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Der Feind im Inneren: I. Im Strafraum

Anzeige gegen den Staat, der Feinde braucht.

Franziska Augstein und Wolfgang Kaleck diskutieren

Auf ganz verschiedene Weise ist der Feind im Inneren zur Figur der Stunde geworden: Er wohnt in den Vorstädten unserer Hauptstädte und trifft uns an den empfindlichen Orten unseres freiheitlichen Selbstverständnisses, er gründet rechtsradikale Terrororganisationen mitten im Land und wird von unseren eigenen rechtsstaatlichen Strukturen genährt, er wird zu einem von uns und wir zu ihm, wenn unser Staat argwöhnisch unser digitales Ich zu fassen sucht. Manche glauben ihn gar im syrischen Geflüchteten zu erkennen.

Heiner Müllers Diktum "Wer keinen Feind mehr hat, trifft ihn im Spiegel" stand während des letzten Sommers auf der Residenztheater-Fassade: So wie Ödipus einen Mörder sucht und sich selbst überführt, sind wir, die Bürger, anscheinend selbst der blinde Fleck, den es in der Transparenzgesellschaft zu entlarven gilt. Zwischen NSA- und NSU-Skandal sehen wir der schrittweisen Aushebelung unserer bürgerlichen Grundrechte zu. Angesichts der „besorgten Bürger“ unseres Landes, die in der "Das wird man doch noch sagen dürfen"-Gebärde zum Brandbeschleuniger der Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte werden, angesichts des (wenn auch reformierten) Patriot Acts und des in Frankreich kürzlich verhängten Ausnahmezustands, angesichts der Flüchtlingsbewegungen und der europäischen Bankrotterklärungen des Jahres 2015 steht fest: Wir müssen reden. Mit Experten. Im Theater, inmitten von Künstlern und Rezipienten, Bürgern und Bürgern, zwischen Fakt und Fiktion. Agora 2016.

Ab März laden wir einmal im Monat gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung zu einem Gespräch in die "Schöne Aussicht" ein, das vor einer inhaltlich angebundenen Vorstellung den Blick auf politische, juristische, gesellschaftstheoretische Fragen rund um den Feind im Inneren lenkt.

Am 19. März zu Gast: Wolfgang Kaleck, Rechtsanwalt, u. a. juristischer Vertreter von Edward Snowden sowie Gründer und Generalsekretär des European Center for Constitutional and Human Rights
Moderation: Franziska Augstein, promovierte Philosophin, Autorin und Journalistin, seit 2001 bei der SZ, u. a. Betreuung der Rubrik „Das politische Buch“

Eintritt frei

In Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung. 

Im Anschluss „Hexenjagd“ im Residenztheater sowie „Philoktet“ im Cuvilliéstheater, Beginn jeweils 19.30.