Marstallplan 1: Jenny Jannowitz

von Michel Decar

Marstallplan "Luxus braucht Sklaverei"

Wie leben wir und auf wessen Kosten? Wer zahlt den Preis von Luxus und Wachstum? Und wo bleibt die persönliche Möglichkeit einer Wahl oder eines Eingriffs? Wo die Chance auf Veränderung? Das Sommerfestival Marstallplan 2015 stellt sich diesen Fragen und lädt junge Regisseure zum Thema ein. Die Marstallplan-Inszenierungen werden in kurzer Zeit produziert. Sie sind Skizzen und eine gewollte Überforderung am Ende der Spielzeit. Das Festival sucht 2015 das Spiel mit der grotesken Geschichte des Handels vom Menschen mit Menschen. Den modernen Sklaven und dem Wachstumsmarkt Mensch schenken wir ein Festival lang Aufmerksamkeit.

Karlo Kollmar stehen alle Möglichkeiten offen und doch hat er keine Wahl. Der erfolgreiche Programmierer lebt den irrwitzigen Alltag eines Sklaven der globalen New Economy mit eigenverantwortlicher Zeitplanung, wechselnden Fernbeziehungen und ohne Festanstellung, die man dementsprechend auch nicht kündigen kann. Ständig scheint Kollmar zu verschlafen. Sein Chef möchte plötzlich viel lieber sein Kumpel sein, seine Mutter nur noch mit Vornamen angeredet werden, sein bester Freund entwickelt sich zum Widersacher und seine Freundin heißt Sybille ... oder Sabine oder Sabynne. Gut, dass Karlo Kollmar auf seinen Chef gehört hat und flexibel genug ist, sich auf alles Neue einzustellen. So kann er auch immer weiter nach Osten versetzt werden – bis er in Hannover landet. Kollmar versucht, nichts falsch zu machen und bleibt doch auf der Strecke. Denn das "Wir" der Firma, ist nicht seins und die Anpassung an ein weichgespültes, scheinbar konfliktfreies Zusammenleben und -arbeiten in Permanenz hat seinen Preis. Da begegnet er Jenny Jannowitz und sein Versuch einer Befreiung beginnt. 

Michel Decar hat eine brisante Tragikomödie geschrieben, die den Irrwitz unseres modernen Alltagslebens mit scharfen Dialogen und grotesken Spielsituationen auf die Spitze treibt. 

Matthias Rippert, Absolvent des Wiener Max-Reinhard-Seminars, 1988 in Heidelberg geboren, studierte Physik an der LMU München und an der University of Nottingham (UK) und Schauspielregie am Max Reinhardt Seminar (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien). Seine Inszenierung MAGGIE T. (Nolte Decar) erhielt beim Theatertreffen der Schauspielschulen 2014 den Förderpreis, den Publikumspreis und den Solopreis für Anne Kulbatzki in der Rolle der Maggie T. Im Januar 2015 hatte seine Dipolminszenierung "Volkshai" am Schauspiel Bonn Premiere.

 

Der reguläre Preis beträgt 9 Euro je Einzelvorstellung. Beim Kauf von Karten für mindestens drei Einzelvorstellungen von Marstallplan 1 und/oder Marstallplan 2 erhalten Sie die Einzelkarte für je 6 Euro. Dieses Package ist nur telefonisch unter 089 2185 1940 und an den Kassen der Bayerischen Staatstheater erhältlich. Schüler und Studenten erhalten gegen Vorlage eines gültigen Ausweises Karten für 6 Euro je Einzelvorstellung.

  • premiere 04 Jul 15
  • Regie Matthias Rippert
  • Bühne und Kostüme Selina Traun
  • Licht Fabian Meenen
  • Dramaturgie Andrea Koschwitz
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