Das Chamäleon: Wer "Ich" sagt, lügt schonmal

Eine Diskursrevue von und mit Jürgen Kuttner

In den 1990ern setzte der Publizist Kevin Kelly ein Chamäleon in ein Spiegelkabinett, um herauszufinden, welche Farbe es annehmen würde. Das Ergebnis: ein Grünton, den das Tier gewöhnlich in Stresssituationen aufweist. Anscheinend befände sich das Chamäleon angesichts seiner selbst "in einem Zustand andauernder Furcht vor seiner eigenen, verstärkten Fremdartigkeit", vermutete Kelly damals.

Zwischen Ich und Ich: ein Abgrund – in dem wir uns in der Gegenwart der Selfie-Orgien längst verloren haben. "Was bin ich?", fragt Robert Lembke, wir fragen: "Wo ist denn ich?" Mit Schauspielern, denen in dieser Frage eh nicht zu trauen ist, pirscht sich der unkorrumpierbare Zeitdiagnostiker Jürgen Kuttner durch den Dschungel neurobiologischer und erkenntnistheoretischer Thesen und sucht in kostbaren Liedzeilen und dunklen Filmszenen nach dem Ariadnefaden, der zum echten, authentischen, einzigartigen Ich zurückführt. Und er ist nicht allein: Rimbaud befürchtet "Je est un autre!“, Harald Schmidt murmelt "Wer soll man denn sein? Wer ist denn schon wer?", und Collot schreit wie besessen, man müsse die Masken abreißen. Ein Abend nicht nur für Ich-thyologen.

  • premiere 19 Dez 15
  • Vorstellungsdauer ca. 2 std. 15
  • Regie Jürgen Kuttner
  • Bühne Maximilian Lindner
  • Kostüme Ulrike Gutbrod
  • Musik Christian Heiß
  • Licht Martin Feichtner
  • Dramaturgie Angela Obst
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Das Chamäleon: Wer "Ich" sagt, lügt schonmal Programmheft (PDF)

Das Chamäleon: Wer "Ich" sagt, lügt schonmal Programmheft (PDF)
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DAS CHAMÄLEON: WER "ICH" SAGT, LÜGT SCHONMAL (FOTOGALERIE)

"Das Beste ist, sich selbst ignorieren zu können."

Interview mit Jürgen Kuttner

"'Ich' ist ja eine kühne Behauptung. Wer sich seiner selbst so sicher ist, dem würde ich erst einmal gleich misstrauen." Vor der Premiere von "Das Chamäleon: Wer 'Ich' sagt, lügt schonmal" sprach Regisseur und Darsteller Jürgen Kuttner mit der Süddeutschen Zeitung über Adorno und Glamourgirls, das Über-Ich und Diskurstheater sowie über sein Verhältnis zu seinem eigenen Ich: "Wenn das Ich sich erst einmal zu Wort meldet, dann hat man Probleme, dann fängt man an, sich auf die Couch zu legen, überlegt, hat man das richtig, das falsch gemacht.

"Das Beste ist, sich selbst ignorieren zu können."

Was bin Ich?

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Der Feind im Inneren

Martin Kušej präsentiert seine Pläne für die Spielzeit 2015 16 am Residenztheater

Am 29. April 2015 stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende Spielzeit 2015 16 am Residenztheater vor. In vielen Stücken der neuen Spielzeit am Residenztheater richtet sich der Verdacht nach innen, sitzt der (vermeintliche) Feind im eigenen Lager, stellt sich heraus, dass Richter und Täter identisch sind: Das gilt sowohl für die ganz großen klassischen Stoffe wie "Prinz Friedrich von Homburg" und den Mythos von "Ödipus" als auch für modernere Dramen wie Arthur Millers "Hexenjagd". Und insbesondere in den zeitgenössischen Stücken "Die Netzwelt" von Jennifer Haley, Ayad Akhtars Pulitzer-Preis-gekröntem Stück "Geächtet", Peter Handkes "Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rande der Landstraße" sowie in Stefano Massinis "Lehman Brothers" wird der Feind im Inneren besonders deutlich spürbar.

Der Feind im Inneren
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Spielzeit 2015/2016

Hier finden Sie eine Übersicht über die Premieren und geplanten Projekte der Spielzeit 2015 16! Weitere Infos zu den einzelnen Produktionen finden Sie auch in unserem neuen Spielzeitheft, das Sie hier herunterladen können (PDF) und hier direkt online durchblättern.

Spielzeit 2015/2016