Alte Ziertechniken der Damenschneiderei

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In den Schneidereien des Residenztheaters werden viele alte Handwerks- und Ziertechniken gepflegt und als Teil des Lehrplans an die Auszubildenden weitergegeben. Damit werden faszinierende Zierarbeiten erhalten, die nicht nur in der industriellen Verarbeitung, sondern auch im Handwerk im Laufe der Zeit verloren gehen.

Der Smok

Mit der Technik des Smok wird Stoff in kunstvoller Form gerafft. Dafür wird ein Raster auf den Stoff aufgetragen und dessen Verbindungspunkte mit wenigen Fadenstichen in verschiedenster Art zusammengezogen. Auf diese Weise entsteht ein waffel- oder wabenartiger Smok. Eine weitere interessante Variante der Raffung ist der Flechtsmok, der hier mit dem lichtreflektierenden Samt-Stoff entsteht. 

Die Punkte des Rasters liegen dabei immer parallel. Um diese anzuzeichnen, kann man sich eine Schablone anfertigen und diese immer wieder verwenden. Der Smok kann auch als Taillierung für ein Kleid, als Schmuckvariante zu normalen Abnähern, eingesetzt werden.

Die „unsichtbare“ Spitzenverarbeitung

Eine Spitze ist bekannt dafür, aus einzelnen Ornamenten zu bestehen, aus Blumen oder Paisley. Dabei sind die Nähte oft recht auffällig, da sie unterschiedlich hoch sind und die Spitze zusätzlich durchsichtig ist. Eine alte Couture-Variante eignet sich wunderbar, um Nähte komplett unsichtbar zu machen: Die Nähte und Abnäher werden zunächst mit gut sichtbaren Fäden markiert. Dann wird an den Ornamenträndern der Schnittteile entlanggeschnitten und geschickt die Ornamente beider Teile übereinander geschoben, bis die markierten Linien eine ergeben.

Die Ornamente werden festgeheftet und anschließend auf der rechten, äußeren Seite mit einem feinen Faden, der dem Spitzenmaterial entspricht, umschlungen. Von der inneren Seite wird der überflüssige Stoff herausgeschnitten, sodass die Spitze letztendlich genauso einlagig ist wie überall sonst.

Der Hohlsaum

 Die alte beige Schürze zeigt eine Besonderheit: es wirkt, als wäre eine Lochspitze eingesetzt worden. In Wirklichkeit wurde aber nichts hinzugefügt: Quer-, sogenannte Schussfäden, wurden herausgezogen sowie mehrere Längsfäden, sogenannte Kettfäden, zu Gruppen zusammengefasst und umschlungen.

 

 

Neben der klassischen Schneiderkunst und solchen wertvollen Techniken wird in der Damenschneiderei aber auch die Experimentierfreude der Auszubildenden gefördert. Stoffe werden drapiert, bemalt und bearbeitet, Materialien zweckentfremdet: dieses drapierte Kleid kombiniert Japan-Elemente im Kimono-Stil mit einem skulpturhaften Tellerrock. Um das Material von japanischen Raum-Trennwänden zu imitieren, wurde lange gesucht und sich schließlich auf einen Stoff geeinigt, der eigentlich als Einlage dient. Für das Finish experimentierten die Schneiderinnen mit der Aquarell-Technik "Nass-in-Nass". Als nächster Schritt folg jetzt die Drapierung des Rockes, damit er Stand bekommt. Auch hier werden verschiedene Materialien in Erwägung gezogen und ausprobiert. Ich bin sehr glücklich über die Bandbreite des Wissens, das uns als Lehrlingen hier zur Verfügung steht und über den alten Kulturschatz, der uns hier zugänglich gemacht wird.