Halali. Ein Mann in seinem Widerspruch
von Albert Ostermaier
Er ist eine Persönlichkeit, die spaltet. Und er hat eine gespaltene Persönlichkeit. In manischen Schüben verwandelt er sich immer wieder in andere Figuren. Zuletzt hielt er sich für Jesus, neuerdings denkt Plisch (Jörg Ratjen), er sei Franz Josef Strauß. In der geschlossenen Abteilung einer Nervenheilanstalt wird er von der Chefärztin Dr. Elektra (Sibylle Canonica) therapiert. Er zieht sich das fremde Leben wie eine zweite Haut an, zitiert Reden und alte Geschichten, spielt seine eigene Version der Alpenatriden und bringt Patienten und Pfleger dazu, mit ihm zu spielen. Er ist wie Strauß eine Ausnahmeerscheinung, nimmt sich alles heraus – aber das Schicksal macht mit ihm keine Ausnahme. Wer ist er wirklich, und wer sind die anderen Figuren in dieser Anstalt, in der es gar nicht immer einfach ist, einen Unterschied zwischen Arzt und Patient auszumachen? Kann das Psychodrama bei der Heilung helfen, oder macht das Theater alles nur noch schlimmer?
Aus blau-weißem Himmel und dem roten Plüsch des Cuvilliéstheaters tauchen Figuren auf und wieder ab. Ein Sohn beispielsweise (Oliver Nägele). Ein Journalist (Wolfram Rupperti). Womöglich ist er Plisch auf der Spur. Vielleicht sind die Patienten Simulanten und Steuerhinterzieher, die sich durch Unzurechnungsfähigkeit der Strafverfolgung entziehen wollen. So ist einer hinter dem anderen her, der Mensch ist des Menschen Hirsch und keiner kann entkommen aus diesem bayerisch-bunten Panoptikum. Aber ein Ausweg bleibt natürlich immer.
Der Schriftsteller Albert Ostermaier (* 1967) war Hausautor am Nationaltheater in Mannheim (1996/1997), am Bayerischen Staatsschauspiel (1999/2000) und am Wiener Burgtheater (2003-2009). Er schreibt Dramen, Libretti und Prosa und besticht insbesondere als Lyriker. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählen der Ernst-Toller-Preis, der Kleist-Preis und der Bertolt-Brecht-Literaturpreis.
- Vorstellungsdauer ca. 2 std.
- Keine Pause
- Regie Stephan Rottkamp
- Bühne Robert Schweer
- Kostüme Esther Geremus
- Musik Cornelius Borgolte
- Licht Markus Schadel
- Dramaturgie Laura Olivi
- Dramaturgiehospitanz Angela Ellinger
- Kapelle Florian Burgmayr + Leo Gmelch + Teresa Gruber + Maria Hafner + Hans Kröll + Simone Lautenschlager
- Jörg Ratjen Plisch, ein Patient / Der eingebildete Strauß
- Michele Cuciuffo Plum, ein Patient
- Oliver Nägele Filius, genannt Max
- Wolfram Rupperti Gabriel, genannt Stiller
- Sibylle Canonica Dr. Elektra, Chefärztin
- René Dumont Dr. Tirow, ehemaliger Klinikchef
- Franz Pätzold Patient Eins
- Alfred Kleinheinz Patient Zwei
bläst ab morgen nochmal für drei Vorstellungen zum "Halali" im Cuvilliéstheater!
HINTER DEN KULISSEN: BÜHNENBILD HALALI (FOTOGALERIE)
Halali Programmheft (PDF)
"Das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten ist das schönste Amt der Welt."
A. Ostermaier, "Halali. Ein Mann in seinem Widerspruch"
"Ich sehe in Strauß eine tragische Figur"
Interview mit Albert Ostermaier
Zur Uraufführung von "Halali" spricht der Donaukurier mit Autor Albert Ostermaier über das Phänomen Franz Josef Strauß, die Jagd und den Möglichkeitsraum Nervenheilanstalt.
HALALI (FOTOGALERIE)
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