Martin Kušej über die Arbeit mit Schillers "Don Karlos"

Am 17. Mai feiert Martin Kušej mit Friedrich Schillers "Don Karlos" im Resi Premiere. Im Interview mit der österreichischen Kleinen Zeitung sprach er über seinen Zugang und die Herausforderung des Ideendramas.

"Als Theatermacher hat mich der feine und stringente Plot gereizt. Ein unglaubliches Drehbuch, das sehr kompliziert ist und eine Herausforderung für jedes Theater darstellt. Dazu die komplexen Figuren und die strenge klassische Sprache – etwas, was völlig verfällt und gepflegt werden sollte. Dann fand ich die schiere Größe des Unternehmens spannend: mehr als 60 verschiedene Szenen, fünf Akte, 14 Rollen und ein gigantischer historischer Abriss. (...) Schiller hat zwar geahnt, dass die idealistische Idee von der Freiheit nicht so einfach zu haben sein wird. Wir allerdings wissen vollends, dass wir es schon mehrfach vergeigt haben. Es gab keinen Moment in der Geschichte der Menschheit, der uns so nahe an die Freiheit herangebracht hat, wie in etwa vor 20 Jahren. Heute sind wir unfreier und unsicherer als in unseren schlimmsten Träumen! Die Überwachung ist allumfassend, die Menschenrechte massiv eingeschränkt und die gesamte gesellschaftliche Entwicklung ist reaktionär, kleinkariert nationalistisch und dystopisch. (...) Mit all unserer heutigen Energie und unseren modernen Fragen und Ängsten. Ich hatte mehrere Träume darüber, wie man diese Geschichte erzählen könnte und wie sie mich beschäftigt hat. Mit meinen Schauspielern versuchen wir, diesen sehr dunklen Träumen Bilder und den Menschen darin Seelen zu geben."

Lichtlupe

Bühnenbildnerin Annette Murschetz im Interview über den von ihr für Martin Kušejs Inszenierung "Don Karlos" entwickelten Lüster. MEHR ...
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Don Karlos

Don Karlos

von Friedrich Schiller

Don Karlos