Das weite Land

von Arthur Schnitzler

Ein junger begabter Pianist hat in einem Wiener Hotelzimmer Selbstmord begangen. Über seine Motive kann nur spekuliert werden, da er keinen Abschiedsbrief hinterlassen haben soll. Seinen letzten Abend habe er in Gesellschaft des Industriellen Friedrich Hofreiter beim Billard verbracht. Ist sein Ende das Ergebnis eines Duells am Billardtisch, bei dem der Verlierer sich aus dem Leben schaffen muss (aber der Pianist soll die Partie doch gewonnen haben)? Außerdem ist die Frau des Industriellen, Genia, sehr wohl im Besitz eines Abschiedsbriefes, aus dem überdies hervorgeht, dass sie sich einer Affäre mit dem Pianisten verweigert hatte. Und zwar nicht, weil sie sich nicht zu ihm hingezogen gefühlt hätte. Und erst recht nicht, weil sie ihre Ehe nicht hätte gefährden wollen. Denn dass Hofreiter zu erotischen Ausflügen neigt, die Beziehung zur Frau seines Bankiers Natter hat diese gerade erst beendet, ist nicht nur Genia bewusst. Hofreiter fühlt sich von der Standhaftigkeit und Untadeligkeit seiner Frau regelrecht bedroht. Er "flieht" in die Tiroler Berge - und in die nächste Affäre. Während seiner Abwesenheit lässt sich Genia mit einem jungen Fähnrich ein, dem Sohn einer Bekannten. Als Hofreiter bei seiner Rückkehr Zeuge eines nächtlichen Rendezvous wird, fordert er den jungen Mann zum Duell und erschießt ihn.

Dass zwischen Geschwindigkeitsrekorden, verbesserten Glühbirnen und Fernreisen, zwischen Frauensport, offenen Beziehungen und allgemeiner Besprechbarkeit von allem zwei junge Menschen für eine rettungslos verpfuschte Ehe sterben "müssen," hat in der Tat etwas Tragisches und Komisches zugleich. Es ist die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen, von rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen einerseits und brüchig gewordenen Formen, unhaltbaren Einstellungen andererseits, die Schnitzler interessiert: "...noch immer, in irgendeinem Winkel unseres Verstandes kauern diese alten sterbensmüden Ideen... nur ein Hauch braucht uns anzuwehen aus dieser kindischen Welt... und diese alten Ideen werden wieder frech und lebendig..." (Arthur Schnitzler) Dieses Herausgefallensein aus der Zeit, das Gefühl, nicht vollständig in der Gegenwart zu leben, ist nicht nur verantwortlich für die berühmte Schnitzlersche Ironie, sondern auch für die grundlegende Gereiztheit und Aggressivität dieser wohl gekleideten Menschen.

Residenztheater
  • Mi 30. Apr 14, 19:00 Uhr
  • Do 19. Jun 14, 19:00 Uhr
  • Vorstellungsdauer ca. 3 std.
  • eine pause
  • Regie Martin Kušej
  • Bühne Martin Zehetgruber
  • Kostüme Heide Kastler
  • Musik Helmut Neugebauer
  • Licht Tobias Löffler
  • Dramaturgie Sebastian Huber
mit

Pinakothek der Moderne: FRAUEN

Eva Mattes und Juliane Köhler im Gespräch mit Carla Schulz Hoffmann

Am 3. Juli erwartet die Besucher ein Höhepunkt der Ausstellung "Frauen. Picasso, Max Beckmann, Willem de Kooning": Carla Schulz-Hoffmann, Kuratorin der Ausstellung lädt die Eva Mattes und Juliane Köhler zu einem Gespräch über den Blick der Männer auf Frauen in der bildenden Kunst, im Film und im Theater.

Pinakothek der Moderne: FRAUEN
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