Bilder im Kopf

"Das gesprochene Wort versetzt uns in die Welt der Sehenden": Programmheft für sehende Zuschauer und für blinde Zuschauer in Brailleschrift © Ingo Sawilla
"Das gesprochene Wort versetzt uns in die Welt der Sehenden": Programmheft für sehende Zuschauer und für blinde Zuschauer in Brailleschrift © Ingo Sawilla

Es war für mich ein interessanter und vor allem entspannter Abend, weil ich meine Begleitung nicht bitten musste, handlungstragende Szenen oder Momente zu beschreiben. Vorgänge auf der Bühne oder auch auf der Leinwand, quasi simultan, in Worte zu fassen ohne Wissensvorsprung ist sehr stressig. 

Zuschauer mit BegleithundZuschauer mit BegleithundMit der akustischen Beschreibung konnte ich die Vorstellung ganz eigenständig genießen und war nicht auf meinen Nachbarn als "Souffleur" angewiesen. Und die dazu gesprochenen Texte transportieren viel: Szenenwechsel, Positionen der Schauspieler auf der Bühne, Gestik, Mimik, all das, was mir sonst verborgen bleibt. So entstehen Bilder im Kopf. 

Auch das Stück "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" war eine gute Wahl, weil es ein dialogorientiertes Stück ist. Für blinde Theaterbesucher ist das von Vorteil, weil das gesprochene Wort uns in die Welt der Sehenden versetzt. Damit sind wir auf demselben Informationsstand. 

Ganz deutlich wurde, dass die Schauspieler grandios gespielt haben. Das hat man auch am Beifall gehört. 

Ich freue mich, dass so viele blinde Menschen von dem Angebot einer Theatervorstellung mit Audiodeskription Gebrauch gemacht haben. Das zeigt ein hohes Interesse. Es ist einfach schön, wenn blinde und sehende Menschen Kultur gemeinsam erleben können. 

Persönlich und auch im Namen aller Betroffenen wünsche ich mir, dass Vorstellungen mit Audiodeskription im Residenztheater zur Normalität werden. Einmal pro Monat oder sogar einmal pro Woche, jeden Samstagabend.

 

Christian Seuß ist Landesgeschäftsführer des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbunds.

Tags: Theater, Audio