Was heißt spielen? #resi1819

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Spielen? Was heißt spielen? 

Eine ganz einfache, komplizierte, klar verständliche und komplexe Frage auf die es wahnsinnig viele Antworten gibt. Zur Spielzeit #resi1819 wollen wir noch einmal ernst machen: Es geht ums Spielen. Auf der Bühne spielen wir Revolution in "Marat/Sade", in "Der nackte Wahnsinn" wird das Spiel im Spiel gespielt, wir spielen das letzte, ewige Spiel in "Endspiel" und "Der Spieler" spielt mit seiner Entourage um des Spielens willen. Doch wir spielen nicht nur auf den Brettern, die die Welt bedeuten: Auch hinter der Bühne wird viel gespielt – oder etwas nicht?

Drei Mitarbeiter*innen des Hauses haben sich auf den Weg gemacht, und an jede*n, der*die ihnen über den Weg gelaufen ist, eine vermeintlich simple Frage gestellt: "Was heißt spielen?" Und sie haben immer wieder andere Antworten bekommen. In einer Art Wortwolke wird dargestellt, welches Wort wie häufig genannt wurde – je größer, desto häufiger. 

 

Klar: Spielen bedeutet Freiheit! Und Spielen oszilliert zwischen Gemeinschaft und Gegnerschaft - oder funktioniert das Eine nicht ohne dem Anderen? Spielen bringt uns in unsere Kindheit zurück - manche spielen aber auch nur mit Kindern. Spielen ist Spaß und Freude und Ernst, scheint aber vielleicht auch nicht für jeden verfügbar zu sein. Hat Spielen etwas mit Intelligenz zu tun? Braucht man einen gewissen Wohlstand, um spielen zu können? Spielen heißt Teilnehmen und bedeutet Teilhabe, aber wir brechen als Spieler auch aus. Wir flüchten vor der Realität und betreiben ein doppeltes Spiel. Je verspielter etwas oder jemand wirkt, desto mehr Arbeit ist damit verbunden. Stehen Arbeit und Spiel im Gegensatz, in Gegnerschaft, oder gehören sie zusammen? Am Ende wird doch immer gespielt.

Es wurden etwa 60 Menschen im ganzen Haus gefragt – und es gab 60 grundunterschiedliche Antworten. Hier soll eine Auswahl davon stehen:


"Das ist hier kein Spiel: Ich spiele vor allem zuhause mit den Kindern."

Beleuchtung und Video


"Es geht um Spaß, Loslassen und über sich hinauswachsen. Man kann ein Anderer und darf nicht festgefahren sein, um Neues entdecken und etwas zu schaffen. Spielen hat etwas mit Fesseln und Entfesseln, mit Vertrauen und Gemeinschaft zu tun – alleine Spielen macht wenig Sinn..."

JUNGES RESI


"Spielen ist eine bunte Sauce, bedeutet Kreativität." 

Damenschneiderei


"Spielen im Theater bedeutet für mich konkret, Probleme und Freude, Kummer und Spaß auf die Bühne zu bringen – kurz: die Gesellschaft abzubilden, um den Leuten den Spiegel vorzuhalten. Bei den Aufgaben hier kann man leider nicht von Spiel sprechen – wenn irgendetwas schief geht, ist das ernst. Es macht aber sehr viel Spaß dafür zu arbeiten, dass hier auf der Bühne gespielt werden kann."

Geschäftsführende Direktion


"Theater hat immer noch und immer wieder mit Spiel zu tun: mit Freude, Freiheit, Spaß. Meine Arbeit hat hier nur teils mit Spielen, mit dem Theater zu tun. Wenn man aber in die Proben oder in Vorstellungen nach unten gehen kann, dann ist das schön, ist das Theater."

Kostümdirektion


"Spielen ist etwas, wo man aus seinem Alltag, aus seiner Routine ausbricht und alles andere einmal vergisst – das hat etwas mit Loslassen und Kind sein zu tun. Was wir hier machen ist schon mehr Arbeit, als Spiel. Man kann nicht einfach sagen: 'Jetzt spiele ich mal so herum'. Im Produktionsprozess muss die Sache laufen und pünktlich fertig werden, da ist wenig Raum für abschalten und spielen. Spaß macht das trotzdem." 

Herrenschneiderei


"Spannung, Spaß und Schokolade."

Kommunikation und Marketing


"Ich denke zuerst an Kinderspiele: Ernsthaftes Spiel ist kein Spiel. Spielen verbinde ich mit Gesellschaft, es findet immer in der Gruppe statt."

Geschäftsführende Direktion


"Im Theater denkt sich der Regisseur das Spiel aus und lässt das die Schauspielerinnern und Schauspieler spielen. Im Leben ist Spielen ein ungeplanter Prozess, etwas Spontanes."

