Reigen

Inhaltsangabe

In zehn Szenen treffen jeweils eine Frau und ein Mann aufeinander. Es entspinnt sich jeweils ein Gespräch, in dem einer um den andern wirbt, beide einander schmeicheln, zurückweisen und necken – bis der Dialog schließlich in den Koitus mündet. In Schnitzlers Text wird dieser allerdings nur durch Gedankenstriche angedeutet.

Nach dem sexuellen Akt gehen die Paare rasch wieder auseinander und einer der beiden – der Tanzfigur des Reigens nachempfunden – begegnet in der nächsten Szene einem neuen Partner, einer neuen Partnerin.
Das strenge Strukturprinzip ist also wesentliches Merkmal des "Reigen". Innerhalb dieses formalen Gerüsts hat Schnitzler ein Ensemble aus jeweils fünf Männern und Frauen versammelt, die unterschiedlichste soziale Schichten – von Proletariat bis arriviertes Künstlermilieu und Bürgertum – vertreten und in ihrer gesellschaftlichen Stellung oder sozialen Rolle vorgestellt werden.

ReigenReigen

In der ersten Szene gelingt es der PROSTITUIERTEN, abends im Park den SOLDATEN, der auf dem Weg in seine Kaserne ist, als Freier zu gewinnen.

Der SOLDAT ist in der nächsten Szene mit dem HAUSMÄDCHEN zu sehen; die beiden haben sich soeben beim Ausgehen kennengelernt und verlassen gemeinsam das Tanzlokal. 

In der folgenden Szene ist das HAUSMÄDCHEN an ihrem Arbeitsplatz in einem großbürgerlichen Haushalt zugange. Die Hausherren sind nicht da; so kommt es zu einer Begegnung mit dem Sohn der Familie, dem JUNGEN HERRN.

Der JUNGE HERR empfängt anschließend in einer anderen Wohnung die verheiratete JUNGE FRAU, mit der er heimlich ein Verhältnis hat. 

In der folgenden Szene befindet sich die JUNGE FRAU im Schlafzimmer ihres bürgerlichen Heimes; ihr EHEMANN kommt von der Arbeit zurück.

Für ein privates Treffen bezahlt der EHEMANN in der nächsten Szene das „SÜßE MÄDEL“. Dieser Rollenname ist eine feststehende Wiener Bezeichnung für eine junge Frau, die unverbindliche Affären mit Männern aus dem Bürgertum eingeht. Zum einen entsprach diese Figur einer gesellschaftlichen Realität – zum anderen war das „süße Mädel“ ein oft beschworenes Fantasma, das besonders als literarische Gestalt in Schnitzlers Werk bekannt wurde.  

In der folgenden Szene lässt sich das SÜßE MÄDEL nach einem gemeinsamen Ausflug vom DICHTER mit nach Hause nehmen.

Der DICHTER trifft sich anschließend mit der SCHAUSPIELERIN, die beruflich erfolgreich ist und auch in der Inszenierung eines seiner Stücke spielt.  

Ein routiniertes Verhältnis pflegt die SCHAUSPIELERIN mit dem GRAFEN, der sie in der nächsten Szene in ihrer Wohnung besucht.  

Wenn der GRAF zuletzt wiederum auf die PROSTITUIERTE trifft, schließt sich der Kreis zum Beginn des Stücks.

Schnitzlers Text verortet das Geschehen deutlich in den Kontext von Wien des Fin-de-siècle. Die Figuren sprechen Wiener Dialekt sowie typisch wienerische Soziolekte der Jahrhundertwende. Patrick Steinwidders Textfassung löst den "Reigen" aus dieser sehr spezifischen Situierung und folgt der Tragweite von Schnitzlers Gesellschaftsanalyse ins Heute.

 

Gespräch mit Alain Badiou über fehlende Verbindungen, Narzissmen und Wiederholungszwänge in der Sexualität

"Jacques Lacan erinnert uns daran, dass in der Sexualität in Wirklichkeit jeder großteils mit sich selbst zu tun hat, wenn ich so sagen darf. Es gibt natürlich die Vermittlung des Körpers des anderen, aber letztlich wird das sexuelle Genießen immer das eigene sein. Das Sexuelle verbindet nicht, es trennt."

Gespräch mit Alain Badiou über fehlende Verbindungen, Narzissmen und Wiederholungszwänge in der Sexualität

"Zurück bleibt ein schwarzes Loch"

Notizen aus einem Gespräch mit Patrick Steinwidder

"'Reigen' ist Schnitzlers radikalstes Stück. Nicht nur formal, sondern auch inhaltlich: weil es um die Leere geht, die zwischen Mann und Frau verbleibt, obwohl oder weil sie Sex miteinander haben. Im sexuellen Akt machen wir eine Grenzerfahrung, wir berühren eine traumatische Sphäre, die dem Tod nahe kommt."

"Zurück bleibt ein schwarzes Loch"
Reigen

Reigen

von Arthur Schnitzler

Reigen