Nicht man selbst sein müssen

Zum Ende machen wir noch einmal ernst: Es geht ums Spielen. Eine Tätigkeit, eine Haltung – und eine Grundsatzfrage. Dem Spieler und der Spielerin sind Authentizität und Glaubwürdigkeit, Selbstgewissheit und jene Identität fremd, die mit sich selbst im Reinen, aber arm an Möglichkeiten ist. Sie bestaunen die Zuverlässigkeit, den festen Glauben an eine planbare Zukunft, die Humorlosigkeit, die Geschlossenheit der Weltbilder, die Vergesslichkeit. Manchmal wären sie auch gerne zu all den einfachen Unterscheidungen in der Lage.

Allenthalben ist das Spielen ein wenig in Misskredit geraten (die Einwände sind schon alt). Wie können Spieler und Spielerin sich anmaßen, auf die Bühne zu treten und vor anderen für andere zu sprechen? Wodurch sind sie befugt, wer sagt ihnen, dass sie nicht das ganz Falsche und dieses ganz falsch darstellen? – Ganz ehrlich? Das wissen sie auch nicht.

Manchmal spielen sie nur, stellen nicht dar, sprechen für niemanden und von nichts. Die schlechtesten Momente sind das nicht. Die Begriffe und Kategorien sind ihnen suspekt. Wer sagt denn, ob dieses Gedicht falsch und entwürdigend sei, jenes Bild unmoralisch und kriminell? Dem Spieler und der Spielerin sind die Worte leicht (auch wenn sie schwer wiegen und bisweilen nur durch harte Arbeit zu gewinnen sind) und die Bilder keine Vorbilder und Handlungsanweisungen an dumme Kinder ("Don’t try this at home!"). Sie rechnen mit nichts als mit einem Gegenüber, der und die mit ihrer eigenen Realität ihnen entgegentritt. Mit ihm und ihr genießen sie die Fähigkeit, im Spiel nicht (nur) sie selbst sein zu müssen, eine Differenz zu spüren, also Freiheit. Diese Differenz, dieser Abstand von sich selbst, ist ihnen die Bedingung der Möglichkeit, überhaupt voneinander zu wissen. Wer nur von sich selbst spricht und auch anderen nur zubilligt, von sich selbst zu sprechen, wird nie etwas erfahren.

 

WAS HEIßT SPIELEN?

Ein ludisches Serienformat

Die Spielzeit #resi1819 widmet sich dem Spiel – als emanzipatorischem Akt und ludischem Trieb. An dieser Stelle finden sich daher keine glaubwürdigen, authentischen oder selbstgewissen Texte, die mit sich im Reinen sind. Aber dafür sind sie reich an Möglichkeiten: Sie rechnen mit nichts, außer mit Ihnen als Leser, und genießen gemeinsam die Fähigkeit, nicht ganz bei sich sein zu müssen, eine Differenz zu spüren, also Freiheit. Zum Ende machen wir nochmal ernst: Es geht ums Spielen. Nur was bedeutet das eigentlich? Und für wen?

WAS HEIßT SPIELEN?

"DER WAHNSINN DER FREI-HEIT" Kleist, "Die Verlo-bung in St. Do-mingo"

Premierenreigen eröffnet #resi1819

"Marat/Sade" | "UR" | "Die Verlobung in St. Domingo"

Die achte und letzte Spielzeit unter der Intendanz von Martin Kušej eröffnet mit einem Premierenreigen: Am 27. September feiert Tina Laniks Inszenierung von Peter Weiss‘ "Marat/Sade" im Residenztheater Premiere. Der kuwaitische Autor und Regisseur Sulayman Al Bassam bringt am 28. September sein Projekt "UR" im Marstall zur Uraufführung. "Die Verlobung in St. Domingo" von Heinrich von Kleist feiert in der Inszenierung von Robert Borgmann am 29. September im Cuvilliéstheater Premiere.

Premierenreigen eröffnet #resi1819

"Die Bedeu-tung, nach der wir suchen, ist den Worten fremd." Al Bassam, "UR"

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Am 17. Mai stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende – seine letzte – Spielzeit am Residenztheater vor. Die Spielzeit 2018/19 wird keinesfalls eine Abschiedsspielzeit, sie ist bestimmt von großen anspruchsvollen Produktionen sowie reich an neuen, vielfältigen Spiel- und Erzählformen, mit denen Martin Kušej zusammen mit seinem Ensemble seit 2011 das Residenztheater prägt.

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater
Der Spieler

Der Spieler

von Fjodor M. Dostojewskij

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Die Möwe

Die Möwe

von Anton Tschechow

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Der Mieter

Der Mieter

von Roland Topor

DER MIETER
Victory Condition

Victory Condition

von Chris Thorpe

VICTORY CONDITION
Endspiel

Endspiel

von Samuel Beckett

ENDSPIEL
Der nackte Wahnsinn

Der nackte Wahnsinn

von Michael Frayn

DER NACKTE WAHNSINN
Stille Nachbarn

Stille Nachbarn

von Azar Mortazavi

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Die Verlobung in St. Domingo

Die Verlobung in St. Domingo

von Heinrich von Kleist

Die Verlobung in St. Domingo
Begehren

Begehren

von Josep Maria Benet i Jornet

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UR

UR

von Sulayman Al Bassam

UR
Marat/Sade

Marat/Sade

von Peter Weiss

Marat/Sade
Elektra

Elektra

von Hugo von Hofmannsthal

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Bakchai (AT)

Bakchai (AT)

von Wim Vandekeybus u. a. nach Euripides

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Eine göttliche Komödie Dante/Pasolini

Eine göttliche Komödie Dante/Pasolini

von Federico Bellini

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Wolken.Heim.

Wolken.Heim.

von Elfriede Jelinek

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Der Sandmann

Der Sandmann

von E.T.A. Hoffmann

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Sinn

Sinn

von Anja Hilling

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Spielzeit 2018/2019

Hier finden Sie eine Übersicht über die Premieren und geplanten Projekte der Spielzeit 2018/19 am Residenztheater! Weitere Infos zu den einzelnen Inszenierungen finden Sie auch in unserem neuen Spielzeitheft, das ab sofort in unseren Spielstätten für Sie bereit liegt und das Sie hier herunterladen (PDF) oder hier direkt online durchblättern können.

Spielzeit 2018/2019