AUSNAHMEZUSTAND: DIE NEUE SPIELZEIT AM RESIDENZTHEATER

Martin Kušej präsentiert seine Pläne für die Saison 2016/17

Am 11. Mai 2016 stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende Spielzeit 2016/17 vor. Mit dem neuen Spielplan verstärkt Martin Kušej die politische Ausrichtung des Residenztheaters, dessen Qualität der Intendant vor allem in seinem starken Ensemble sieht. Der Zuspruch für das Schauspielertheater offenbart sich im Zuwachs der Abonnenten, deren Zahl diese Spielzeit auf über 10.000 gestiegen ist, und einer Gesamtauslastung von 82,5 % (September 2015 bis Ende April 2016).

IM ZENTRUM DES SPIELPLANS: DIE KATASTROPHENERFAHRUNGEN AUS DER DRAMATIK VERGANGENER JAHRHUNDERTE

"Wir leben in dramatischen Zeiten. Das ist ein Satz, den jeder unterschreiben würde, der heute die Nachrichten verfolgt. Und in dramatischen Zeiten werden Dramen gebraucht, um die falschen Fragestellungen, das Begriffskauderwelsch und die einfachen Lösungen zu irritieren – also um das Hinterfragen und das Unterscheidungsvermögen zu trainieren“, so Martin Kušej. Zu Zeiten einer tatsächlichen oder herbeigeredeten Legitimationskrise, in der das Politische leichterhand infrage gestellt wird und mit inneren und äußeren Bedrohungen spekuliert wird, stehen daher die Katastrophenerfahrungen, die in der Dramatik der vergangenen Jahrhunderte gespeichert sind, im Zentrum des Spielplans des Residenztheaters.

Eröffnet wird die Saison mit Schillers "Die Räuber“ (Regie Ulrich Rasche) und Jean-Paul Sartres "Die schmutzigen Hände“ (Regie Martin Kušej) – zwei Stücke, in denen die Frage nach der Legitimation politischer Gewaltausübung im Zentrum steht. In "Antigone“ (Regie Hans Neuenfels) steht das alte Götterrecht gegen das politische Interesse, den Staat nach dem Ende eines grausamen Bürgerkriegs zu stabilisieren. Der Terror der Taten, die die Täter nicht mehr entlassen, ist auch ein zentrales Thema in Heiner Müllers "Mauser“, das Oliver Frljić zum Anlass für ein Projekt über politische Gewalt nimmt, sowie in Shakespeares "Macbeth“ (Regie Andreas Kriegenburg), dessen Titelfigur sich allein durch einen Hexenspruch zur Machtübernahme legitimiert sieht. In Joël Pommerats "Kreise/Visionen“ (Regie Tina Lanik) widerfährt Ähnliches einem heutigen Manager, der sich bei zwei Pennerinnen, die ihm einen kometenhaften Aufstieg prophezeien, gewissermaßen "hochschläft“. Mit dem Terror der Vergangenheit befassen sich Pier Paolo Pasolinis "Der Schweinestall“ (Regie Ivica Buljan), in dem die alten Nazis die Bonner Republik unter sich aufteilen und "Rückkehr in die Wüste“ von Bernard Marie Koltès (Regie Amélie Niermeyer), in dem alte Algerienkrieger die französische Provinz von muslimischen Zuwanderern 

DIE REGISSEURE: VERTRAUTE UND NEUE GESICHTER

Neben den für das Publikum vertrauten Regisseuren David Bösch, Thomas Dannemann, Oliver Frljić, Robert Gerloff, Amélie Niermeyer, Tina Lanik und Mateja Koležnik arbeiten zahlreiche Regisseure neu am Residenztheater: Ulrich Rasche, der in den letzten Jahren mit enorm energetischen Inszenierungen aufgefallen ist, Ivica Buljan, Schauspieldirektor des kroatischen Nationaltheaters in Zagreb, und Cilli Drexel, Spross der berühmten Münchner Theaterfamilie, stellen sich erstmals in München vor. Alvis Hermanis, in München kein Unbekannter, wird erstmals am Residenztheater arbeiten und sich im Vorfeld seiner Bayreuther Inszenierung in einem Projekt mit Lohengrin und der Wagnerstadt München auseinandersetzen. Und Hans Neuenfels und Andreas Kriegenburg kehren nach langen Jahren wieder mit großen Inszenierungen ans Residenztheater zurück.

DER KERN DES THEATERS: DAS ENSEMBLE

Das Resi-Ensemble entwickelt sich nach fünf Jahren der Intendanz von Martin Kušej weiter und verzeichnet ebenfalls einige neue Gesichter: Charlotte Schwab, die in München bereits in "Eine Familie“ und "Vor dem Ruhestand“ zu erleben ist, wechselt fest ans Residenztheater. Ebenso Thomas Loibl, der aktuell in "Antonius und Cleopatra“ und "Hexenjagd“ zu sehen ist und derzeit Tschechows "Iwanow“ probt. Daneben kehrt auch Lisa Wagner ans Residenztheater zurück. Hinzu kommen außerdem Christian Erdt aus Wiesbaden, Till Firit vom Volkstheater in Wien, der bereits als Helmer in Mateja Koležniks "Nora“-Inszenierung zu sehen ist, und die Nachwuchsschauspieler Mathilde Bundschuh, Pauline Fusban und Max Koch. Vom Berliner Ensemble wechseln Anna Graenzer und Joachim Nimtz nach München, aus Frankfurt Thomas Huber.

Marstallplan 2017

Marstallplan 2017

Tartuffe

Tartuffe

von Molière

TARTUFFE / Residenztheater
Kreise/Visionen

Kreise/Visionen

von Joël Pommerat

KREISE / VISIONEN
Rückkehr in die Wüste

Rückkehr in die Wüste

von Bernard-Marie Koltès

Rückkehr in die Wüste
Phädras Nacht

Phädras Nacht

Ein Projekt von Albert Ostermaier + Martin Kušej

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Insgeheim Lohengrin

Insgeheim Lohengrin

von Richard Wagner, Alvis Hermanis, Götz Leineweber, Wolfram Rupperti, Charlotte Schwab, Ulrike Willenbacher, Paul Wolff-Plottegg und Manfred Zapatka

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Mauser

Mauser

von Heiner Müller

Mauser
In einem Jahr mit 13 Monden

In einem Jahr mit 13 Monden

von Rainer Werner Fassbinder

In einem Jahr mit 13 Monden
Die Troerinnen

Die Troerinnen

von Euripides/Jean-Paul Sartre

Die Troerinnen
Jagdszenen aus Niederbayern

Jagdszenen aus Niederbayern

von Martin Sperr

JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN
Lilja 4-ever (JUNGES RESI)

Lilja 4-ever (JUNGES RESI)

nach Lukas Moodysson

Lilja 4-ever
Eines langen Tages Reise in die Nacht

Eines langen Tages Reise in die Nacht

von Eugene O´Neill

Eines langen Tages Reise in die Nacht
Macbeth

Macbeth

von William Shakespeare

Macbeth
Antigone

Antigone

von Sophokles

Antigone
Der Schweinestall

Der Schweinestall

von Pier Paolo Pasolini

Der Schweinestall
Robin Hood

Robin Hood

Robin Hood
Glaube Liebe Hoffnung

Glaube Liebe Hoffnung

von Ödön von Horváth

Glaube Liebe Hoffnung
Die schmutzigen Hände

Die schmutzigen Hände

von Jean-Paul Sartre

Die schmutzigen Hände
Die Räuber

Die Räuber

von Friedrich Schiller

Die Räuber