virtuellen Theatertreffen". Aus 61 Inszenierungen des letzten Jahres, die von der nachtkritik.de-Redaktion nominiert wurden, wählten die Leserinnen und Leser ihre zehn Favoriten: Acht Tage lang waren das Wahllokal geöffnet. Bis zu zehn Stimmen konnte jeder Wähler abgegeben. Für die "zehn wichtigsten Inszenierungen des vergangenen Jahres". Das Residenztheater schaffte es als einziges Haus gleich mit zwei Inszenierungen in die Endauswahl: Dimiter Gotscheffs Inszenierung von Heiner Müllers "Zement“ sowie Bernhard Mikeskas Projekt "Eurydice :: Noir Désir". Wir freuen uns riesig und gratulieren beiden Produktionen sehr herzlich! Hier finden Sie die gesamte Auswahl des virtuellen Nachtkritik-Theatertreffens 2014.

Residenztheater beim "virtuellen Theatertreffen 2014"
09 Jan 14
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"Die Funktion von Kunst besteht für mich darin, die Wirklichkeit unmöglich zu machen." wir denken an Heiner Müller, der heute seinen 85. Geburtstag gefeiert hätte!

Spiegel Online wählt "Theaterhits 2013"

Theaterkritiker von SPIEGEL und kulturSPIEGEL blicken zurück auf ihre fünf Lieblings-Klassiker-Inszenierungen des Jahres 2013. Unter diesen "Theaterhits" ist auch Dimiter Gotscheffs Inszenierung von Heiner Müllers "Zement": "Die letzte Arbeit des großen Regisseurs Dimiter Gotscheff, der im Oktober starb, zeigt noch einmal all seine Stärken: den Mut zu schwierigen Stücken und großen Themen. Und sein Talent, in einer Inszenierung heiligen Ernst und grimmige Groteske zu vereinen."

Spiegel Online wählt "Theaterhits 2013"

"Welt" kürt die "besten Theateraufführungen des Jahres"

Die Feuilleton-Redaktion der Tageszeitung "Die Welt" kürte in einem Jahresrückblick die "besten Theateraufführungen des Jahres 2013". Unter diesen zehn "Glückserlebnissen" der "Welt"-Kritiker finden sich drei Inszenierungen des Residenztheaters: Dimiter Gotscheffs Inszenierung von Heiner Müllers "Zement" ("Theater zur Rettung der Seele"), David Böschs Eröffnungsinszenierung von "Orest" ("Antiker Ingrimm war nie cooler als auf dieser Aftershow-Party") und Frank Castorfs Céline-Version von "Reise ans Ende der Nacht" ("Das Kopfzerbrechen wirkt noch lange nach").

"Welt" kürt die "besten Theateraufführungen des Jahres"

"Und Morgen wird gemacht aus Jetzt und Hier"
Heiner Müller

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