Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg

Szenen aus einem unvollendeten Roman

nach Jaroslav Hašek

Deutsch von Antonín Brousek

Seit dem Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand befinden wir uns im Krieg. Švejk weiß das und meldet sich provokant freiwillig zum Dienst, mit Krücken und Rollstuhl. Denn dieser Krieg muss sein: „Das wird ein Gemetzel.“ Dass Švejk daraufhin verhaftet, in die Psychiatrie gesteckt, als Idiot ausgelacht und als Vaterlandsverräter beschimpft werden wird, fordert den Prager Wirtshausanarchisten nur noch mehr heraus. Als Offiziersdiener an der Front gelingt ihm der große Coup: Autoritäten, Frontlinien und Befehle gelten für ihn nicht. Er lässt Militärchargen und Kriegsbürokraten im Feuerwerk seines bizarren Widerspruchsgeistes tanzen und reißt nationale Hierarchien der österreich-ungarischen Vielvölkerarmee lachend nieder. Švejk treibt sein wildes Spiel mit einer zwischen Lethargie und Chaos zerrissenen Welt, die den Einzelnen zu einer Nummer und die Menschenseele überflüssig werden lässt.

Hašeks weltberühmter, 1921 als Groschenheft verkaufter Schelmenroman zeigt Švejks Odyssee durch die osteuropäischen Gebiete des Ersten Weltkriegs. Im Spiegel aktueller Kriegsszenarien erscheint dieser skurrile Antiheld als ein ersehnter Zeitgenosse, der die Verhältnisse mit geschwätziger Lebensbejahung und provozierendem Schwachsinn in Frage stellt.

  • premiere 08 Apr 16
  • Vorstellungsdauer ca. 4 std. 45
  • eine pause
  • Regie Frank Castorf
  • Bühne Aleksandar Denić
  • Kostüme Adriana Braga Peretzki
  • Licht Gerrit Jurda
  • Kamera Josef Motzet + Jaromir Zezula
  • Video + Live-Schnitt Marie-Lena Eissing
  • Dramaturgie Andrea Koschwitz
mit

Das Spiel des Scheiterns

Bibiana Beglau in einem sehr persönlichen Interview

Bibiana Beglau gab mona lisa ein sehr persönliches Interview. Im Video spricht sie über die Tücken ihres Berufs, schauspielerische Inspirationen, ihre Kindheit und auch heute noch allgegenwärtige Ängste: "Warum gibt es so viele Heldenfiguren? Weil wir sie so gerne stürzen sehen.", so Beglau.

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KRIEGSSPLITTER

HERFRIED MÜNKLER

Das Jahr 1914 und die ihm folgenden vier Kriegsjahre wurden zur politischen Tragödie des europäischen Bürgertums, das den Krieg als Chance zur Erlangung politischer Hegemonie gesehen und sich bei dem Versuch, diese Chance wahrzunehmen, wirtschaftlich und sozial ruiniert hat. Vor allem aber hat dieses Bürgertum im Verlauf des Krieges seinen politischen Kompass verloren: Statt die gesellschaftliche und politische Mitte zu besetzen, hat es sich politisch nach rechts bewegt.

KRIEGSSPLITTER

DIE ABENTEUER DES GUTEN SOLDATEN ŠVEJK IM WELTKRIEG

INHALTSANGABE

Als guter Soldat weiß Švejk, was ein solches Attentat bedeutet, und meldet sich provokant freiwillig zum Dienst. Denn dieser Krieg muss sein: „Das wird ein Gemetzel.“ Dass Švejk daraufhin verhaftet, in die Psychiatrie gesteckt, als Idiot ausgelacht und als Vaterlandsverräter beschimpft wird, fordert den Prager Wirtshausanarchisten nur noch mehr heraus. Als Offiziersdiener an der Front gelingt ihm der große Coup: Autoritäten, Frontlinien und Befehle gelten für ihn nicht. Er lässt Militärchargen und Kriegsbürokraten im Feuerwerk seines Widerspruchsgeistes tanzen und reißt die nationalen Hierarchien der österreichisch- ungarischen Vielvölkerarmee lachend nieder. Švejk treibt sein aufmüpfiges Spiel in einer zwischen Lethargie und Chaos zerrissenen Welt, die den Einzelnen zu einer Nummer und die Menschenseele überflüssig werden lässt.

DIE ABENTEUER DES GUTEN SOLDATEN ŠVEJK IM WELTKRIEG

Alles ist möglich

"Wie eine Explosion: Es ist alles möglich! Rock’n’Roll!" Im Blog spricht Jaromír Zezula über Jaroslav Hašeks "Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg", das gerade im Resi Premiere feierte, und seine Arbeit als Livekameramann, die in den Inszenierungen von Frank Castorf von besonderer Bedeutung ist. MEHR ...
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