Antonius und Cleopatra

INHALTSANGABE

40 bis 30 vor Christus. Es herrscht Krieg innerhalb des römischen Imperiums.Erneut wird um die Macht gerungen. Das Triumvirat, das nach Cäsars Tod die Macht unter sich aufteilte, bekämpft sich nun selbst. Zuerst wird der Schwächste entmachtet: der Triumvir Lepidus. Daraufhin wenden sich die beiden übrigen, Octavian und Marcus Antonius, gegeneinander. Zwei Feldherren und Herrschernaturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Jüngere und der Ältere. Der Radikale und der Korrumpierte. Der, der den Zusammenhalt des Reiches als oberstes Gebot ansieht, und der, der von seiner Liebe nicht lassen will: von Cleopatra, Königin Ägyptens, der auch schon der ermordete Cäsar verfallen war und von der die Römer sagen, sie sei eine verruchte und launische Hure. Wie soll diese Liebe unbeschadet bleiben? Das ganze Stück über ringen Venus und Mars miteinander, reißen Antonius und Cleopatra hin und her zwischen den Pflichten gegenüber ihren Völkern und dem Verlangen nacheinander. Der Feldherr und die Königin misstrauen und lieben sich, verraten und versöhnen sich und unterdes unterliegen sie in den entscheidenden Schlachten. — Octavian lässt das Paar zwar gemeinsam bestatten, aber ihre Kinder töten. Er lässt Cleopatra als Puppe bauen, die er bei seinem Triumphzug durch Rom zur Schau stellt. So kann er sie tot zum ersten Mal vor aller Welt demütigen; das Nachfolgende erledigen die Geschichtsschreiber. Und mit vollem Erfolg, wie die Quellen der Zeit zeigen, auf die sich auch Shakespeare stützt: Plutarch lesend ist das bei ihm noch eine harmlose, vergnügliche Fälschung, weil er sich nur für sein Drama interessiert, aber bei Cassus Dio bleibt nur mehr ein verhurter Trunkenbold übrig. Dass aus diesen Lügengeschichten eine ganze Welt von Cleopatrabildern entstand, vermochte wohl keiner der damaligen Schreiber vorhersehen, waren sie doch zumeist nur bemüht, ihren Auftraggebern zu genügen, sie oder sich selbst ins rechte Licht zu rücken, oder aktuelle politische Entscheidungen zu beeinflussen. Dass einer der erfolgreichsten Pornofilme oder eines der größten Laufhäuser Süddeutschlands den Namen „Kleopatra“ trägt, dass wir unter dem Einfluss dieses Bilds von Weiblichkeit schon bei Hotelzimmern und verzerrten Videobildern nur noch an Gewalt und Sex denken, das ist der späte Triumph des Augustus und seiner verlogenen Predigt der Enthaltsamkeit. Sein wahrer Charakter zeigt sich dabei in der Anekdote, von der Sueton berichtet [siehe Seite 13 oben], bei der Octavian einen Vater und seinen Sohn bis zum Tode gegeneinander ausspielt. Seine Selbstvergöttlichung geschah in derselben Zeit in der Herodes in Jerusalem herrschte, das rückt die Geschicke nur noch näher an unsere heutige Welt, die er mit den strategisch gebildeten Feindbilder gegen Antonius und Kleopatra veränderte, für immer und auf Kosten eines Frauenbildes, das erst 2000 Jahre später vorsichtig korrigiert wird. Augustus‘ großer römischer Frieden dient immer wieder als Vorlage für unseren angeblichen Frieden, für den wir so dankbar sein sollen, dass wir dabei gerne vergessen, dass der Krieg nur nicht unter uns ist, weil wir unsere Grenzen immer aufwendiger verteidigen. Das ist schon Krieg, nur noch nicht hier. 

 

Antonius und Cleopatra

Antonius und Cleopatra

von William Shakespeare

Antonius und Cleopatra