"Has the world changed, or have I changed?"

Eines Morgens, aus unruhigen Träumen erwachend, im Ohr die alte Liedzeile: "Has the world changed, or have I changed?" Es ist der Petersburger Blutsonntag 1905, Berlin im Novemberregen 1923, ein Junitag im Jahr 1483 in London oder New York in den späten 1980ern. Und auch die schönen Tage von Aranjuez sind bereits vorbei. Es sind Zeiten großer historischer Umwälzungen, Weltreiche stehen vor dem Zerfall, Diktatoren wittern ihre Chance oder zittern vor dem Untergang, an der Börse wird auf Verlust gewettet und der Bürger nimmt den Mantel um: "Mag sein, Gott fügt es gut. Dann ist es mehr, / als wir verdienen, oder ich erhoff." Der Wandel, der Umsturz, die Machtergreifung, die Gefahren und die neuen Möglichkeiten kommen nur scheinbar von außen, weil auch das Innen des behaglichen Lebens mit den alten Gewissheiten nur scheinhaft ist.

In den Gesprächen, die wir für dieses Heft mit Zuschauern vor und nach den Vorstellungen in unseren Foyers geführt haben, hat ein junges Paar auf die Frage danach, in welcher Gesellschaft sie leben möchten, geantwortet: "Vor 15 Jahren." 2002 also. Das scheint so zufällig gewählt, dass man es vielleicht am besten übersetzen könnte mit "Davor". Aber vor was? War nicht auch 2002 schon "Danach"? Das Innen des Theaters, in dem sich allabendlich Schauspieler und Publikum begegnen wie in diesem Heft vor der Kamera von Peter Kaaden, ist, neben vielem anderen, auch ein Resonanzraum, ein Ort der kritischen Selbstvergewisserung inmitten der "troublous world" unserer Tage, in der die Qualitäten des Theaters als Notwendigkeiten politischen Handelns erscheinen: mobilisieren, versammeln, aussprechen, zuhören, widersprechen. Denken ohne Geländer.

 

Spielzeiteröffnung 2017/18

Politisches Schauspielertheater mit "Kinder der Sonne" + "Das Schlangenei"

Mit der Premiere von Maxim Gorkis "Kinder der Sonne" eröffnet das Residenztheater am 23. September die Spielzeit 2017/18. Es ist die siebte Spielzeit unter Intendant Martin Kušej, in der mit der Frage "Wer ist wir?" eine neue Perspektive auf das eigene Schaffen und das Publikum eingenommen wird. David Bösch inszeniert das vom russischen Dramatiker Gorki am Choleraaufstand 1892 angelehnte Drama "Kinder der Sonne" über den eitlen Chemiker Protassow. Am 30. September zeigen wir die zweite Premiere der neuen Spielzeit: "Das Schlangenei" von Ingmar Bergman im Cuvilliéstheater inszeniert von Anne Lenk.

Spielzeiteröffnung 2017/18

NEUE DRAMATIK FÜR NEUE DYNAMIKEN: Die Spielzeit 2017/18 am Resi

Intendant Martin Kušej stellte am 26. April im Rahmen einer Pressekonferenz das Programm für die kommende Spielzeit 2017/18 vor. Der Spielplan folgt der politischen und gesellschaftskritischen Ausrichtung des Residenztheaters, dabei stehen viele Deutschsprachige Erst- und Uraufführungen auf dem Spielplan.

NEUE DRAMATIK FÜR NEUE DYNAMIKEN: Die Spielzeit 2017/18 am Resi

Spielzeit 2017/2018

Hier finden Sie eine Übersicht über die Premieren und geplanten Projekte der Spielzeit 2017/18 am Residenztheater! Weitere Infos zu den einzelnen Inszenierungen finden Sie auch in unserem neuen Spielzeitheft, das ab sofort in unseren Spielstätten für Sie bereit liegt und das Sie hier herunterladen (PDF) oder hier direkt online durchblättern können.

Spielzeit 2017/2018
Für immer schön

Für immer schön

von Noah Haidle

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Philipp Lahm

Philipp Lahm

von Michel Decar

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Richard III

Richard III

von William Shakespeare

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Der Streit

Der Streit

von Pierre Carlet de Marivaux

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Heilig Abend

Heilig Abend

von Daniel Kehlmann

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Jeanne d´Arc

Jeanne d´Arc

Ein Projekt von Milo Rau

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Don Juan

Don Juan

von Molière

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Don Karlos

Don Karlos

von Friedrich Schiller

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Alice im Wunderland

Alice im Wunderland

von Lewis Carroll für alle ab 6 Jahren

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Playing :: Karlstadt

Playing :: Karlstadt

von Berhard Mikeska + Alexandra Althoff + Lothar Kittstein (Raum + Zeit)

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Gloria

Gloria

von Branden Jacobs-Jenkins

Gloria
Junk

Junk

von Ayad Akhtar

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Homevideo

Homevideo

nach dem Drehbuch von Jan Braren

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Erzählungen aus dem Gulag (AT)

Erzählungen aus dem Gulag (AT)

von Walram Schalamow

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Erschlagt die Armen!

Erschlagt die Armen!

von Shumona Sinha

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Ein Volksfeind

Ein Volksfeind

von Henrik Ibsen

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Der Balkon

Der Balkon

Jean Genet

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Das Schlangenei

Das Schlangenei

von Ingmar Bergman

Das Schlangenei
Kinder der Sonne

Kinder der Sonne

von Maxim Gorki

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