 Bühne und Kostüme


"Ich gehe jeden Tag meinem Spieltrieb nach. EDV ist zwar ernsthafte Arbeit, regt aber das Kind in mir an. Allerdings: Im Spiel darf etwas schiefgehen, bei der Arbeit nicht…"

Geschäftsführende Direktion


"Ich sehe es schon so, dass bei meiner Arbeit ein gewisses spielerisches Element dabei ist. Womit man bei der Konstruktion hantiert, das ist alles Spielzeug, zumindest für mich."

Technische Direktion


"Ich spiele nicht gerne. Mit dem Wort verbinde ich etwas Infantiles, das hat etwas Unseriöses. Im Theater etwa hat das Vorspielen eine positive Konnotation, aber anderen etwas vorzuspielen ist durchaus problematisch... Ansonsten denke ich da zuerst an Gesellschafts- und Kartenspiele.  An sich hat der Begriff etwas total Breites und geht auf eine uralte Tätigkeitsform aus dem Althochdeutschen zurück: spil für Tanzbewegung…"

Kommunikation und Marketing


"Mein Papa sagt immer: 'Spielen hat viel mit Intelligenz und Wohlstand zu tun: Wo man hungert, spielt man nicht und wo einem nichts einfällt, spielt man auch nicht.'"

Malsaal


"Spielen betreiben viele als Realitätsflucht, im Guten wie im Schlechten. Dass man manchmal so tut, als wäre man jemand anders, um mal frei zu sein, ist ja auch nichts Verwerfliches. Außerdem: Gespielt wird eigentlich immer: Du spielst deine Rolle im Beruf, du spielst deine Rolle zuhause. Spielen umgibt uns die ganze Zeit, in allem was wir machen." 

Technische Direktion


"Die Welt ist ein Spiel. Die Menschheit ist sich dessen vielleicht nicht bewusst, aber jeder hat seine Rolle zu spielen. Auch hier am Resi müssen die Schauspieler vorgegebene Rollen spielen und dürfen kaum selbsttätig agieren: das Textbuch verhindert die Spontanität!"

Einlassdienst


"Das ist doch alles bitterernst hier *Augenzwinkern. Ein Spiel muss unterhalten und dient zum Abschalten und Runterkommen vom Ernst des Lebens."

Tageskasse


"Beim Spielen kann man jemand anderes sein. Man schafft aber keine anderen Realitäten, man spielt einfach."

Intendanz


"Also für mich heißt Spielen 'Leben'. Für mich ist jeder Tag ein neues Spiel, ich steige jeden Tag in den Ring, manchmal freue ich mich drauf und manchmal nicht. Das Theater ist ein großes Spiel, innerhalb dessen Regeln ich frei bin."

Stimmbildung, Sprechtraining


Spielen heißt frei sein. Frei sein insofern als dass man die Möglichkeit hat, etwas zu realisieren, dass man einen Teil seiner Fantasie so auslebt, wie man das sonst nicht kann. Meine Arbeit hier am Theater hat mit Spielen allerdings überhaupt nichts zu tun. Das was wir machen ist ja Voraussetzung dafür, dass auf der Bühne gespielt werden kann. Dort ist es der Job des Schauspielers, sein Tun spielerisch aussehen zu lassen. Der Einzige, der das wirklich als Spiel betrachten kann, ist der Zuschauer. Für alle anderen ist das harte Arbeit. Wir dürfen hier gar nicht spielen, wir müssen uns ja nach den Bedingungen ausrichten, die wir hier vorfinden und können höchstens versuchen, das spielerisch aussehen zu lassen."

 Bühnenbetrieb Residenztheater und Marstall


"Spielen heißt fliegen, heißt schweben, heißt diese Welt verlassen und in einer fantastischen Welt alles ausprobieren was man schon immer ausprobieren wollte und was man sich in dieser Welt vielleicht nicht traut. Spielen bedeutet auch mit Familie, mit Freunden und  Freundinnen Zeit zu verbringen und gemeinsam eine Welt zu schaffen, in der man etwas Neues ausprobiert, vielleicht auch mal Gegnerschaft..."

Kommunikation und Marketing


"Gerade in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, gibt es so viele Formate, wo man grenzenlos alles ausprobieren kann. Da gibt es kein Richtig und kein Falsch und deshalb zählt nur die eigene Fantasie und alles was man daraus macht."

JUNGES RESI


"'Was heißt spielen' weist auf das Prinzip des 'Homo ludens', also des spielenden Menschen hin.  In uns gibt es einen tief verwurzelten Trieb, ein ursprüngliches Interesse am Spielen, am Teilnehmen, Teilhaben, aber auch am Zusehen gespielter Situationen – also Situationen, die nicht ganz, aber fast so etwas wie die Wirklichkeit sind."

