Eurydice :: Noir Désir

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Es ist Nacht in Vilnius, als am 27. Juli 2003 eine Liebe ihr jähes Ende findet. Der französische Rockstar Bertrand Cantat verletzt seine Geliebte, die Schauspielerin Marie Trintignant, in einem Streit tödlich. Sie entstammte einer bekannten Pariser Kino-Dynastie und
 war selbst ein Star der Traumfabrik. Ihre Paraderollen: Frauen, die am Rande des Abgrunds taumeln. International berühmt wurde sie durch "Betty" von Claude Chabrol. Die melancholische und unergründliche Schauspielerin war schon zu Lebzeiten ein Mythos. Und ihr Geliebter, Bertrand Cantat, erst recht. Er, ein Kind der Provinz, war Frontmann der legendären Band Noir Désir und inszenierte sich als Rebell, der das Extrem sucht. Die Gewalttat wird von den Franzosen wie ein Blitzschlag wahrgenommen, der gleich zwei Leben zerstört hat. Jacques Chirac spricht von der „Ungerechtigkeit eines brutalen Schicksalsschlags“. Dabei war es nicht das Schicksal, das in den Morgenstunden im Hotel Domina Plaza in Vilnius zugeschlagen hatte, sondern Bertrand Cantat. Getrauert wird nicht so sehr um die "dunkle Prinzessin", wie der Figaro Marie Trintignant in seinem Nachruf nennt – ganz Frankreich trauert um sein schillerndes Liebespaar: Zwei Sonnenkinder, verwöhnt vom Erfolg, die in der absoluten Liebe die Zeit zum Stillstand bringen wollen und sich mit ihrer dunklen Begierde gegenseitig auslöschen.

Im Mythos bezwingt die Sehnsucht den Tod, das Begehren aber tötet. Wenn zwei Menschen sich lieben, scheint alles möglich zu sein. Regisseur Bernhard Mikeska entwickelt seine Version des Mythos von Orphée und Eurydice vor der Folie der Ereignisse in Vilnius 2003. Dabei entwirft er kein Szenario der Umstände vom Tod Marie Trintignants, sondern eines, das den Seelenzustand seiner Protagonisten erfahrbar macht. Der Zuschauer betritt ein Labyrinth aus fiktiven und widersprüchlichen Erinnerungen, die in intimen Situationen eingefangen sind. "Eurydice :: Noir Désir" ist eine Reise nach innen. Immer wieder beginnt die Inszenierung für jeden einzelnen Zuschauer von neuem. Das Guckkastenprinzip ist aufgehoben. Der Zuschauer ist mittendrin, und keiner weiß, ob er wirklich nur Beobachter oder schon Teil des Geschehens ist.

WER WAR EURYDIKE?

Von Karl Kerényi

Sie gehört zu keiner Familie der Heroenzeit und ist von keinen himmlischen Ahnen herniedergestiegen, von denen die Erzähler wussten. Sie gehört nur zu Orpheus. Wenn wir der Bedeutung der Namen nachgehen, die ihr gegeben wurden, gelangen wir immerhin zu einer Königin der Toten. Eurydike bedeutet die "Richtende" mit einer die weite Erdoberfläche umfassenden Macht.

WER WAR EURYDIKE?
Eurydice :: Noir Désir

Eurydice :: Noir Désir

Ein Projekt von Bernhard Mikeska, Lothar Kittstein und Alexandra Althoff

Eurydice :: Noir Désir