Bild

Normalität und Schrecken: IV. Die Abschaffung des sozialen Geschlechts oder wie bekommen wir ein neues Bewusstsein im Kulturbetrieb?

Mithu M. Sanyal und Thomas Oberender diskutieren

Überraschend an der virulenten Debatte über strukturellen Sexismus und hegemoniale Männlichkeit ist, dass sie erst jetzt geführt wird. Der Rollback des Trump-Zeitalters scheint zu größerer Mobilisierung derjenigen zu führen, die die tiefsitzende kulturelle Praxis nicht bis ans Ende aller Tage den Patriarchen überlassen möchten. Insbesondere im Bereich der Kunst, zwischen Gedichten und Bildern, Theaterinstitutionen und Filmikonen, ist der Aufruhr auffällig. Zugleich sind die Orte der Bewusstseinsproduktion – Theater und Filmstudios, Schauspielschulen, Dramatikseminare – nicht nur Betriebe, sondern auch komplexe utopische Räume, in denen künstlerische Entgrenzung erwünscht und ermöglicht wird und Geniewahn und sexualisierte Gewalt schnell ineinander greifen. Über Kunst und ihre Produktionsbedingungen muss nachgedacht werden. Punkt. 

Zu Gast    Mithu M. Sanyal ist Kulturwissenschafterin, Journalistin und Autorin und befasst sich mit sexualisierter Gewalt und strukturellem Sexismus in verschiedenen gesellschaftlichen Zusammenhängen. Regelmäßig Lehraufträge an verschiedenen Universitäten, zudem seit 1996 Autorin für den WDR. Zuletzt erschien von ihr "Vergewaltigung – Aspekte eines Verbrechens".

Und    Thomas Oberender ist Journalist, Autor und Dramaturg, seit 2012 leitet er die Berliner Festspiele. Lehraufträge führten ihn u. a. an die UdK und ans Mozarteum Salzburg, 2000-2005 war er leitender Dramaturg am Schauspielhaus Bochum; als Schauspieldirektor leitete er das Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele von 2006-2011.

Moderation Ulrike Schuster, Süddeutsche Zeitung

Eintritt frei mit Einlasskarten.

In Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung.

 

Normalität und Schrecken

Diskussionsreihe in Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung

Die Kooperation des Residenztheaters mit der Süddeutschen Zeitung geht in die dritte Runde. In den seit 2016 regelmäßig stattfindenden Diskussionen, jeweils moderiert von einem Journalisten der SZ, geht es um gesellschaftspolitische Fragen der Gegenwart. Denn klar ist: Wir müssen reden. Mit Experten. Im Theater, inmitten von Künstlern und Rezipienten, Bürgern und Bürgern, zwischen Fakt und Fiktion. In dieser Spielzeit stehen aktuelle Phänomene im Zentrum, die von der (mal plötzlichen, mal schleichenden) Aufkündigung von Gewissheiten, Standards und Normativen geprägt sind.

Normalität und Schrecken