Gegen rechtsradikale Angriffe + für den Schutz der Kunstfreiheit

Solidaritätserklärung mit Oliver Frljić und dem Mladinsko Theater Ljubljana

Das Residenztheater erklärt sich solidarisch mit dem Mladinsko Theater, Ljubljana, Slowenien, und Regisseur Oliver Frljić im Protest gegen die rechtsradikalen kunstfeindlichen Angriffe auf das Gastspiel von "Our Violence and Your Violence", Oliver Frljićs Inszenierung von Peter Weiss' "Ästhetik des Widerstands", am 26. Mai 2018 beim Theaterfestival Divaldení Svět Brno in Brno, Tschechische Republik.

Das gewaltvolle Einschreiten der Rechtsradikalen einerseits und das reaktionslose Zusehen der Polizei andererseits stellen einen Angriff auf die Kunstfreiheit dar, die in einer Demokratie nicht in Frage gestellt werden darf. Besonders besorgniserregend ist das vergebliche Schutzansuchen der Festivalleitung gegenüber der Polizei. Es zeugt davon, dass von Seiten des Staates ein Klima der Angst gefördert und die Grundrechte der Demokratie nicht gewahrt wurden. Angriffe auf Kunstschaffende und Kunst sind unabhängig vom Nationalstaat in dem sie geschehen zu verurteilen.

Auszug aus einem Protestbrief Mladinsko Theaters, Ljubljana an die Botschaft der Tschechischen Republik in Ljubljana, der den nicht hinnehmbaren Vorfall erläutert:

"Ihre Exzellenz, der Botschafterin der Tschechischen Republik in Slowenien, Frau Věra Zemanová

Wir, die Theaterleitung des Mladinsko Theaters, Ljubljana, Slowenien, protestieren vehement gegen die Ereignisse, die sich während der Vorstellung unserer Produktion ‚Our Violence and Your Violence‘ am 26. Mai 2018 beim Theaterfestival Divaldení Svět Brno in Brno, Tschechische Republik, abspielten.

Die Vorstellung wurde von einer gewalttätigen rechtsradikalen Gruppierung, der sogenannten Slušní Lidé, brutal unterbrochen als diese während der Aufführung anfing zu grölen und Papier nach den Schauspielern zu werfen, im weiteren Verlauf betraten sie die Bühne und formatierten sich, um die Darsteller zurückzudrängen und sie zu bespucken.

Obwohl sich Polizisten in unmittelbarer Nähe des Theaters befanden, griffen sie nicht ein – mit der Begründung, dass die Gruppierung nur ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausübte. Bedeutet dies, dass man jedes Mal, wenn ein Stück nicht gefällt, die Bühne betreten und protestieren darf? Die Theaterleitung und die Festivalorganisatoren beharrten weiterhin darauf, dass die Polizei reagieren müsse, doch die Verantwortlichen erwiderten, dass sie nicht eingreifen könnten, da noch keine Gewalt ausgeübt wurde. Dies bedeutet also, dass die Polizei in Brno, die Exekutive der Tschechischen Regierung, nicht einschreiten wollte, um Gewalt zu verhindern und die freie Meinungsäußerung sowie die Kunstfreiheit zu schützen. Vielmehr wollte sie abwarten bis Gewalt verübt wurde.

Uns gelang es, die gesamte Produktion aufzuführen und verteidigten so – gemeinsam mit dem Tschechischen Publikum – unser Grundrecht auf Freiheit und Demokratie. Die Behörden in Brno und die lokale Polizei versagten darin, eine internationale Theatergruppe aus einer der bekanntesten Kulturinstitutionen in Slowenien sowie fundamentale Menschenrechte zu schützen und setzten somit unsere Kompagnie dem Risiko aus, Opfer von Gewalt zu werden.

Die Tschechische Republik ist ein säkulares und demokratisches Land, deshalb sind die Ereignisse in Brno nicht hinnehmbar."