Happy Birthday Mitko!

Regisseur mit Zigarette: Dimiter Gotscheff bei den "Zement"-Proben © Thomas Dashuber
Regisseur mit Zigarette: Dimiter Gotscheff bei den "Zement"-Proben © Thomas Dashuber

Mitko, auf dem Weg zum Tierarzt, der du werden solltest, bist du ein Bühnentier geworden.

Als Kind hast du an dir selbst mit einer geladenen Pistole Möglichkeiten von Selbstmorden spielerisch ausprobiert, und die Kugel flog Göttern sei Dank nicht in deinen Kopf, sondern war als Fehlschuss der Startschuss für deine Laufbahn, die dich zu den Bühnen erst im Osten, dann im Westen brachte.

Gelaufen bist du auch eine Nacht lang um das Deutsche Theater in Berlin, um Benno Besson klar zu machen, dass er einen neuen Mitarbeiter hat, nämlich dich. Gelaufen wird bei dir auf der Bühne immer noch bevorzugt: gerade Gänge von hinten nach vorne, keine Umwege immer direkt, klare Formen und kein Schnickschnack, und bitte immer durch die Mitte, und wenn das nicht klappt, schreist du nicht uns als deine Truppe an, sondern "die Sache".

Dein Schrei ist die Sprache ohne Buchstaben. Das Stammeln, Sabbern oder der verdrehte Schrei sind deine Mittel, wenn die Sprache gesprochen noch nicht reicht, oder noch nicht da ist als Wort. Und wie wichtig sind dir dann die Worte, jedes einzelne soll seinen eigenen Raum bekommen, und wenn es die Worte von Heiner Müller sind, fühlst du dich in dieser Sprache zu Hause wie in einem Land. Da bist du dann der Regisseur, der in einem Autoren und in dessen Thema eine Heimat gefunden hat. Und doch hast du immer noch Entdeckerfreude, wie du es vor zwei Jahren gezeigt hast bei Peter Handke, dem Wortesammler, auf dessen Spuren du gegangen bist, um die Knochen der geschundenen kleinen Völker zu putzen und zu sortieren, IMMER NOCH STURM.

Mitko, bleib noch lange in unseren Räumen mit deinen schönen weißen Haaren, die nicht nur im Sturm sich verheddern, und der Kippe im Mund, soll sie noch lange unserer Probenräume in Nebellandschaften verwandeln.