Was macht eigentlich... eine Inspizientin?

Emilia Holzer am Inspizientenpult im Marstall während der Vorstellung © DJS
Emilia Holzer am Inspizientenpult im Marstall während der Vorstellung © DJS

Licht aus, Bühne an – alle sind auf ihren Plätzen, die Techniker, die Schauspieler, natürlich, Emilia hat’s ja gerade gesagt. Was sie an Kommandos gibt, wird gemacht, denn Emilia Holzer ist Inspizientin am Residenztheater. "Inspi-was?"  - Ja, das haben wir uns auch gefragt. Deswegen sind wir in den Marstall gegangen und haben uns von Emilia ihren Job erklären lassen. Trotz ihrem Status als oberste Kommandogeberin ist sie nämlich wahnsinnig freundlich und hat eine Stimme zum Niederknien.

Und damit wären wir auch schon beim Thema: Als Inspizientin ist Emilia Holzer die Hauptkoordinatorin eines Stücks. Ohne sie würden Schauspieler ihren Einsatz verpassen oder der Techniker nach Gutdünken einfach das Licht ausschalten. So geht das aber nicht, schließlich ist für den reibungslosen Ablauf einer Theaterveranstaltung ein gehöriges Maß an Organisation nötig.

Also sitzt Emilia Holzer hoch oben bei den Technikern, damit sie die Bühne und ihr kleines Cockpit mit Knöpfen und Schaltern stets im Blick hat. Die Knöpfe können einiges: Durch ein Mikrofon sagt Emilia zum Beispiel den Schauspielern, wenn sie eben auf die Bühne kommen sollen. Per Knopfdruck gibt sie den Technikern Lichtzeichen, damit sie wissen, dass gleich ihr Einsatz kommt. Außerdem macht Emilia zu jeder Vorstellung in einem dicken Buch Notizen: Wie lange hat der Applaus gedauert? Gab es Buh-Rufe oder stehende Ovationen?

Eine Ausbildung zur Inspizientin gibt es nicht, auch Emilia Holzer ist per Zufall zu ihrem Job gekommen – ihr erstes Stück war Shakespeares "König Lear". Mittlerweile begleitet sie seit zehn Jahren Proben und Vorstellungen im Residenztheater – ein dicker Schnitzer ist ihr dabei noch nicht passiert. Sie musste nur einmal mitten im Stück den Vorhang fallen lassen, denn eine Schauspielerin war auf der Bühne einfach umgekippt. Kein Wunder, die Stücke am Resi können schon mal fünf Stunden dauern. Und wenn man dann auch noch selbst in seinem Inspizientenstuhl mit 39 Grad Fieber kränkelt, hat man eben Pech gehabt. Denn obwohl es insgesamt fünf Inspizienten am Residenztheater gibt, ist jeder für ganz bestimmte Stücke zuständig – wie Emilia Holzer, die heute das Stück "Frühlings Erwachen!“ vom Jungen Resi begleitet.