Böhm

von Paulus Hochgatterer

Gastspiel Schauspielhaus Graz

"Nach kaum einer Schrecksekunde vergisst man, dass man Puppen vor sich sieht. Und am Ende dieses erstaunlichen, geglückten, minutenlang frenetisch beklatschten Abends hat Habjan doch noch Böhm vom Sockel gestoßen. Ein gleichzeitig beklemmendes und befreiendes Bild." (Martin Lhotzky, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. März 2018)


 

Karl Böhm war einer der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Seine Laufbahn begann 1917 in Graz und führte ihn bald nach München, Darmstadt und Hamburg. Auf Fürsprache Hitlers wurde Böhm 1934 an die Semperoper in Dresden berufen. 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde Böhm Direktor der Wiener Staatsoper. Bereits 1935 schrieb er: "Es ist sicher im Sinne der Regierung gelegen, wenn ich als deutscher Dirigent nach Wien gehe, um dort den zahlreichen Anhängern der nationalsozialistischen Idee neue Anregung zu geben, umso mehr als ich gebürtiger Österreicher bin. […] Heil Hitler!“ 1945 entfernten ihn die alliierten Besatzungsbehörden wegen zu großer Nähe zum Nazi-Regime aus dem Amt des Direktors der Wiener Staatsoper und belegten ihn mit einem Auftrittsverbot. Nach Ende der Besatzungszeit bis 1956 wurde er dann ein zweites Mal mit diesem Amt betraut.

Der österreichische Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan, der derzeit mit "Der Streit" am Residenztheater zu sehen ist, beschäftigt sich in diesem umjubelten Soloabend aus dem Schauspielhaus Graz mit dem finstersten Kapitel europäischer Geschichte.    

Residenztheater
  • Mo 04. Feb 19, 20:00 Uhr
  • Di 05. Feb 19, 20:00 Uhr
mit
  • Nikolaus Habjan