Thementage: Der NSU-Prozess und die offenen Fragen

Fünf Jahre nach der Selbstenttarnung des "Nationalsozialistischen Untergrunds" sind immer noch viele Fragen offen und die Wunden nicht verheilt. Daher widmen sich die Fachstelle für Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit der Landeshauptstadt München, das BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung, die Evangelische Stadtakademie München, die Offene Akademie der Münchner Volkshochschule, Bayern2 und das Residenztheater im Rahmen einer Veranstaltungsreihe diesem Thema.
 

25 Okt / 18.00
Marstall Café

Buchpräsentation "Urteile"

Vor der Vorstellung von „Urteile“ präsentieren die Herausgeber Azar Mortazavi, Tunay Önder und Christine Umpfenbach den im Unrast Verlag erscheinenden, mit Beiträgen zum alltäglichen und strukturellen Rassismus angereicherten, Abdruck des Theatertextes.

Eintritt frei.
 

25 Okt / 19.00
Marstall

"Urteile"
Ein dokumentarisches Theaterprojekt über die Opfer des NSU in München von Christine Umpfenbach und Azar Mortazavi

Am 29. August 2001 wurde Habil K. in seinem Obst- und Gemüseladen in München-Ramersdorf erschossen. Als Tatmotiv galt "organisierte Kriminalität". Am 15. Juni 2005 wurde Theodoros B. in seinem Geschäft in München-Westend erschossen. Die Zeitung schrieb: "Eiskalt hingerichtet – das siebte Opfer. Türken-Mafia schlug wieder zu". Die betroffenen Familien wurden nach den Morden von den Sicherheitsbehörden, Medien, aber auch von ihrem unmittelbaren Umfeld zehn Jahre lang zu Unrecht verdächtigt. Was ist bis zur Entdeckung der Täter im November 2011 in München geschehen?

Die Regisseurin Christine Umpfenbach, bekannt für ihre dokumentarischen Theaterprojekte u. a. "Gleis 11", hat mit Journalisten, Rechtsanwälten und Politikern gesprochen, vor allem aber mit den Verwandten, Freunden und den Arbeitskollegen der Opfer. Sie sucht nach Leerstellen und Strukturen, die das Versagen der Sicherheitsbehörden und Medien möglich gemacht haben. Die Autorin Azar Mortazavi schreibt in poetischen Skizzen über die Ver- und Beurteilung im persönlichen Erleben einer Postmigrantin, über die alltäglichen kleinen "Morde" in Schule, Studium und Arbeit, die nach der Aufdeckung der NSU Verbrechen unerträglich geworden sind.
 

25 Okt / 21.00
Marstall

Alltag und Rassismus: Keine Schuld?

Das Gericht des NSU-Prozesses lehnte einen Beweisantrag von Vertretern der Nebenklage ab, weil eine eventuelle Mitschuld der Sicherheitsbehörden bei der Mord- und Anschlagsserie des NSU für den Prozessverlauf irrelevant sei. Beate Zschäpe behauptet, nichts mit dem Verbrechen des NSU zu tun zu haben. Wer hat Schuld und was kann man wem beweisen? Im Anschluss an die Vorstellung „Urteile“ sprechen Experten und Betroffene über aktuelle Entwicklungen im „NSU“- P rozess.

Zu Gast: Dr. Antonia von der Behrens, Sebastian Scharmer (Vertreter der Nebenklage), Robert Andreasch (NSU-Watch, Aida)

Moderation: Thies Marsen (Bayern 2)

Eine Diskussionsreihe des Residenztheaters in Kooperation mit der städtischen Fachstelle für Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit (FgR) und Bayern2

Eintritt frei.
 

