FaustIn and out

von Elfriede Jelinek

"Für den Theaterbetrieb möchte ich, als neue Geschäftsidee, vermehrt auch Sekundärdramen anbieten, die dann kläffend neben den Klassikern herlaufen sollen. Es wird aber daran scheitern, daß ich das Originaldrama nicht verstehe und dann was total Falsches dazuschreibe."
(Elfriede Jelinek)

Um ein solches Missverständnis handelt es sich auch bei "FaustIn and out". Denn was, so kann man fragen, soll der klassischste aller deutschen Klassiker mit dem fürchterlichen Fall des Josef Fritzl zu tun haben, der seine Tochter 24 Jahre lang in seinen Keller sperrte und mit ihr mehrere Kinder zeugte? Geht es aber nicht andererseits auch bei Faust um einen erwachsenen Mann, der sich ein junges Mädchen ("über vierzehn Jahr") gefügig macht? Ist die Fortschreibung des Mitgefühls, das Goethe für die verführte Unschuld Margaretes aufbrachte, nicht auch eine Fortschreibung der Gewalt, die im "Urfaust" der Mann über die junge Frau hat? Und vielleicht erschließt sich ja der verborgene Kern der Klassiker wie der Sprache insgesamt (wenn es ihn denn gibt) am ehesten dem Miss-Verständnis, das die Worte nach ihrem Klang erfasst und daher ständig die Bedeutungen durcheinanderwirft. Johan Simons, Intendant der Münchner Kammerspiele und begnadeter Jelinek-Missversteher, inszeniert das Grabkammerspiel mit Birgit Minichmayr und Oliver Nägele.
 

  • Vorstellungsdauer ca. 2 std.
  • Keine Pause
  • Regie Johan Simons
  • Bühne Muriel Gerstner
  • Kostüme Anja Rabes
  • Musik Maarten Schumacher
  • Licht Gerrit Jurda
  • Dramaturgie Sebastian Huber
mit

Letzte Chance: Fünf Inszenierungen zum letzten Mal auf unseren Bühnen

Verpassen Sie nicht die letzten Vorstellungen u. a. von "Lola Montez" und "FaustIn and Out"!

Zum Ende dieser Spielzeit verabschieden wir uns von fünf Inszenierungen aus unserem Repertoire: Am 13. Juli lassen wir im Cuvilliéstheater ein letztes Mal "Lola Montez" wieder aufleben, das Herz von Ludwig I. entflammen und die Gemüter der Münchner Bevölkerung zum Kochen bringen. Ebenfalls zum letzten Mal auf dem Spielplan steht tags darauf, am 14. Juli, im Residenztheater Harold Pinters "Der Hausmeister" in einer Inszenierung von Andrea Breth. Und am 18. Juli sind im Cuvilliéstheater zum letzten Mal Birgit Minichmayr und Oliver Nägele in Elfriede Jelineks "FaustIn and Out" in einer Inszenierung von Johan Simons zu erleben und am 25. Juli zeigen wir "Kabale und Liebe" zum letzten Mal. Außerdem steht im Resi am 28. Juli mit Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" ein wahrer Klassiker in einer gefeierten Inszenierung zum vorerst letzten Mal auf dem Programm.

Letzte Chance: Fünf Inszenierungen zum letzten Mal auf unseren Bühnen

FaustIn and out

Zum Stück

"Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält. Im noch viel kleineren Kellerverlies von Amstetten findet die Aufführung statt, täglich, nächtlich. Es fällt keine Aufführung wegen irgendetwas aus. Auch die Geburten gehören zum Tagesablauf und zur Aufführung dazu. Es kann überhaupt nur Aufführungen geben." Schon in dem Text "Im Verlassenen", einer sehr direkten Reaktion auf den "Fall" Fritzl im Jahr seiner Entdeckung 2008, stellt Elfriede Jelinek eine Verbindung dieses Verbrechens zum Theater her. 

FaustIn and out

FAUSTIN AND OUT (FOTOGALERIE)

"Auf der Erde ist kein Platz für die Men- schen."
Elfriede Jelinek, "FaustIn and out"

Faust am Resi

Der Juni steht ganz im Zeichen von "Faust": Intendant Martin Kušej inszeniert im Residenztheater "der Tragödie erster Teil" von Johann Wolfgang Goethe, Premiere ist am 5. Juni 2014. Die letzte "Faust"-Interpretation am Residenztheater liegt über 30 Jahre zurück. Daneben wird Johan Simons, Intendant der Münchner Kammerspiele, als Gastregisseur im Cuvilliéstheater Elfriede Jelineks "FaustIn and out" auf die Bühne bringen. Auch die Uraufführung von Nis-Momme Stockmanns "Phosphoros" beschäftigt sich mit Themen aus "Faust". Und im Juli werden sich sieben junge Regisseure im Rahmen unseres Sommerfestivals "Marstallplan" mit "Faust II" auseinandersetzen.

Faust am Resi

Spielzeit 2013/2014

Das Jahr der unruhigen Träume hat begonnen! Neben einem Themenkreis um die Jahre 1913/14, in denen vor hundert Jahren der Erste Weltkrieg die Moderne erschütterte, prägt, ausgehend von Johann Wolfgang Goethe, ein "Faust"-Schwerpunkt den Spielplan dieser Spielzeit. Unsere Spielzeithefte liegen an unseren Spielstätten und am Zentralen Kundenschalter am Marstallplatz 5 aus.

Spielzeit 2013/2014