Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

von Edward Albee

Deutsch von Pinkas Braun

Auf einem Spiegel in einer Bar in Greenwich Village hatte er die Worte entdeckt: "Who‘s Afraid of Virginia Woolf?" Eigentlich sollte der Titel seines neuen Dramas "The Exorcism" heißen. Und um eben eine solche Austreibung ging es Edward Albee bei seiner legendären Afterparty von Martha, George, Nick und Honey, die seit der New Yorker Uraufführung im Jahr 1962 als "Klassiker" gilt und als Schauspielerfest.

Ohne Wissen ihres Ehemannes George hat Martha den neuen Biologieprofessor Nick und seine Frau Honey nach einem offiziellen Fest in ihr Haus eingeladen. George, Geschichtsdozent am hiesigen College, kennt die Gesellschaftsspiele seiner Ehefrau Martha nur zu gut. Als Tochter des Rektors besitzt sie Macht und Einfluss und liebt es, mit den Gefühlen anderer zu spielen. Doch an diesem Abend ist alles anders und das Spiel eskaliert.

Bereits in seinen Inszenierungen "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" und "Hedda Gabler" widmete sich Martin Kušej den düsteren Beziehungsspielen des gehobenen Bürgertums. Sein Interesse gilt den Schaukämpfen der modernen Gefühlswelt, deren Verletzungen sich tief in die Seelen und Herzen seiner Protagonisten wühlen, bis ins Mark.

  • premiere 18 Sep 14
  • Vorstellungsdauer ca. 2 std.
  • Keine Pause
  • Regie Martin Kušej
  • Bühne und Kostüme Jessica Rockstroh
  • Licht Tobias Löffler
  • Dramaturgie Andrea Koschwitz

Das Spiel des Scheiterns

Bibiana Beglau in einem sehr persönlichen Interview

Bibiana Beglau gab mona lisa ein sehr persönliches Interview. Im Video spricht sie über die Tücken ihres Berufs, schauspielerische Inspirationen, ihre Kindheit und auch heute noch allgegenwärtige Ängste: "Warum gibt es so viele Heldenfiguren? Weil wir sie so gerne stürzen sehen.", so Beglau.

Das Spiel des Scheiterns
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Theater macht das Unmögliche zur Wahrheit

Interview mit Bibiana Beglau

Vor der Premiere von "Baal" sprach Bibiana Beglau mit dem Studentenmagazin Philtrat über Unterhaltung, die Nulllinie und Herzkranzverfettung. Und darüber, welche Funktion Theater für sie haben soll: "Es ist auf der einen Seite das unterhaltende Moment der Ablenkung wie bei allen großen Romanen oder jetzt bei den großen Serien. Aber was darin auch steckt: Wir gucken in ein anderes Leben, wir verlassen das eigene Leben und erleben durch die Geschichte der anderen einen Teil von uns selber. Bei Menschen, die keine Geschichten mehr haben, wird es sehr gefährlich, weil eine Lücke entsteht, die durch alles Mögliche, z. B. Ideologien aufgefüllt wird. Eigentlich ist es ein Liebesdienst, um uns woanders hinzubringen und dadurch die Möglichkeit zu schaffen, etwas anderes zu sehen, eine Horizonterweiterung: Ich war nie in Afrika, aber ich habe eine Geschichte gehört … Es macht das Unmögliche zur Wahrheit."

Theater macht das Unmögliche zur Wahrheit

"Auf der Bühne geht’s um den Live-Moment eines Seins"

Interview

Nach der Spielzeiteröffnung mit "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" sprach das Münchner Feuilleton mit der "Schauspielerin des Jahres" Bibiana Beglau über bildende Kunst und Comics, Castorf und Gotscheff und die Schauspielerei im Allgemeinen: "Ich kann ja nicht spielen – im Sinne von etwas vorspielen –, sondern vertrete immer eine Meinung. Auf der Bühne geht’s um den Live-Moment eines Seins – nur dann hat das Sinn. Da weiß man hinterher, warum einem die Knochen wehtun."

"Auf der Bühne geht’s um den Live-Moment eines Seins"

Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

Inhalt

Martha und George lieben sich. Sie wissen alles über sich und über das Leben und doch – oder vielleicht gerade deshalb – sind sie nicht glücklich. George ist Professor für Geschichte und Martha die Tochter des Präsidenten vom hiesigen College. Nach einer Party bei ihrem Vater lädt Martha den jungen Biologieprofessor Nick und seine Frau Honey zu sich nach Hause ein. George ahnt, was auf sie zukommt: FUN AND GAMES bis zum frühen Morgen und viel Alkohol. Zwischen den beiden Männern beginnt ein erstes Gespräch über Gentechnik und historische Erfahrung. Wem gehört die Zukunft?

Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
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Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Programmheft (PDF)

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Liebe ist Wahrheitserfahrung

Alain Badiou im Gespräch

Nicolas Truong: Sie behaupten, es gebe zwischen dem Krieg „ohne Tote“ und der Liebe „ohne Risiko“ eine Verbindung derselben Art, wie es für die Soziologen Richard Sennett und Zygmunt Bauman eine Analogie gibt zwischen dem „ich stelle dich nicht an“ (je ne t‘engage pas), das der Agent des Finanzkapitalismus zum prekarisierten Arbeiter sagt, und dem „ich binde mich nicht“ (je ne m‘engage pas), das der „Verliebte“ seinem Partner sagt.

Liebe ist Wahrheitserfahrung

"Eine der größten Liebesgeschichten, die wir kennen"

Interview

Vor der Premiere von Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" sprach der Münchner Merkur mit Hauptdarstellerin Bibiana Beglau u.a. über den Schauspielberuf,  über ihre Leidenschaft für bildende Kunst und die Liebe in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?": "Meiner Meinung nach eine der größten Liebesgeschichten, die wir kennen."

"Eine der größten Liebesgeschichten, die wir kennen"

WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF? (FOTOGALERIE)

Beziehungen sind eine Möglichkeit zum Angriff

Edward Albee im Gespräch

Catch Magazin: Die meisten Ihrer Theaterstücke behandeln die Abhängigkeit von der Illusion, um das Leben erträglich zu machen. Vielleicht auf Kosten einer realistischen Selbsteinschätzung?
Edward Albee: Ich glaube, dass all das aus meiner Erfahrung mit O‘Neills Stück "The Iceman Cometh" herrührt, in dem er postuliert, dass Hirngespinste notwendig sind, um zu überleben. Mir scheint, dass die meisten meiner Werke ein Argument gegen diese Theorie waren. Tatsächlich aber bin ich der Ansicht, dass man falsche Illusionen haben sollte – und wahrscheinlich brauchen Menschen diese sogar, um ihr Leben zu bewältigen –, aber ich denke, dass sie die Verantwortung haben, stets zu wissen, dass sie sich selbst täuschen und sich dann immer weiter betrügen. Diese Art der Selbstwahrnehmung ist schön.

Beziehungen sind eine Möglichkeit zum Angriff