Der Arbeiter

Die Kunst als Gestaltung der Arbeitswelt

von Ernst Jünger

Es gibt keinen Raum, kein Leben, das sich diesem Vorgange entziehen kann, der seit langem den Stempel einer barbarischen Völkerwanderung trägt mit den mannigfaltigen Formen von Kolonisation, Besiedlung von Erdteilen, Erschließung von Wüsten und Urwäldern, Ausrottung von Urbevölkerungen, Vernichtung der Lebensgesetze und Kulte, geheimer und offener Zerstörung von sozialen und nationalen Schichten, revolutionärer und kriegerischer Aktion. Schrecklich sind in diesem Raume die Opfer, und groß ist die Verantwortung. Aber gleichviel, wer triumphieren, wer untergehen möge: Untergang und Triumph künden die Herrschaft des Arbeiters an. Die Konflikte sind vieldeutig, während die Fragestellung eindeutig ist. Die chaotische Gewalt des Aufruhrs enthält bereits den strengen Maßstab einer künftigen Legitimität.

Das Antlitz der Welt trägt die Spuren der Revolution, es ist von Bränden und vom Streit der Interessen verheert. Seit langem kennt man die Einheit einer Herrschaft nicht mehr, die dem Höchsten verpflichtet ist – nicht mehr das Schwert der Macht und Gerechtigkeit, das allein den Frieden der Dörfer, den Glanz der Paläste, die Einigkeit der Völker verbürgt. Und doch ist diese Sehnsucht überall irgendwie lebendig, in den Träumen der Kosmopoliten wie in der Lehre vom Übermenschen, im Glauben an die Zauberkraft der Ökonomie wie im Tode, dem sich der Soldat auf dem Schlachtfelde entgegenwirft. Erst aus einer solchen Einheit sind Gestaltungen und Sinnbilder möglich, in denen das Opfer sich erfüllt und legitimiert, Gleichnisse des Ewigen im harmonischen Gesetz der Räume und in Monumenten, die den Angriffen der Zeit gewachsen sind.

 

Ernst Jünger: Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt, Hamburg 1932.

Kasimir und Karoline

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von Ödön von Horváth

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