"Da kriege ich das Kotzen"
Interview mit Frank Castorf
Im Interview mit Cicero spricht Frank Castorf über Angela Merkel und Richard Wagner, Zynismus und sein Theaterverständnis: "Mein Theater fordert die Existenz, ja. Aber sein Zweck ist gerade, das Abrutschen im Leben zu vermeiden. Auf der Bühne entsteht erst aus der Überforderung Wahrheit. Und, klar, es geht um die absolute Selbstzerstörung. Ich verstehe das Theater als Ort, an dem wir unsere Dunkelheit ausleben können, um nicht von ihr in den Tod gerissen zu werden."
Die Hysterie und der Vibrator
Das Abendland kennt drei Mächte, die aus dem Nichts sichtbare Wirklichkeit erschaffen: Das eine ist der liebe Gott, das zweite ist der Kredit, das dritte ist die Hysterie.
"Sie müssen sich nicht schämen. Das Gerät hat bei allen unseren Patientinnen die gleiche Wirkung. Manchmal lachen und weinen sie gleichzeitig. Häufig rufen sie Gott an."
S. Ruhl, "Nebenan - The Vibrator Play"
Ach, die Libido, die ist sowieso der reinste Luxus
"Zumindest die weibliche. Der männliche Orgasmus, logo, sichert die Fortpflanzung, immerhin mit der verschwenderischen Menge von bis zu 400 Millionen Samenzellen pro Ejakulation. Der weibliche Orgasmus hingegen - die pure Verschwendung, sagt die Wissenschaft. Alle Theorien, ihm einen Nutzen nachzuweisen, schlugen bislang fehl. Frauen, die Spaß am Sex haben, sind weder besonders fruchtbar. Noch besonders treu. Und sie haben auch nicht häufiger Sex als andere - was ja evolutionär Sinn machen würde. Das ist schwer zu akzeptieren für einen Biologen. Dann sei das mit der weiblichen Lust wohl, so musste der Evolutionsbiologe Stephen J. Gould nach vielen Jahren Forschung einsehen, der pure Luxus. L'art pour l'art. Wie schön." (Ursula Ott in Chrismon, Januar 2008)
Weibliche Selbstbefriedigung: Die Scham da unten
"Selbstbefriedigung von Frauen war lange ein heikles Thema, nur verschämt diskutiert - bis die Literatur sich der weiblichen Sexualität annahm." (Jenni Zylka in der taz, 26.10.2008)
Cybersex & fuck machines
"Die sexuelle Maschine wird zum radikalsten Subjektverstärker, der den Körper in Regionen anspricht, von denen der Kopf noch keine Ahnung hat und Phantasien stimulieren, die die Gesellschaft zu verbieten noch keine Gelegenheit hatte." (Georg Seeßlen in spex #330, Januar/Februar 2011)
Nebenan - The Vibrator Play Programmheft (PDF)

