Bakchai (AT)

Denn wir sind nie modern gewesen

von Wim Vandekeybus u. a. nach Euripides

Uraufführung!!

Sein Name eignet sich für einen Unglücklichen: Pentheus, Enkel der Drachensaat, junger Herrscher Thebens und gleich auf eine harte Bewährungsprobe gestellt, herausgefordert von einem eifersüchtigen, gekränkten Gott, Dionysos. Dessen junge Anhänger tanzen bereits ihm zu Ehren in den Bergen und auch den alten Thebanern juckt schon das Bein. Bitt’re Schmach für Griechenland, denn nicht zuletzt kämpft Pentheus gegen einen überkommenen Glauben und für eine neue, bessere Welt des Verstandes. Soweit die Theorie. Egal in welcher der zahlreichen Spielarten Dionysos auftaucht, von Blütenbringer und im Überfluss Lebender über Lärmender und roh Verzehrender bis hin zum Menschenzermalmer, er war immer der Gott, der alle Grenzen negiert und alle Schranken einreißt. Ob mehr oder weniger rauschhaft, Dionysos erlöst von Zwängen und begegnet uns deswegen meist auf der Seite der Unterdrückten. Dionysos als Staatsfeind. Er ist der Gott der aus dem öffentlichen Leben der Städte herausgehaltenen Menschen. In der Praxis faszinieren Pentheus deren vor Gewalt strotzende Feste, zu denen er keinen Zugang findet. Als dort auch seine Mutter deliriert, kleidet er sich als Anhänger des Dionysos und begibt sich ins Gebirge – dort wird die Gewalt, wie René Girard schreibt, "zum Bedeutungsträger für das absolut Wünschenswerte, für die göttliche Selbstgenügsamkeit, die 'schöne Totalität', die nicht mehr als schön erschiene, wäre sie nicht mehr undurchdringlich und unerreichbar. Das Subjekt verehrt diese Gewalt und hasst sie zugleich; es sucht sie durch Gewalt zu beherrschen; es misst sich mit ihr; trägt es durch Zufall den Sieg davon, wird sich das Prestige, das sie genießt, schnell zerstreuen; es wird anderswo eine noch gewalttätigere Gewalt suchen müssen, ein wahrhaft unüberwindliches Hindernis."

Seit mehr als dreißig Jahren choreographiert und inszeniert Wim Vandekeybus auf der ganzen Welt Aufführungen, die sich zwischen Schauspiel, Tanz, Konzert und Film bewegen. In den "Bakchai" bringt er Mitglieder seiner Kompagnie "Ultima Vez" mit Schauspielern des Residenztheaters zusammen.

Koproduktion des Residenztheater München (DE) mit Ultima Vez (BE). With the support from Tax Shelter measure of the Belgian Federal Government, Casa Kafka Pictures Tax Shelter empowered by Belfius. Ultima Vez is supported by the Flemish Authorities & the Flemish Community Commission of the Brussels Capital Region.

  • premiere 15 Mär 19
  • Regie + Choreographie Wim Vandekeybus

Nicht man selbst sein müssen

Zum Ende machen wir noch einmal ernst: Es geht ums Spielen. Eine Tätigkeit, eine Haltung – und eine Grundsatzfrage. Dem Spieler und der Spielerin sind Authentizität und Glaubwürdigkeit, Selbstgewissheit und jene Identität fremd, die mit sich selbst im Reinen, aber arm an Möglichkeiten ist. Sie bestaunen die Zuverlässigkeit, den festen Glauben an eine planbare Zukunft, die Humorlosigkeit, die Geschlossenheit der Weltbilder, die Vergesslichkeit.

Nicht man selbst sein müssen

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Am 17. Mai stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende – seine letzte – Spielzeit am Residenztheater vor. Die Spielzeit 2018/19 wird keinesfalls eine Abschiedsspielzeit, sie ist bestimmt von großen anspruchsvollen Produktionen sowie reich an neuen, vielfältigen Spiel- und Erzählformen, mit denen Martin Kušej zusammen mit seinem Ensemble seit 2011 das Residenztheater prägt.

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Spielzeit 2018/2019

Hier finden Sie eine Übersicht über die Premieren und geplanten Projekte der Spielzeit 2018/19 am Residenztheater! Weitere Infos zu den einzelnen Inszenierungen finden Sie auch in unserem neuen Spielzeitheft, das ab sofort in unseren Spielstätten für Sie bereit liegt und das Sie hier herunterladen (PDF) oder hier direkt online durchblättern können.

Spielzeit 2018/2019