Elektra 4.48 Psychose

von Hugo von Hofmannsthal Sarah Kane

Elektra ist eine Figur des Widerstands. Ihre Mutter Klytämnestra hat gemeinsam mit ihrem Geliebten ihren Gatten Agamemnon erschlagen und die Herrschaft in Mykene übernommen. Elektra wird sich damit nicht abfinden. Das vergangene Unrecht ist ihre Gegenwart, das Zentrum ihres Verständnisses von sich und der Welt.

Bei Sophokles, auf dessen "Elektra" Hugo von Hofmannsthals Version des Dramas zurückgeht, hatte Klytämnestra sich noch auf ihr eigenes Recht auf Rache berufen. Der Mord an Agamemnon war in ihren Augen die gerechte Antwort auf seine Verbrechen. In der "Orestie" des Aischylos tritt am Ende ein Gerichtshof unter Vorsitz der Göttin Athene zusammen, um die Frage zu lösen, was schwerer wiege, der Gattenmord Klytämnestras oder der Muttermord, den der zurückgekehrte Orest schließlich an ihr vollzieht.

In Hofmannsthals "Elektra" spielen derartige Abwägungen keine Rolle. Versöhnung ist hier keine Option. Als die Schauspielerin Gertrud Eysoldt das Stück erstmals liest, schreibt sie an Hofmannsthal: "Ich schreie auf unter dieser Gewaltthätigkeit." "Ich fürchte mich vor meinen eigenen Kräften." "Ich möchte mir selbst entfliehen." In diesen drei Sätzen steckt das ganze Drama: die Gewalt, gegen die Elektra sich auflehnt, die Kraft, die ihr daraus erwächst, das Gefängnis, das die Identität aus dem "Gesetz des Vaters" für sie bedeutet. Elektras Widerstand richtet sich nicht nur gegen das offensichtliche Unrecht, sondern in letzter Konsequenz gegen das Leben selbst. "Wenn ich längst damit lebe, mich längst damit abgefunden habe, wenn die Tage dahingehn und ich nicht mal mehr daran denke, wird sie immer noch tot sein. Wenn ich längst auf der Straße gelandet bin, eine alte Frau, mein Name vergessen, wird sie immer noch tot sein, sie wird immer noch tot sein, scheiß drauf." Eine verbleichende Erinnerung könnte die namenlose Ich-Figur in Sarah Kanes letztem Stück "4.48 Psychose" mit Elektra verbinden. Wie Elektra ist sie "ein Kind der Verneinung", ist ihre Auflehnung gegen die Welt elementar, steht in diesem Kampf die eigene Existenz auf dem Spiel. "Ich will nicht leben müssen in so einer Welt." Aber das Gegenüber ist abhandengekommen, das begründende Unrecht, der Punkt des Widerstands. Wenn man in gewisser Hinsicht sagen könnte, dass Elektra in ihrer Mutter und ihrer Schwester auch Aspekte ihrer selbst bekämpft, so ist in den frühen Morgenstunden von Sarah Kanes Text nur noch sie selbst ihr Feind.

Ulrich Rasche wird, in seiner zweiten Inszenierung am Residenztheater nach Schillers "Die Räuber", die Texte dieser ungleichen Schwestern zu einem Abend verbinden.

  • premiere 15 Feb 19
  • Kostüme Romy Springsguth
  • Musik Monika Roscher

Nicht man selbst sein müssen

Zum Ende machen wir noch einmal ernst: Es geht ums Spielen. Eine Tätigkeit, eine Haltung – und eine Grundsatzfrage. Dem Spieler und der Spielerin sind Authentizität und Glaubwürdigkeit, Selbstgewissheit und jene Identität fremd, die mit sich selbst im Reinen, aber arm an Möglichkeiten ist. Sie bestaunen die Zuverlässigkeit, den festen Glauben an eine planbare Zukunft, die Humorlosigkeit, die Geschlossenheit der Weltbilder, die Vergesslichkeit.

Nicht man selbst sein müssen

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Am 17. Mai stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende – seine letzte – Spielzeit am Residenztheater vor. Die Spielzeit 2018/19 wird keinesfalls eine Abschiedsspielzeit, sie ist bestimmt von großen anspruchsvollen Produktionen sowie reich an neuen, vielfältigen Spiel- und Erzählformen, mit denen Martin Kušej zusammen mit seinem Ensemble seit 2011 das Residenztheater prägt.

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Spielzeit 2018/2019

Hier finden Sie eine Übersicht über die Premieren und geplanten Projekte der Spielzeit 2018/19 am Residenztheater! Weitere Infos zu den einzelnen Inszenierungen finden Sie auch in unserem neuen Spielzeitheft, das ab sofort in unseren Spielstätten für Sie bereit liegt und das Sie hier herunterladen (PDF) oder hier direkt online durchblättern können.

Spielzeit 2018/2019