Auf ewig unser Gestern

von Maria Milisavljević

Ein Haus am Grenzfluss. Eine Tür, die immer zu ist, und Personen, die dort schon immer waren und ewig sein werden. Maria Milisavljević fordert mit ihrem polyphonen Theaterstück die Geister einer bayerischen Familie heraus. Damals wie heute steht draußen „die Welt in Brand“. Drinnen überlagern sich die Stimmen der Vergangenheit und die Ängste von Generationen. Erzählungen, Briefe und Lieder schichten sich übereinander und wer, wie die "Kleine", versucht, die Wahrheit zu erfahren, bekommt immer andere Antworten, die zu neuen Erinnerungen werden. "Aber die Tür war bei dir auch immer zu. / Da gab’s gar keine Frage, das hier ist ja kein Irrenhaus und schon gar keine Herberge für Heimkehrer oder – noch schlimmer – Heimsucher. Die suchen nämlich nicht nur dich heim, sondern ja quasi sich selbst zu dir her. Und dann haben wir den Salat. Wie damals die Böhmer. Wie sie in den Wald hinein gelaufen kamen und an dieser Seite wieder heraus. Wir hatten schon die Fallen gegraben, aber es waren einfach zu viele / Böhmer, nicht jeder fiel hinein in die Gruben. / Wo ist denn unsere Kleine? / Ist sie vielleicht weg? / Das würde euch so passen. / Sie ist immer noch da. / Nicht wegzureden. / Tja. / Tja. / Sie ist noch da? Na ja, bei all dem Gerede vergisst man ja leicht mal, wer wirklich ist."

Maria Milisavljević studierte Englische Kulturwissenschaften, Englische Literatur und Kunstgeschichte in Passau. Sie wurde 2013 für ihr Theaterstück "Brandung" mit dem Kleist- Förderpreis ausgezeichnet, erhielt für "Beben" 2016 den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarktes und ist 2018 beim Wettbewerb um den Mülheimer Dramatikerpreis dabei. Mit "Auf ewig unser Gestern" schrieb sie im Auftrag des Residenztheaters einen stillen, poetischen Theatertext, der viel über die deutsche Mentalität der Abschottung und Verdrängung erzählt. 

Der diesjährige Marstallplan wird zur "Welt / Bühne". Susanna Fournier, Zainabu Jallo, Maria Milisavljević, Santiago Sanguinetti, Pat To Yan: fünf junge Autoren und Autorinnen aus fünf verschiedenen Kontinenten, die für das Residenztheater, über eine gesamte Spielzeit hinweg, im gemeinsamen Austausch fünf Stücke entwickelt haben, die von fünf jungen Regisseuren und Regisseurinnen im Marstall uraufgeführt werden. Sie erzählen vom Sich-Öffnen und Sich-Verschließen, von den Unterschieden und den Zwischenräumen, die eine Begegnung erst ermöglichen. Im Anschluss an die jeweils letzte Vorstellung finden Publikumsgespräche statt.

In Kooperation mit dem Goethe-Institut, den Freunden des Residenztheaters sowie der LMU und der Theaterakademie August Everding.

Mit freundlicher Unterstützung der Kameraverleih Licht & Ton KLT GmbH.

 

 

  • premiere 23 Jun 18
  • Vorstellungsdauer ca. 1 std.
  • Keine Pause
  • With English surtitles
  • Regie Franziska Angerer
  • Bühne Maximilian Lindner
  • Kostüme Valentina Pino-Reyes
  • Musik Fiete Wachholtz
  • Licht Markus Schadel
  • Video Fabio Stoll
  • Dramaturgie Andrea Koschwitz

Welt / Bühne 2018

Marstallplan

Theater funktioniert auf verschiedensten Ebenen als Ort der Begegnung – zwischen Zuschauern und Schauspielern, zwischen Utopie und Realität, und eben auch zwischen Autoren und Regisseuren. Dieses Moment will das Residenztheater befeuern, den Austausch anregen und ihn öffnen – internationale Theaterschaffende treffen aufeinander und arbeiten gemeinsam an einem Projekt, der "Welt / Bühne". Diese, gestartet als eine Reihe von szenischen Lesungen in der Spielzeit 2016/17, hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge internationale Dramatik zu präsentieren. Verschiedene Sichtweisen auf die Welt begegneten sich und eröffneten einen Dialog, der die kontinentalen Grenzen sprengte.

Welt / Bühne 2018