Heißluftballonfahren und Theater – welch zwillingshafte Ähnlichkeit!

"Flegeljahre" im Heißluftballon
"Flegeljahre" im Heißluftballon

Zunächst mal ist beides völlig antiquiert, zwei Überbleibsel aus längst vergangener Zeit, die hartnäckig weiterpraktiziert werden - vielleicht liegt es am unmittelbar körperlichen In-Berührung-Stehen mit der Umwelt bei gleichzeitigem Perspektivwechsel - vielleicht ist es der Glaube an einen Rest von Zauberei, der beiderorts genährt und verifiziert wird. Hier wie dort wird heiße Luft aufgeblasen, es wird Geld in die Luft gejagt, und zurück bleibt nichts Greifbares, sondern nur Erinnerung. Die Kernbedeutung der im Theater oft gebrauchten Metapher "Fallhöhe" erschließt sich in der unmittelbaren Anschauung und körperlichen Bedrohung. Und auch die abschließende Bruchlandung ist am Theater hinlänglich bekannt, wenngleich dort meist nicht von vornherein absehbar. Die Folge dieser Bruchlandung - kuschliges Aufeinanderliegen mit 11 Kollegen auf einer Wiese in Oberbayern am einzig sonnigen Samstagmorgen seit Jahresbeginn - war beim Ballonfliegen dann aber doch viel aufregender.

Einsatz und Gewinn stehen am Theater in einem rechnerisch absurden Missverhältnis, und doch glückt die Arbeit am Theater nur in der Hingabe an diese Unverhältnismäßigkeit. Auch darin ähnelt es dem Fliegen um seiner selbst willen. Das alles gefiel uns sehr und wir wurden auch ein bisschen irre, weil wir 1 1/2 Stunden mit Sonne und Sauerstoff versorgt wurden, sicher der markanteste Unterschied zur Arbeit am Theater.

Danke Jean Paul für diese Aufgabenstellung ("…und weinend flog der Mensch durch heiteres Blau den duftenden Gebürgen zu und flog immer und erreichte die Gebürge nie")! Danke Max Bühnenbildner fürs konsequente Verwirklichen, Danke Team, es war sehr schön mit Euch!

So, das wars mit Homestory. Mehr Authentizität gibts wieder auf der Bühne: bei "Flegeljahre" im Marstall (u.a. am 4. und 28. April).

"Welch Freudenleben auf dieser kleinen Erde! Und doch ist das erst Deutschland." (Jean Paul)