"Baal" zum Berliner Theatertreffen 2015 eingeladen

Wie die Berliner Festspiele mitteilen, ist das Residenztheater mit Frank Castorfs Inszenierung von "Baal" zum Berliner Theatertreffen 2015 eingeladen. Die Produktion gehört damit zu den "zehn bemerkenswertesten Inszenierungen" des vergangenen Jahres, eine der höchsten Auszeichnungen in der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Die Mitglieder der diesjährigen Theatertreffen-Jury Till Briegleb, Barbara Burckhardt, Wolfgang Huber-Lang, Peter Laudenbach, Bernd Noack, Stephan Reuter und Andreas Wilink sichteten und diskutierten in den vergangenen 12 Monaten insgesamt 379 Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

In der Jurybegründung zur Auswahl von Frank Castorfs Inszenierung heißt es: "Brechts Jugendfantasie eines rücksichtslosen Libertins, der die Normen und die Nornen ignoriert, wird im deutschen Theater erstaunlich oft in einen schwitzenden Egoisten übersetzt, der es einfach geil haben will. Dieser scheinbar individuelle Exzess wird aber überall dort strukturell gemeinschaftsbildend, wo Gewalt Regel und nicht Ausnahme ist. Deswegen ist die Verlegung der Baal-Geschichte in die Indochina-Kriege, die Frank Castorf im dritten Teil seiner Kriegstrilogie über Gewaltpoeten (nach Céline und Malaparte) unternimmt, ein brutal logischer Link. In Bordellen, Opiumhöhlen, beim Surfen zu Napalm-Orgien und Töten mit den Stones im Ohr entgrenzen sich die zivilisatorischen Errungenschaften mit aller baalschen Wüstlingskraft. In Aleksandar Denić’ gestapelter Vietnam-Welt mit Kampfhubschrauber, Pagoden, Waterboarding-Keller mit Propaganda-Pop und sehr viel Nebel stresst Castorf sein Ensemble mit viereinhalb Stunden exzessiver Reflexion über die menschgemachte Apokalypse und die Aktualität von geistigem Kolonialismus – eine Libertinage der Mittel und Inhalte."

BaalBaal

Das Theatertreffen wird am Freitag, den 1. Mai 2015 im Haus der Berliner Festspiele eröffnet und wird bis 17. Mai von Aufführungen und Veranstaltungen des Stückemarkts, des Internationalen Forums, Gesprächen und Diskussionen im Camp, Konzerten sowie Preisverleihungen komplettiert.

Der Spielplan des Theatertreffens wird am Donnerstag, den 2. April 2015 veröffentlicht, der Vorverkauf startet am Samstag, 11. April um 10.00 Uhr.

Hier finden Sie die komplette Auswahl des Theatertreffen 2015 und weitere Informationen zum Festival.

Keine neue "Baal"-Version

Statement von Martin Kušej zum Fall "Baal"

"Das kunstfeindliche Einschreiten der Rechteinhaber gegen Frank Castorfs Inszenierung hat uns gezwungen, in den letzten Wochen gemeinsam mit dem Regisseur intensiv über diverse Möglichkeiten nachzudenken, diese Inszenierung grundlegend zu verändern und damit zu verhindern, dass dieser grandiose Abend nicht mehr gezeigt werden kann. Dabei hat sich für uns bestätigt, was wir immer wussten: Dieser Abend ist formal und inhaltlich eine radikale Interpretation von Brechts Stück. Ohne fundamentale künstlerische Einbußen ist weder die vom Verlag geforderte ‚Werkeinheit‘ wiederherzustellen, noch eine Interpretation des Stücks unter Ausschluss desselben sinnvoll denkbar."

Keine neue "Baal"-Version

"Faust" und "Peer Gynt" unter den "zehn wichtigsten Inszenierungen" bei Nachtkritik-Voting

Bei einer Abstimmung des Theaterportals nachtkritik.de wurden sowohl Martin Kušejs "Faust"-Inszenierung als auch David Böschs Version von "Peer Gynt" unter die "zehn wichtigsten Inszenierungen des vergangenen Jahres" gewählt. Aus 45 Inszenierungen des letzten Jahres, die von der nachtkritik.de-Redaktion nominiert wurden, wählten die Leserinnen und Leser ihre zehn Favoriten für dieses "virtuelle Theatertreffen". Das Residenztheater schaffte es als einziges Haus gleich mit zwei Inszenierungen in die Endauswahl! Hier finden Sie die gesamte Auswahl des virtuellen Nachtkritik-Theatertreffens 2015.

"Faust" und "Peer Gynt" unter den "zehn wichtigsten Inszenierungen" bei Nachtkritik-Voting

Baal

Inhaltsangabe

Ein Künstler und Säufer ist dieser Baal, der sich genussvoll mit der bürgerlichen Gesellschaft überwirft und lauthals lachend die Konventionen der Zeit brüskiert, der Frauen verschleißt und Freunde verrät, der sich in Leiber und Wälder wühlt, der alles zwischen Erdkern und Sternen begehrt und wegwirft, was er hat. Sein Rhythmus ist die Opposition, sein Ziel die weltumfassende Gebärde, in der er untergeht.

Baal

"Du musst das Tier herauslocken. In die Sonne mit dem Tier! Bezahlen! Ans Tageslicht mit der Liebe! Nackt in der Sonne unter dem Himmel!"
Bertolt Brecht, "Baal"

Baal

Baal

von Bertolt Brecht

Baal

Resi mit zwei Inszenierungen beim Berliner Theatertreffen 2014

"Eine starke Auszeichnung für unser Ensemble"

Am 3. Februar gab die Jury des Berliner Theatertreffens die Auswahl des diesjährigen Festivals bekannt. Das Residenztheater ist gleich mit zwei Produktionen unter den "zehn bemerkenswertesten Inszenierungen" des Jahres: Dimiter Gotscheffs Inszenierung von Heiner Müllers "Zement" und Frank Castorfs Inszenierung von "Reise ans Ende der Nacht" nach Louis-Ferdinand Céline! Intendant Martin Kušej freut sich über die beiden Einladungen: "Ich freue mich besonders mit den Schauspielern, weil diese Einladung eine starke Auszeichnung für unser Ensemble ist, und mit den technischen Abteilungen, die an beiden Abenden einen riesigen Anteil haben. Und natürlich denke ich in diesem Moment intensiv an Dimiter Gotscheff und bin froh und dankbar, dass wir diese Arbeit noch miteinander machen durften."

Resi mit zwei Inszenierungen beim Berliner Theatertreffen 2014