Große Geschütze in der Rüstkammer

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„Waffen nun, Waffen und hinaus!“ so heißt es in Macbeth.

Waffen und Rüstungen treten im Residenztheater in vielen verschiedenen Formen auf: Manchmal gibt es einen echten Schwertkampf auf der Bühne, manchmal wird nur eine Pistole gezogen. Ritter treten in kompletter Rüstung auf oder manch ein Schauspieler trägt einen Helm. Egal, um welche Art der Bewaffnung es sich jedoch handelt, alles wird an einem Ort innerhalb des Residenztheaters gelagert: in der sogenannten Rüstkammer.

Diese Rüstkammer lässt das Herz eines jeden Menschen, der sich früher als Ritter oder Soldat verkleidet hat oder ein Spielzeugschwert besaß, höher schlagen. Schon bei einem ersten Schritt in diesen magischen Raum, begegnet man mehreren kompletten Rüstungen, die direkt aus der Zeit der Ritter in die Kammer geschritten zu sein scheinen (wenn man einmal von dem Sonnenbrillentragenden Anachronisten ganz rechts absieht).

Hier werden alle Schwerter, Dolche, Schilder, Helme, Kronen und Pistolen aufbewahrt, die je in einer Inszenierung des Residenztheaters verwendet wurden. Weggeschmissen wird nichts – viermal jährlich muss der Fundus gesäubert werden und die Sammlung wächst stetig.

Vertreten sind eine Vielzahl von Epochen und Varianten der verschiedenen Rüstungsgegenstände – so zum Beispiel Helme für Könige…

… und Pickelhauben.

Während die Polizeihelme bereits fertig gekauft wurden, wird ein großer Teil der Rüstungen auch vor Ort angefertigt. Hierbei wird unterschiedliches Material verwendet, wie Kunststoff, Blech und Messing. Diese Materialien sind zwar nicht realitätsgetreu, jedoch liegt das daran, dass echte Rüstungen zumeist sehr schwer wären und das Tragen einer solchen auf der Bühne über einen längeren Zeitraum den Schauspieler stark einschränken würde.

So sehen die Materialien aus, bevor sie verarbeitet werden:

 

Laut Robert Stoiber, einem der beiden Rüstmeister, dauert es ungefähr drei Monate, um eine Rüstung herzustellen, und eine Woche – je nach Detail – für einen Helm. Herausfordernd sind vor allem die Wadenschienen, die sehr präzise gefertigt werden müssen, viele kleine Wölbungen haben und sehr asymmetrisch sind.

Viele dieser handgefertigten Rüstungen können einfach wiederverwendet werden und haben eine universelle Passform. Das wurde natürlich sofort getestet…

Andere Rüstungsgegenstände werden spezifisch für ein Stück und einen Schauspieler angefertigt oder abgeändert. Dafür sprechen sich die Rüstmeister mit der Maske und dem Kostüm ab, die die Maße der Schauspieler und Schauspielerinnen kennen.

Bei einer Neuanfertigung für ein Stück kommen verschiedene Beteiligte der Produktion häufig bereits mit spezifischen Ideen zu den Rüstmeistern – entweder mit einer Beschreibung, einem Bild oder manchmal sogar einer Zeichnung. Diese Ansätze sind jedoch nicht immer tatsächlich umsetzbar; dank ihrer Erfahrung können die Rüstmeister in solchen Fällen mithelfen, eine realistische Alternative zu finden.

Dies ist auch bei den verschiedenen Waffen der Fall. So dürfen diese zum Beispiel nicht zu schwer sein. Weiterhin gibt es auch spezifische Kampfschwerter und -degen, die bei einem Bühnenkampf weniger Gefahr laufen, kaputt zu gehen, als realitätsgetreue Schwerter und Degen.

Auch hier gibt es ein paar Stücke, die man – basierend auf ihrem Aussehen – zumeist in einem Museum oder Historienfilm verorten würde.  

Doch die Rüstmeister sind nicht nur für die Lagerung und Herstellung von Rüstungen und Waffen zuständig. Sie sind die Fadenzieher hinter vielen Effekten auf der Bühne.

Dies betrifft natürlich unter anderem die Effekte, die mit den Waffen zusammenhängen. So ist in ihrem Fundus auch ein Helm zu sehen, an dem ein Kopfschuss simuliert wurde.

Auch das Endprodukt ist im Fundus der Rüstkammer: Innerhalb des Helms wurde ein Beutel mit Kunstblut befestigt, der bei dem gespielten Kopfschuss beschädigt wurde und dann die Illusion kreierte, dem Schauspieler würde das Blut der Schusswunde über das Gesicht strömen.  

Aber die Spezialeffekte, die von Robert Stoiber und seinem Kollegen Peter Jannach vorbereitet und durchgeführt werden, begrenzen sich nicht nur auf Kunstblut, Waffen und länger werdende Pinocchio-Nasen. In der Rüstkammer werden auch noch größere Geschütze aufgefahren: die Pyrotechnik.

Faust; Copyright: Matthias Horn

Und auch bei den Spezialeffekten heißt es: Nichts wird weggeschmissen, sondern jeder Akku, jedes Kabel und jede Erfindung werden behalten und gegebenenfalls wiederverwendet.

Der Ausflug in die Rüstkammer ist ein Ausflug in die Bühnengeschichte des Residenztheaters.