"Denkanstöße": Schüler-Stimmen zu "Wir sind jung. Wir sind stark."

"Fast jede einzelne Szene aus diesem Stück könnte ebenso in der heutigen Welt hier gerade hinter der nächsten Ecke stattfinden." Szene aus "Wir sind jung. Wir sind stark." © Konrad Fersterer
"Fast jede einzelne Szene aus diesem Stück könnte ebenso in der heutigen Welt hier gerade hinter der nächsten Ecke stattfinden." Szene aus "Wir sind jung. Wir sind stark." © Konrad Fersterer

Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse des Maristenkolleg Mindelheim und des Dominikus-Zimmermann-Gymnasium Landsberg am Lech, haben uns nach dem Besuch einer Aufführung von "Wir sind jung. Wir sind stark." ihre Eindrücke, Ansichten, Gedanken geschrieben. Hier ein paar Auszüge daraus:

"Das Theaterstück 'Wir sind Jung. Wir sind Stark.' bleibt zweifelsohne jedem in Erinnerung, der es gesehen hat. Die Inszenierung der Zustände in Rostock-Lichtenhagen 1992 ist ungewöhnlich und ruft intensive Gefühle beim Zuschauer hervor. Auch, weil sich die schrecklichen Ereignisse von damals heute zu wiederholen scheinen."

"Man kann sich gut in die Situation der Asyl-Bewerber hineinversetzen und wird aufgefordert, seine Einstellung zur aktuellen Flüchtlingssituation zu überdenken."

"Dadurch, dass sie aufzeigt, wie leicht beeinflussbar junge, orientierungslose Menschen sind, schafft es Regisseurin Sczilinski, die Ereignisse sehr persönlich und intensiv zu erzählen. Das Stück versucht nicht, die brutalen Angriffe zu rechtfertigen, aber gibt stattdessen Gründe an, warum 'normale' Jugendliche zu hasserfüllten Antisemiten werden."

"Das Stück ist gerade aktueller als je zuvor, da sich die Übergriffe auf Asylunterkünfte wieder häufen und sich ein gesellschaftlich akzeptierter Rassismus in Deutschland breit macht. Genau davor warnt das Stück sehr eindringlich."

Szene aus "Wir sind jung. Wir sind stark." © Konrad FerstererSzene aus "Wir sind jung. Wir sind stark." © Konrad Fersterer

"Das Theaterstück wurde sehr gut aufgeführt und meiner Meinung nach auch genau zur richtigen Zeit. Viele von uns wussten nicht, dass es in Rostock-Lichtenhagen 1992 so eskalierte und Ausländerfeindlichkeit in so einem gewaltigen Maß ausgelebt wurde. Unsere Geschichte sollte hier als Negativbeispiel dienen, wie unter keinen Umständen mit Asylbewerbern umgegangen werden sollte und es nie wieder dazu kommen sollte, dass Fremdenhass in so einer Art und Weise ausgelebt werden kann."

"Menschen kann man oftmals leicht manipulieren. Menschen sind empfänglich für laute Stimmen und Mehrheiten. Menschen sind unmündig und werden gerne angeführt, weil sie dann keine Eigenverantwortung übernehmen müssen. Menschen wählen gerne den einfachen Weg in ihrer Sehnsucht nach Sicherheit, Schutz, einer Zukunftsperspektive und Orientierung. Menschen sind egoistisch, sie sind auf ihr eigenes Wohl bedacht und grenzen dafür andere aus. Menschen sind stark abhängig von Wertungen und Urteilen. Menschen suchen sich meist Sündenböcke, denen man Schuld zuweisen kann. Dieses Menschsein wird meiner Meinung nach im Stück deutlich."

"Fast jede einzelne Szene aus diesem Stück könnte ebenso in der heutigen Welt hier gerade hinter der nächsten Ecke stattfinden. Der Bezug zur Gegenwart ist dem gesamten Team auf verblüffende Weise gelungen."

"Mich persönlich hat dieses Stück sehr beeindruckt, mitgenommen und fasziniert. […] Die Emotionen, die übermittelt wurden, waren atemberaubend. Noch dazu diese Nähe zu der Handlung, wie sie kein Film, so gut er auch sein mag, vermitteln kann, machte alles zu etwas Besonderem, ganz Außergewöhnlichem. Ich empfehle jedem das Theaterstück, der sich mit den angesprochenen Themen auseinandersetzen möchte."

"Direkt nach der Aufführung hatte ich gar keine Worte in meinem Kopf. Ich war erfüllt von euren Stimmen, Bildern und einer beengenden Angst, wie ich sie selten erlebt hatte. Meine unmittelbare Erfahrung war, dass ich das erste Mal in meinem Leben gewaltsam angegriffen wurde und mich unglaublich fremd gefühlt habe. Noch nie hatte ich die Flüchtlingspolitik – egal in welchem Land – so eindeutig aus der Sicht der Asylsuchenden gesehen und gefühlt."

"Ihr habt ein sehr interessantes Phänomen geschaffen: eure Inszenierung spielte sich nicht nur während einer begrenzten Zeit ab, sondern begann bereits einige Minuten vor der Aufführung. Beendet wurde sie erst durch Verlassen des Raumes – doch damit fängt das eigentliche Nachdenken und Bilden einer Meinung über diese schwierige Thematik erst an. Vielen herzlichen Dank für alle jene Denkanstöße."

"Die undefinierte Beginn- und Endzeit des Stücks präsentiert, dass es sich eben nicht nur um die Aufführung eines Theaterstücks handelt, sondern es in ganz Deutschland jederzeit zu einer solchen Lage kommen kann."

"Ad summam ist eine sehr stimmige Inszenierung gelungen, die das Publikum durch Perspektivenwechsel jeglicher Art stark mit einbindet, ohne mit dem mahnenden Zeigefinger auf dieses zu zeigen."