Aus dem bürgerlichen Heldenleben

Die Hose. Der Snob. 1913

von Carl Sternheim

Teufelskerle sind sie, die Maskes: Sie gehen in der Öffentlichkeit unbeirrt ihren Weg, der von Generation zu Generation ein Stück voran führt, rechnen pedantisch ihr Leben aus und halten alle Abgründe, Laster und Flecken auf der biographischen Landkarte geheim.

Der kleine Beamte Theobald Maske nutzt das Missgeschick seiner Frau, die auf offener Straße die HOSE fallen lässt und erotisierte Untermieter anzieht wie Mücken das Licht, für die finanzielle Stabilisierung incl. Stammhalterzeugung und organisiert sich außerehelichen Sex obendrein. Sein Sohn Christian, der SNOB, hat es zu Vermögen gebracht und arbeitet an der Vervollkommnung seines Lebenslaufs: kostspielige Verleugnung der Eltern, Einheirat in die Aristokratie, ideeller Vatermord. 1913 erweist sich Christians Tochter Sophie mit Geschäftssinn und Skrupellosigkeit als würdige Erbin des Maske-Imperiums und lässt den Vater beim Rüstungswettlauf fast ins Messer laufen.

Carl Sternheims Dramenzyklus "Aus dem bürgerlichen Heldenleben" war ein hellsichtiger, scharfgeschnittener Kommentar zum Übergang von wilhelminischer "Plüschzeit" zu Weltkriegsbeginn. Heute taugt er dazu, den vitalen, neoliberal befreiten Bürger endlich zu feiern.

  • premiere 21 Feb 14
  • Vorstellungsdauer ca. 3 std. 45
  • Regie Tom Kühnel + Jürgen Kuttner
  • Bühne + Video Jo Schramm
  • Kostüme Ulrike Gutbrod
  • Licht Tobias Löffler
  • Dramaturgie Angela Obst
mit
  • Oliver Nägele Theobald Maske
  • Hanna Scheibe Luise Maske / Gräfin Sofie von Beeskow
  • Katharina Pichler Gertrud Deuter, Nachbarin / Sibyl Hull, ehemalige Geliebte von Christian
  • Franz Pätzold Frank Scarron, Mieter / Wilhelm Krey, Sekretär
  • Jens Atzorn Benjamin Mandelstam, Mieter / Phillipp Ernst
  • Jürgen Kuttner Der Fremde / Der Diener / Hartwig Prinz Oels
  • Johannes Zirner Christian Maske
  • Gerhard Peilstein Graf Aloysius Palen / Graf Otto von Beeskow
  • Friederike Ott Marianne Palen / Ottilie

Aus dem bürgerlichen Heldenleben Programmheft (PDF)

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DER KOMMENDE AUFSTAND

I AM WHAT I AM. Niemals hatte eine Herrschaft ein unverdächtigeres Motto gefunden. Das Erhalten des Ich in einem Zustand permanenten Halb-Verfalls, chronischer Halb-Ohnmacht ist das bestgehütete Geheimnis der aktuellen Ordnung der Dinge. DIE KATASTROPHE IST NICHT, WAS KOMMT, SONDERN WAS DA IST. DAS ABENDLAND, DAS IST HEUTE EIN GI, DER IN EINEM ABRAHAM M1 PANZER NACH FALLOUDJA RAST UND VOLLE PULLE HARDROCK HÖRT.

DER KOMMENDE AUFSTAND

DER WOLFSCHARAKTER

Warum Sternheim heute? Die letzte große Konjunktur seiner Stücke liegt lange zurück, in einer fernen, fast vergessenen Zeit, den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals entzückte die Bosheit, mit der Sternheim den kleinbürgerlichen Aufsteiger karikierte, den linken Zeitgeist, der gerade von der Studentenbewegung gelernt hatte, alles Bürgerliche, krampfhaft Ehrgeizige und Materialistische zu verachten. In der grotesken Familie Maske verlachte man das Milieu, das man zum Vorlauf, wenn nicht zur Voraussetzung des Faschismus zählte.

DER WOLFSCHARAKTER

Aus dem bürgerlichen Heldenleben

Inhaltsangabe

Aus dem bürgerlichen Heldenleben“ nennt Carl Sternheim seinen Dramenzyklus zu dem auch DIE HOSE, DER SNOB und 1913 gehören. Zwischen 1909 und 1914 entstanden, künden diese drei Komödien vom Aufstieg der Familie Maske, vom Willen zur Macht und dem steinigen Weg dorthinauf, von Gier und Begehren, von Angst und Skrupellosigkeit, von aufgeschobenen und fingierten Schwangerschaften, gekauften Frauen, geliebten Feinden, totgesagten Eltern und missratenen Kindern.

Aus dem bürgerlichen Heldenleben

"Helden des Kleinbürgertums"

Interview

"Den Helden gibt es heute nur noch als intellektuelle Anstrengung. Die bürgerliche Gesellschaft ist unheroisch." Vor der Premiere von "Aus dem bürgerlichen Heldenleben" erklären die beiden Regisseure Jürgen Kuttner und Tom Kühnel im Gespräch mit dem Münchner Merkur, wie sie Sternheims "Helden" sehen, wieso sie seinen Dramenzyklus nicht nur als Satire verstehen und wie sie als Regieduo zusammenarbeiten: "Ich mache die Probe und den Probenplan. Jürgen macht mein Werk dann im besten Fall kaputt oder hat eine bessere Idee".

"Helden des Kleinbürgertums"

AUS DEM BÜRGERLICHEN HELDENLEBEN (FOTOGALERIE)

Spielzeit 2013/2014

Das Jahr der unruhigen Träume hat begonnen! Neben einem Themenkreis um die Jahre 1913/14, in denen vor hundert Jahren der Erste Weltkrieg die Moderne erschütterte, prägt, ausgehend von Johann Wolfgang Goethe, ein "Faust"-Schwerpunkt den Spielplan dieser Spielzeit. Unsere Spielzeithefte liegen an unseren Spielstätten und am Zentralen Kundenschalter am Marstallplatz 5 aus.

Spielzeit 2013/2014