27. Okt / 19.30
Marstall

"Wir sind jung. Wir sind stark."
Eine Produktion mit Jugendlichen der intergroup des Jungen Resi nach dem Film von Burhan Qurbani und dem Drehbuch von Martin Behnke und Burhan Qurbani

August 1992. Ein außer Kontrolle geratener Mob wütet mehrere Tage vor einem „Ausländerwohnheim“ in Rostock-Lichtenhagen. Zuerst fliegen Steine, dann Brandsätze, Balkone werden gestürmt, das Haus in Flammen gesetzt, die Situation eskaliert. Inmitten der tobenden Menge befindet sich eine Gruppe von Jugendlichen, die aus Langeweile und Frust über die steigende Arbeitslosigkeit, wegen ihrer unerfüllten Träume und der sie vernachlässigenden Erwachsenen hierher kommen. Betrunken von der mitreißenden Stimmung vor Ort, dem Beifall der Menge und der plötzlichen Aufmerksamkeit der Presse verlieren sie sich in einer gefährlichen Gruppendynamik und radikalisieren sich.
 

27. Okt / 21.00
Marstall

Alltag und Rassismus: Worte und Taten

Die Inszenierung „Wir sind jung. Wir sind stark.“ fragt nach den gesellschaftlichen und individuellen Parametern, die die extrem gewalttätigen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen ermöglichten: wie aus Worten Taten wurden. Im Anschluss an die Vorstellung werden aktuelle Bezüge und Ereignisse diskutiert.

Zu Gast: Felix Benneckenstein (Aussteigerhilfe Bayern) und Dr. Miriam Heigl (Fachstelle für Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit)

Moderation: Jutta Prediger (Bayern 2)

Eine Diskussionsreihe des Residenztheaters in Kooperation mit der städtischen Fachstelle für Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit (FgR) und Bayern2

Eintritt frei.
 

28. Okt / 19.00
Altes Rathaus München

Ende der Aufarbeitung?

An mehreren hundert Prozesstagen wurde bislang versucht, die Mordserie des sog. Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) aufzuklären. Welche Erkenntnisse und Ergebnisse hat der Prozess gebracht? Was konnte aufgearbeitet werden, und welche Themen sind – beispielsweise im Rahmen von Parlamentarischen Untersuchungsausschüssen – noch zu bearbeiten? 

Diese Fragen gilt es zu diskutieren: mit Blick auf die Familien der Opfer, mit Blick auf die Rolle von Verfassungsschutz und Polizei, mit Blick auf das Strafrecht und die Frage, ob alle Täter gefasst wurden, sowie im Hinblick auf die gesellschaftliche Wirkung und den medialen Diskurs über Verlauf und Beteiligte des Prozesses.

Begrüßung:
ehrenamtlicher Stadtrat Dr. Florian Roth in Vertretung des Oberbürgermeisters

Auf dem Podium:

  • Clemens Binninger, MdB (CDU) und Vorsitzender des 2. NSU-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags, Berlin

  • Mehmet Daimagüler, Rechtsanwalt und Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess, Berlin

  • Dirk Laabs, Journalist und Filmemacher, Hamburg, Co-Autor des Buches „Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU“ 

  • Ayşe Güleç, Referentin für Migration im Kulturzentrum Schlachthof, Mitbegründerin der Initiative 6. April zum Gedenken an Halit Yozgat in Kassel, Bundesweites Aktionsbündnis NSU-Komplex auflösen und Tribunal NSU-Komplex auflösen

Moderation:
Heike Kleffner, Journalistin und Rechtsextremismusexpertin, Berlin

Veranstalter:
Städtische Fachstelle für Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit, BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung, Evangelische Stadtakademie München, Offene Akademie der Münchner Volkshochschule

Eintritt frei, verbindliche Anmeldung erforderlich unter bayernforum@fes.de

Alltag und Rassismus: Worte und Taten

Alltag und Rassismus: Worte und Taten

Alltag und Rassismus: Keine Schuld?

Alltag und Rassismus: Keine Schuld?

Buchpräsentation "Urteile"

Buchpräsentation "Urteile"

Wir sind jung. Wir sind stark. Programmheft (PDF)

Wir sind jung. Wir sind stark. Programmheft (PDF)
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Wir sind jung. Wir sind stark. (Fotogalerie)

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Wir sind jung. Wir sind stark. (JUNGES RESI)

Wir sind jung. Wir sind stark. (JUNGES RESI)

nach dem Film von Burhan Qurbani und dem Drehbuch von Martin Behnke und Burhan Qurbani

Wir sind jung. Wir sind stark.
Urteile

Urteile

von Christine Umpfenbach und Azar Mortazavi

Urteile