F. Zawrel – erbbiologisch minderwertig und asozial

F. Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig

von Nikolaus Habjan

Friedrich Zawrel wächst in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts in Wien unter schwierigsten Umständen auf. Als seine Familie ihre Wohnung verliert kommt Friedrich Zawrel zum ersten Mal in ein Heim und landet schließlich in der Krankenanstalt Am Spiegelgrund, der zweitgrößten "Kinderfachabteilung" des Deutschen Reiches, wo etwa 700 bis 800 Euthanasiemorde an Kindern stattgefunden haben. Der Anstaltsarzt Dr. Gross stuft Zawrel in einem Gutachten als "erbbiologisch und sozial minderwertig" ein und foltert ihn mit zahlreichen "medizinischen" Versuchen, bis Zawrel schließlich fliehen kann. Viele Jahre später treffen sich Zawrel und Gross erneut. Der Arzt ist inzwischen Parteimitglied der SPÖ und dekoriert mit dem Bundesverdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst. Hinzu kommt, dass er der einflussreichste Gerichtsgutachter der Republik ist und in dieser Funktion nun seinem ehemaligen Opfer Friedrich Zawrel gegenüber sitzt.

Nikolaus Habjans Figurentheaterstück entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Regisseur Simon Meusburger und Zawrel selbst. Sein mit dem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnetes dokumentarisches Stück über ein dunkles Kapitel der deutsch-österreichischen Geschichte zeigt er im Resi in München, bevor er im Januar 2018 mit Marivaux' "Der Streit" im Cuvilliéstheater Premiere haben wird.

Eine Produktion des Schubert Theater Wien.

 

Residenztheater
  • Do 30. Nov 17, 20:00 Uhr
  • Regie Simon Meusburger
  • Buch Nikolaus Habjan + Simon Meusburger
  • Puppenspiel Nikolaus Habjan
  • Kostüme Lisa Zingerle