Quartett

Gastspiel des Teatro Stabile, Turin

von Heiner Müller

„Quartett“, 1980 von Heiner Müller geschrieben, basiert auf dem Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ von Pierre Choderlos de Laclos. Der Roman gilt als Meisterwerk der französischen Literatur und wurde erfolgreich von Milos Forman und Stephen Frears verfilmt.

Valter Maltosti interpretiert Heiner Müllers Stück als ein Pas de deux, in dem Sex, Identität und Fiktion in postmoderner Hinsicht ausgehend von einem dramatischen Existenzdrang dargestellt werden.
Ein „Salon vor der französischen Revolution” und ein „Bunker nach dem Dritten Weltkrieg”, so lauten die Vorgaben des Autors für die Inszenierung seines Dramas. In dieser phantastischen Umgebung erfolge die letzte Auseinandersetzung einer Frau und eines Mannes: Merteuil und Valmont. Beide Freidenker, die aus der Romanvorlage des 18. Jahrhunderts stammen.

Sinnlich und ironisch, existentiell und sehr theatralisch, philosophisch und provokant. „Quartett“ ruft zum Kampf zwischen den Geschlechtern auf, diesmal nicht als ein psychologisches Bedürfnis, sondern eher als de Sade'sche Metapher der Macht, als Käfig, in dem die Rollen wechseln können. Wer ist Opfer, wer ist Täter, wer beherrscht, wer unterliegt, wer ist am Ende der Mann, wer ist die Frau? Und was sind eigentlich „Männer“ und „Frauen“? Sind sie lediglich Zitate? Wie kann man die gotteslästerliche und dennoch heilige Grausamkeit der Freidenker, die den Geist vom Fleisch trennen, in einer Welt ohne Jenseits ertragen?

  • Regie Valter Malosti
  • Bühne Nicolas Bovey
  • Kostüme Gianluca Falaschi
  • Licht Francesco Dell’Elba
  • Dramaturgie Agnese Grieco
mit
  • Laura Marinoni Merteuil
  • Valter Malosti Valmont