Martin Kušej über "Das weite Land"

Das weite LandDas weite Land

"Ich empfinde 'Das weite Land' deutlich als 'mein' Stück, als eine Thematik, die mich tief betrifft und von der ich erst langsam verstehen musste, dass ihr Sinn und ihre Abgründigkeit auch in mir selber angelegt ist. Man kann dieses Stück nur aus einer Lebens-Erfahrung heraus profund begreifen; es spielt in unseren Leben, in unserer Zeit. Rund um uns: Flucht aus ehelichen Gemeinschaften/ hastig, im Verborgenen ausagierte erotische Abenteuer/ Auflösungserscheinungen in Familien- und Beziehungsstrukturen – all das beschreibt Schnitzler gnadenlos genau. Der Zustand einer Gesellschaft, deren Charakteristika Brüchigkeit, Unruhe, Statik, Konservativismus, Kälte und Undurchsichtigkeit in den Beziehungen der Menschen sind, wird sichtbar am Zustand einer Ehe.

Die Unruhe dieser jenseits aller materiellen Sorgen lebenden 'Freizeit-Gesellschaft' äußert sich in Rastlosigkeit und Fluchtwünschen; alle suchen nach Unterhaltung, nach Vergnügen, nach dem Kick – im Spiel, im Theater, in den Bergen... Wenngleich immer in Gesellschaft, empfindet man sich als völlig unabhängig und isoliert. Diese Gesellschaft erweist sich als konservativ in ihren politischen Zielen, im Festhalten an der lächerlichen 'Eitelkeits- und Ehrenkomödie' des Duells – das zum Sinnbild des Durcheinanders von abenteuerlichen, aggressiven und konventionellen Impulsen wird."

Martin Kušej

Das weite Land

Das weite Land

von Arthur Schnitzler

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DAS WEITE LAND (FOTOGALERIE)