Jagdszenen aus Niederbayern

von Martin Sperr

Übernahme aus den Münchner Kammerspielen

In seinem Erstlingsstück, entstanden zwischen 1962 und 1965, schreibt Martin Sperr über eine Dorfgemeinschaft in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Diese richtet sich gegen alle, die sich nicht der Norm anpassen können oder wollen. Die Bäuerin Maria, die mit ihrem Knecht Volker zusammenlebt, nachdem ihr Mann nicht aus dem Krieg zurückkam, wird als Schandfleck angesehen. Ihr Sohn Rovo gilt als Dorftrottel, das Mädchen Tonka als die Dorfhure. Als Abram, der wegen Homosexualität eine Haftstrafe verbüßt hat, zurückkommt, bietet sich eine neue Zielscheibe. Die Situation verschärft sich drastisch, als Tonka behauptet, von Abram geschwängert worden zu sein, und er sie aus Panik ersticht.

Martin Kušej verknappt in seiner Bearbeitung Martin Sperrs Stück auf vierzehn Szenen. Jede für sich thematisiert das Phänomen der "Jagbarkeit der Menschen" und erzählt eine kleine, eigenständige Geschichte. Man wird immer wieder davon überrascht, wie die Opfer der einen Szene plötzlich die grausamen, beleidigenden oder rücksichtslosen Täter der nächsten werden. Als ob man mit einem Rasiermesser ein Geschwür aufschneidet und, auch wenn man nur einen kleinen Ausschnitt der Wunde sieht, spürt, dass der ganze Körper todkrank ist.

 

Residenztheater
  • Mi 17. Mai 17, 20:00 Uhr
  • Vorstellungsdauer ca. 1 std. 45
  • Keine Pause
  • Regie Martin Kušej
  • Bühne Annette Murschetz
  • Kostüme Heide Kastler
  • Musik Bert Wrede
  • Licht Jürgen Kolb
  • Dramaturgie Jeroen Versteele + Laura Olivi
mit
Bild 

KÖPFE IN STÜCKEN 08: Wozu der Menschenschädel sich eignet

Ein Fortsetzungsroman von Dietmar Dath

Svenja hustete blutig, dann wiederholte sie: "Kümmer… dich… um… Sven". Verdreht und mit pochendem Hüftschmerz lag sie im großen Schaden, den der Unfall angerichtet hatte. Sie betrachtete die Maschine, die reine Rolle, die gekommen war, um ihr beim Sterben zu helfen, und dachte daran, dass auch fünf volle Freiheitsgrade, also erstens die Auf- und Ab-Beweglichkeit des Hauptarms dieser Apparatur, zweitens die Gelenkverbindung dieses Hauptarms mit einem ebensolchen, aber kürzeren zweiten Arm, drittens die schwenkbare Befestigung eines dritten mit diesem zweiten, viertens die Ausziehbarkeit dieses dritten und fünftens die Schwenkbarkeit des handförmigen Arbeitskopfs desselben dritten, nicht genügten, ihr die Maschine als wirkliche Hilfe zu empfehlen, die ihr die ROLLENORDER geschickt hatte und die sie jetzt nach ihrem testamentarischen Willen fragte, statt dem anderen verletzten Unfallopfer nützlich zu sein.

KÖPFE IN STÜCKEN 08: Wozu der Menschenschädel sich eignet

JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN INHALTSANGABE

Martin Sperr schrieb mit seinem Erstlingsstück "Jagdszenen aus Niederbayern" eine "Fabel von der Jagbarkeit der Menschen". Der Text, entstanden zwischen 1962 und 1965 (Sperr war damals kaum 21 Jahre alt), handelt von einer Dorfgemeinschaft in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Diese richtet sich gegen alle, die sich nicht der Norm anpassen können oder wollen. Die Bäuerin Maria, die mit ihrem Knecht Volker zusammenlebt, nachdem ihr Mann nicht aus dem Krieg zurückkam, wird als Schandfleck angesehen. Ihr Sohn Rovo gilt als Dorftrottel, das Mädchen Tonka ist die Dorfhure.

JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN INHALTSANGABE

Jagdszenen aus Niederbayern Programmheft Auszug (PDF)

Jagdszenen aus Niederbayern Programmheft Auszug (PDF)
Bild

"In der Hölle kann’s auch nicht schlim-
mer sein."

Martin Sperr

Jagdszenen aus Niederbayern (Fotogalerie)

AUSNAHMEZUSTAND: DIE NEUE SPIELZEIT AM RESIDENZTHEATER

Martin Kušej präsentiert seine Pläne für die Saison 2016/17

Am 11. Mai 2016 stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende Spielzeit 2016/17 vor. Mit dem neuen Spielplan verstärkt Martin Kušej die politische Ausrichtung des Residenztheaters, dessen Qualität der Intendant vor allem in seinem starken Ensemble sieht. Zu Zeiten einer tatsächlichen oder herbeigeredeten Legitimationskrise, in der das Politische leichterhand infrage gestellt wird und mit inneren und äußeren Bedrohungen spekuliert wird, stehen daher die Katastrophenerfahrungen, die in der Dramatik der vergangenen Jahrhunderte gespeichert sind, im Zentrum des Spielplans des Residenztheaters.

AUSNAHMEZUSTAND: DIE NEUE SPIELZEIT AM RESIDENZTHEATER