DON KARLOS INHALTSANGABE

Spanien im 16. Jahrhundert. Die schönen Tage von Aranjuez hat es nie gegeben. Die Inquisition wütet seit bald hundert Jahren. Eine Weltmacht beherrscht von brutalem Katholizismus. Zwar regiert Philipp II. mit harter Hand dieses Reich, in dem die Sonne niemals untergeht, doch seinen Sohn, Don Karlos, hat er nicht im Griff. Ihm enthält er jegliche Liebe vor, heiratet zusätzlich die seinem Sohn versprochene Elisabeth und macht sie – um des Friedens willen – zur Stiefmutter seines Sohnes. Dem steht "der Kummer seit 8 Monden schon im Auge" – der Heißsporn beschließt, nach einer heimlichen Begegnung mit Elisabeth, das Land zu verlassen. Er bittet den Vater, ihn als Statthalter nach Flandern zu schicken, um dort einen der vielen Glaubenskriege zu befrieden. Dabei besinnt er sich auf seinen zurückgekehrten Freund, den Marquis von Posa, der in ihn dringt, dort zu herrschen und für die Freiheit zu kämpfen. Im Verlauf sublimiert Karl seine zurückgewiesene Liebe in einen politischen Kampf für eine Region, von der er weiß, dass sie auch Elisabeth am Herzen liegt. Abermals verwehrt ihm Philipp II. die Macht und beauftragt den harten Alba und nicht den weichen Sohn. In einem Moment größter Verzweiflung erhält Karl einen Brief, den er fälschlich Elisabeth zuschreibt, und es entspinnt sich eine Serie von Intrigen, die Friedrich Schiller in "Don Karlos" bis zum Ende des fünften Aktes alle auserzählt. Dazu gehören – neben den Liebesverwirrungen um die Eboli – die Pläne und Strategien der Karrieristen der Macht, Alba und Domingo, die die Ablösung des Königs steuern wollen und auf dessen Sohn nicht zählen können. Eine destruktive Mischung, in der ausgerechnet Posa eine zentrale Rolle spielt. Dessen Glaube an Freundschaft, seine freigeistige Aufrichtigkeit mit dem, was er für Wahrheit hält, bringt anfänglich noch Bewegung in die verkrusteten Machtverhältnisse, erweist sich jedoch bald als verräterisch. Jedem Vernunftideal wohnt ein Gewaltmoment inne. Und das Friedrich Schiller diese Dialektik der Aufklärung, die Brandfackel "Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit", bereits 1787 so präzise in einem Drama verkapselt, ist wohl nichts weniger als prophetisch zu nennen. Er nimmt die historische Vergangenheit als dramatisches Modell, als "Magazin für seine Phantasie" und so stehen die Niederlande für eine utopische Rebellion, die in Wirklichkeit vor allem ökonomische und dynastische Beweggründe hatte. Den multiplen Vater-Sohn-Konflikt – Philipp-Karl, Philipp-Posa, Großinquisitor-Philipp usw. – mit weltgeschichtlicher Auswirkung schrieb Schiller von 1783 bis 1787 mit Unterbrechungen. Uraufgeführt in Hamburg am 29. August 1787, zwei Jahre vor der großen Revolution, wechselte er dabei mehrfach die ästhetische Gestalt des Stückes, das den Weg vom bürgerlichen Trauerspiel zum Ideendrama in sich birgt. Es ist auch Nachricht aus einer Zeit, die noch nicht so einen schmalen Begriff von Politik hatte, dass sie ihr die Liebe nicht zurechnete. Gerade in der Figur des Posa zeigt sich diese Entwicklung und mit ihr rechnet Schiller mit der Aufklärung ab und zeigt, wie brüchig der Idealismus immer gewesen ist, wie gefährlich gerade hehre Ziele sind. Die folgenden Jahre werden seine Haltung nur bestärken.

Don Karlos

Don Karlos

von Friedrich Schiller

Don Karlos