Uraufführung von Milo Raus neuem Projekt "The Dark Ages" am 11. April im Marstall

Im Anschluss Laibach-Konzert im Residenztheater

Am Residenztheater setzt Milo Rau seine Europa-Trilogie fort, die er 2014 mit der Uraufführung von "The Civil Wars" begonnen hat: Am 11. April 2015 ist die Uraufführung von "The Dark Ages" im Marstall mit Schauspielern aus dem Residenztheater-Ensemble sowie Gast-Schauspielern aus Bosnien und Serbien. Die Musik zu "The Dark Ages" komponiert die slowenische Kultband Laibach. Im Anschluss an die Uraufführung am 11. April spielt Laibach ab 21.30 Uhr ein Konzert im Residenztheater.

THE DARK AGESTHE DARK AGES

Was geschieht mit Menschen, wenn ihre Überzeugungen und Staaten zerbrechen? Auf welches Fundament ist Europa gebaut? Von 1945 bis 1995, vom Untergang des Dritten Reichs bis zur Belagerung Sarajevos: Im zweiten Teil seiner Europa-Trilogie widmet sich Milo Rau unter dem Titel „The Dark Ages“ der finsteren Vorgeschichte des sich vereinigenden Europas. Schauspieler aus Bosnien, Deutschland, Russland und Serbien erzählen Geschichten der Vertreibung und der Heimatlosigkeit, des Weggehens und des Ankommens, des Engagements und der Verzweiflung. Biografische Close-Ups, begleitet von Musik, die die slowenische Kultband Laibach für "The Dark Ages" komponiert: Wie bereits bei Raus gefeierter Produktion "The Civil Wars" entsteht ein intimes Tableau eines vielfach gebrochenen Kontinents – eine politische Psychoanalyse unserer Zeit.

Auf der Bühne: eine Rednerkanzel im Stil der (national)sozialistischen Repräsentationskultur. Sie wird gedreht und gibt den Blick frei auf ein Interieur. Dort sitzen fünf Darsteller und sprechen abwechselnd in eine Kamera. Ihr Gesicht wird groß auf eine Leinwand projiziert, ihre Geschichten, fugisch zusammengefügt in fünf Akten, verbinden Biografisches mit historischen Fragen und Ereignissen. Brüche im eigenen Leben treten mit den großen Systemwechseln des ideologischen Zeitalters in einen spannungsreichen Dialog. Im Zentrum stehen Geschichten von Flucht und Vertreibung, von Krieg und Neuanfang. Während es in "The Civil Wars" um Westeuropa ging, wendet "The Dark Ages" – 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und 20 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica – den Blick Richtung Osten, insbesondere auf die jüngere Gewaltgeschichte auf dem Balkan.

Im Zentrum steht der jeweils eigentümliche Blick von fünf Individuen: Manfred Zapatka und Valery Tscheplanowa aus dem Ensemble des Residenztheaters erinnern sich an das Nachkriegsdeutschland respektive ihren Aufbruch aus dem russischen Kazan. Vedrana Seksan, Schauspielerin des bosnischen Nationaltheaters, erzählt von ihren Erlebnissen während der Belagerung Sarajevos, vom Überleben im Granatenhagel genauso wie von den Krisen der langen Nachkriegszeit. In Belgrad hat Sanja Mitrović die Nächte während des NATO-Bombardements durchgetanzt, anschließend verließ sie Serbien und arbeitet seither als Performerin und Regisseurin in Holland, dem Land des UN-Kriegsverbrechertribunals. Sudbin Musić hat als bosniakischer Jugendlicher Massaker und Konzentrationslager überlebt und engagiert sich in seiner Heimat nun als Menschenrechtler. Vor Kurzem hat er die Knochen seines Vaters in einem Massengrab identifiziert.

Die Musik für "The Dark Ages" wird von der slowenischen Band Laibach komponiert, die mit ihren Zitaten aus sozialistischem Realismus, "Nazi-Kunst" und Populärkultur seit Jahrzehnten Zusammenhänge von Ideologie und Kunst thematisiert. Für zwei Generationen auf dem Balkan ist Laibach von symbolischer Bedeutung. Auf ihrem Konzert 1989 in Belgrad sagten sie den Untergang Jugoslawiens in Blut und Schande voraus, ihr Konzert in Sarajevo am Tag des Dayton-Abkommens 1995 markiert das Ende des Bosnienkrieges. Auf beiden Konzerten waren Schauspieler des "Dark Ages"-Ensembles zugegen. Im Sinne eines Theatrum-Mundi-Effekts werden die biografischen Geschichten mit Fragen um Mechanismen und Inszenierungsweisen von Macht und Kunst, Schauspiel und Politik zusammengeführt.

Karten für alle Vorstellungen sowie für das Laibach-Konzert am 11. April gibt es an den Kassen der Staatstheater, online unter www.residenztheater.de sowie unter 089 2185 1940.

THE DARK AGES (FOTOGALERIE)

The Dark Ages

The Dark Ages

Ein Projekt von Milo Rau

The Dark Ages