Intendanz 


"Bei unserer Arbeit hinter der Bühne verlieren wir mit der Zeit ein bisschen den Realitätssinn – weil unsere Wirklichkeit eben bis zur Kante der Bühne reicht und also gewissermaßen eine verkehrte Welt ist. Aber es ist wunderbar, die Dinge von hinten betrachten. Spielen ist, wenn wir nicht mehr wissen wo wir sind, und genau das schafft das Theater: Egal wo man ist, egal wo man arbeitet – Spiel und Realität vermischen sich."

Requisite und Rüstkammer


"Die Arbeit hier im Malsaal hat immer etwas mit Spielen zu tun, wir dürfen uns spielerisch auslassen: Gerade etwa müssen wir spielerisch diese Wand so gestalten, dass sie aussieht wie das Resi selbst…"

Malsaal


"Spiel ist die Freiheit und Kreativität, sich selbst ausdrücken zu können. Speziell in Bezug auf Theater bedeutet Spielen das Austesten von Grenzen, von Freiheiten. Im Spiel kann man auch Kritik üben und auf gewisse Dinge aufmerksam machen. Konkret hier in der Schreinerei bauen wir zwar nach Plänen, aber es gibt auch verspielte Sachen, das  kommt auf das Bühnenbild an. Ich habe eine ziemlich coole, eine ziemlich freie Ausbildung, ich darf hier ziemlich viel spielen und eigene Ideen einbringen."

Schreinerei


"Klar alles was dem Zuschauer auf der Bühne geboten wird ist spielen. Damit das möglich wird, ist natürlich vorher im Hintergrund eminent viel Aufwand nötig, unter anderem die Arbeit der Werkstätten. Ironischerweise sagen wir „das wahre Theater spielt sich hinter dem Vorhang ab“, denn es ist natürlich ein enormer Entwicklungsprozess, bevor etwas bühnenreif dargeboten werden kann. Vor der mit der Premiere spielen sich unheimlich viel Prozesse ab: Von den ersten Gesprächen, wie man die künstlerischen Vorstellungen händeln kann, was finanziell oder technisch machbar was ist etc. Das sind für uns in der Schreinerei die ersten Momente, in denen wir ein neues Stück kennenlernen dürfen. Spiel bedeutet zwar Freiheit, aber hier wird nichts dem Zufall überlassen, dafür sind wir alle zu sehr Profis, da hat man manchmal auch Zwänge, wo man sich fragt: Brauchts das wirklich auch noch oder warum? Teilweise wissen wir natürlich nicht, was für Gedankengänge die auf künstlerischer Ebene stattfinden, das bleibt uns als Werkstätten verborgen – wir müssen natürlich vorrangig schauen, dass man das gewünschte fristgerecht hinbekommt."

Schreinerei


"Malen ist Arbeit. Aber ich habe früher viel Rollenspiele gemacht – da geht es um das miteinander spielen, als Gemeinschaft."

Malsaal


"Mir fällt zum Spielen ein dass man ein doppeltes Spiel spielen kann: dass man je nach Position, Funktion oder Konstellation beim einen das eine sagt und beim anderen das andere. Es ist schwierig zu wissen, wann jemand spielt und wann nicht."

Assistenz Regie


"Je verspielter es aussieht, desto mehr Arbeit steckt dahinter."

Maske


"Theater repräsentiert für mich schon das klassische Spiel. Mich interessiert weder Fußball, noch sonstiges – zum Spielen gehört Leidenschaft dazu, man muss mit Herz dabei sein."

Tageskasse


"Spielen bedeutet wieder Kind sein!"

Geschäftsführende Direktion


"Zum Spielen braucht man Leidenschaft. Spielen bringt das Kind in einem heraus."

Maske


"Bei Spielen denke ich zuerst ans Musizieren. Es geht darum, sich auszuprobieren, zu entwickeln, vielleicht auch neue Seiten zu entwickeln, indem neue Saiten angeschlagen werden. Auch beim Spielen gibt es Regeln, trotzdem bietet es einen Freiraum zum Ausprobieren."

Kommunikation und Marketing


"Wir spielen nicht, wir arbeiten. Spielen schafft es, Menschen in eine andere Welt zu bringen. Unsere Aufgabe ist es, das Spielen auf der Bühne so unbemerkt wie möglich zu ermöglichen."

Requisite und Rüstkammer


 "Spielen ist sich in etwas hineinzuversetzen, es zu verstehen und anzunehmen."

Einlassdienst


 

 

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