Marstallplan 1: Der Auftrag

von Heiner Müller

Marstallplan "Luxus braucht Sklaverei"

Wie leben wir und auf wessen Kosten? Wer zahlt den Preis von Luxus und Wachstum? Und wo bleibt die persönliche Möglichkeit einer Wahl oder eines Eingriffs? Wo die Chance auf Veränderung? Das Sommerfestival Marstallplan 2015 stellt sich diesen Fragen und lädt junge Regisseure zum Thema ein. Die Marstallplan-Inszenierungen werden in kurzer Zeit produziert. Sie sind Skizzen und eine gewollte Überforderung am Ende der Spielzeit. Das Festival sucht 2015 das Spiel mit der grotesken Geschichte des Handels vom Menschen mit Menschen. Den modernen Sklaven und dem Wachstumsmarkt Mensch schenken wir ein Festival lang Aufmerksamkeit.

Drei Abgesandte des Konvents der Französischen Revolution sind mit dem Auftrag betraut, den Aufstand nach Jamaika zu exportieren und damit ein Ende der Sklaverei zu erreichen. Als Tarnung dienen ihnen ihre vorrevolutionären Identitäten: der schwarze Sasportas ist Sklave, Galloudec ein bretonischer Bauer und Debuisson der Sohn von Sklavenhaltern. Als Napoleon in Frankreich durch einen Staatsstreich an die Macht kommt, fehlt ihrem Auftrag urplötzlich die gesetzliche Legitimation, er hängt im luftleeren Raum. Die Regierung, die sie geschickt hatte, existiert nicht mehr, die Notwendigkeit einer Revolution für die Gleichstellung der Menschen hingegen durchaus noch. Damit steht dem Aufstand das Problem seiner eigenen Institutionalisierung gegenüber: Braucht es für den Kampf um die Menschenrechte überhaupt einen Auftrag? Läuft er damit nicht Gefahr, bloß noch abstraktes Konstrukt zu sein und in der Blutleere zu erstarren? Über der Frage der eigenen Ideale und inneren Notwenigkeit zerbricht die Gruppe der drei Abgesandten. Wenn die Masken der Revolution abgelegt sind, wer oder was bleibt dann übrig? Ist man am Ende derjenige, der den Kopf noch aus der Schlinge zieht, oder baumelt man bereits am Galgen? 

Jakub Gawlik, geboren 1983 in Kielce (Polen), studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in Frankfurt und Paris. Von 2009-2014 gibt er die Literaturzeitschrift „otium“ mit heraus. Theaterarbeiten am Schauspiel Frankfurt und am Frankfurter Autorentheater, zuletzt "Wir haben deinen Traum im Mund" zusammen mit Valery Tscheplanowa und Tolga Tekin. Neben seiner Tätigkeit als Regieassistent am Residenztheater München arbeitet er frei als Autor und Übersetzer.

 Der reguläre Preis beträgt 9 Euro je Einzelvorstellung. Beim Kauf von Karten für mindestens drei Einzelvorstellungen von Marstallplan 1 und/oder Marstallplan 2 erhalten Sie die Einzelkarte für je 6 Euro. Dieses Package ist nur telefonisch unter 089 2185 1940 und an den Kassen der Bayerischen Staatstheater erhältlich. Schüler und Studenten erhalten gegen Vorlage eines gültigen Ausweises Karten für 6 Euro je Einzelvorstellung.

  • premiere 04 Jul 15
  • In Kooperation mit der Theatergruppe "Die Blindgänger"
  • Regie Jakub Gawlik
  • Bühne Bärbel Kober
  • Kostüme Jenny Štumberger
  • Licht Markus Schadel
  • Dramaturgie Constantin John
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