Iwanow

von Anton Tschechow

"Iwanow ist erschöpft", schreibt Tschechow in einem berühmten Brief, "er begreift sich selbst nicht", aber das Leben kümmert das nicht.

Er lebt verschuldet in der Provinz und leidet, aber das Leben kümmert das nicht. Es plagen ihn Menschen, die sich an ihm bereichern, ihn plagt seine verlöschende Tatkraft und die schwindende Liebe zu seiner Frau Anna ebenso wie die Verliebtheit der jungen Sascha, aber das Leben kümmert das nicht. Das Leben verlangt die Ernte einzubringen, die Schulden zu bezahlen, sich um die kranke Anna zu kümmern und Sascha die Wahrheit zu sagen. Iwanow schiebt es auf: Anna stirbt, er verspricht Sascha die Heirat, kündigt sie auf und erschießt sich. Schwäche kann grausam sein.

Tschechow darf getrost als "Poet des Mordes und des Terrors gelesen werden, dessen Sehvermögen für den Schmerz der Existenz nur noch erhöht wird durch die disziplinierte Stimme des Verständnisses, mit dem er davon erzählt" (Rufus W. Mathewson). Iwanow wollte anfangs anderes und scheiterte damit an seiner Umgebung. Das macht ihn brutal und kalt, steigert sein Desinteresse am Leben und anderen Menschen. Auch Tschechow ist dieser Begrenztheit in seiner Arbeit immer wieder begegnet, wenn er sich für Bauern oder Strafgefangene einsetzte. Es hat ihn verhärtet, es hat seine Ideale verpanzert. Zum Glück hatte er Erfolg und auch mal eine Liebschaft, das rettet einen doch aus dem Stumpfsinn. Aber das Leben kümmert das nicht. Bis heute.

Residenztheater
  • Di 02. Jan 18, 18:30 Uhr
  • premiere 04 Jun 16
  • Vorstellungsdauer ca. 3 std. 20
  • eine pause
  • Regie Martin Kušej
  • Bühne Annette Murschetz
  • Kostüme Heide Kastler
  • Musik Bert Wrede
  • Licht Tobias Löffler
  • Dramaturgie Götz Leineweber
mit