"Macht braucht Zeugen": Neue Gesprächsreihe mit der Süddeutschen Zeitung

Gespräch am 23. April mit Günter Seufert und Christian Schlötzer

Herrscht das Unrecht? Wer trifft die Entscheidungen und wie weit reichen die Befugnisse? Wer ist von wem wozu legitimiert? Dass es derzeit offensichtlich schwer fällt, auf solch grundlegende Fragen allgemeine und einhellige Antworten zu finden, ist natürlich nicht so beunruhigend, wie es ein Leben unter der Herrschaft des Unrechts oder im Kriegszustand wäre. So gut ging es uns noch nie. Trotzdem wird das Politische leichterhand infrage gestellt und mit inneren und äußeren Bedrohungen spekuliert. Wohlige Schauer scheint die Vorstellung hervorzurufen, demokratische Verfahren aushebeln und wenigstens zeitweise durch autoritäre Akte der eigenen Gruppe oder Klientel ersetzen zu können. Sou - veränität und Handlungsmacht sollen sich daran erweisen, wer (über) den Ausnahmezustand verfügt, wer ihn also ausrufen kann und damit beherrscht. Erstaunlich, wie viele Akteure innerhalb und außerhalb von Regierungsparteien, Fernsehrunden und Internetforen sich im Augenblick um diesen Posten bewerben. Ein guter Zeitpunkt, den Blick auf die Katastrophenerfahrungen zu richten, die in der Dramatik vergangener Jahrhunderte gespeichert sind.

In der Spielzeit 2016/17 führt das Residenztheater die Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung fort und lädt regelmäßig in die "Schöne Aussicht" zu einer Diskussion politischer, juristischer und gesellschaftstheoretischer Fragen ein, die jeweils von einem Journalisten der SZ moderiert wird. Nachdem sich die Gesprächsreihe in der vergangenen Spielzeit dem "Feind im Inneren" widmete, richtet sie jetzt den Blick auf verschiedene Zentren der Macht – und ihre Zeugen.

23. April 2017, 18.00 Uhr
MACHT BRAUCHT ZEUGEN III: Die Türkei: Zerreißprobe am Bosporus

Während alle Welt hypnotisiert auf Donald Trump und die USA schaut, ist in der Türkei ein rasanter Staatsumbau in vollem Gange – eine Tatsache, die uns aufgrund der geographischen Nähe und unserer gesellschaftlichen Verflechtung deutlich mitbetrifft. Die EU-Beitrittsverhandlungen scheinen Lichtjahre entfernt. Nicht nur hinsichtlich der Flüchtlingsthematik ist die Türkei geostrategisch in gleichermaßen angespannter und exponierter Position. Nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 hat Staatspräsident Erdoğan seine Machtfülle systematisch ausgebaut, die Politisierung der Justiz, die Aufweichung der Gewaltenteilung, den Abbau unabhängiger Lehre und Medien vorangetrieben. Entlassungen von Hunderten von Universitätsprofessoren und Dozenten, Verhaftungen von über 100 Journalisten und schwere Eingriffe in die Justiz bezeugen Systematik und Gigantomanie des präsidialen Projekts. Angesichts des Verfassungsreferendums in der Türkei am 16. April diskutieren wir innen- und außenpolitische Konsequenzen für die Türkei, für Europa, für die Welt.

Zu Gast: Günter Seufert, Soziologe, Journalist und Autor, ist seit 2010 bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin tätig und ein ausgewiesener Kenner der politischen, gesellschaftlichen und religiösen Verhältnisse in der Türkei. Er promovierte über den politischen Islam in der Türkei, war u. a. akademischer Leiter des Istanbuler Orient-Instituts sowie Visiting Associate Professor an der Universität Zypern und verfasst regelmäßig Bücher, Fachaufsätze und journalistische Texte zur politischen Lage in der Türkei. Moderation: Christiane Schlötzer, seit 2015 stellvertretende Ressortleiterin der Seite Drei der Süddeutschen Zeitung. Sie studierte Kommunikationswissenschaft und Politik, absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München, war freie Journalistin für den NDR und den BRHörfunk und Landtagskorrespondentin der dpa. Seit 1992 bei der SZ, u. a. als Parlamentskorrespondentin, stellvertretende Ressortleiterin der Außenpolitik, Auslandskorrespondentin in Istanbul und Athen.

Eintritt frei, mit Einlasskarten.

In Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung. 

 

Macht braucht Zeugen III. Die Türkei: Zerreißprobe am Bosporus

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Günter Seufert und Christiane Schlötzer diskutieren

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Macht braucht Zeugen IV. Grexit – Brexit – Exitus? Wohin des Wegs, Europa?

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Alexander Graf Lambsdorff und Stefan Kornelius diskutieren

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Macht braucht Zeugen II. Tauwetter. Rück- und Ausblick auf den Klimawandel

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Mojib Latif und Patrick Illinger diskutieren

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Macht braucht Zeugen I.

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Thomas Bagger und Stefan Kornelius diskutieren

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ANDY HOPE 1930

Die Arbeiten des Künstlers bebildern das Spielzeitheft 2016/17

Die Gemälde, Zeichnungen und Collagen sind vom Künstler Andy Hope 1930 extra für dieses Spielzeitheft zusammengestellt worden. Der aus München stammende und in Berlin lebende Künstler konnte seine Arbeiten bereits in zahlreichen wichtigen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland zeigen, in München u.a. in der Sammlung Götz und im Lenbachhaus. Das Bild auf der Titelseite mit dem Titel "Epic imperial, the long tomorrow“ dürfte dem einen oder anderen Münchner wohl aber aus anderem Zusammenhang bekannt sein: Das Original hängt an prominenter Stelle im Baader Café.

ANDY HOPE 1930